Michael van Laack

Nun könnte man sagen, es hätte schlimmer kommen können. Mit Björn Höcke z. B. (der allerdings – wie Dirk Spaniel – darauf verzichtete, anzutreten) oder auch mit Nicolaus Fest, der krachend gegen Weidel verlor. Aber die Spitze, die nun gewählt wurde, einigt weder die Partei (denn sie bildet lediglich den real immer noch existierenden Flügel ab) noch macht sie die AfD attraktiver für kommende Wahlen.

Aus ihrer Nähe zu Putins Russland haben viele Mandatsträger der Partei nie ein Geheimnis gemacht. Darauf muss deshalb hier nicht ausführlich eingegangen werden.

Auf der falschen Seite der Geschichte

Entscheidend für meine pessimistische Zukunftserwartung an die Partei ist aber, dass sowohl Weidel als auch Chrupalla – obwohl es dazu keinerlei Ermächtigung aus dem Bundesvorstand gab und das Votum in der Fraktion uneinheitlich blieb – im Namen der AfD Waffenlieferungen an die Ukraine und Sanktionen gegen Russland abgelehnt haben, die NATO für die Eskalation mitverantwortlich machten und keinerlei Veranlassung sah, sich auch nur intern gegen solche Mandatsträger auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene zu stellen, die häufig öffentlich 1:1 russische Propaganda z. B. zu Butcha auf ihren Profilen in den sozialen Netzwerken verbreiteten.

„Wir wollen die Partei einen!“ Chrupallas und Weidels größte Lüge

Auch in der Coronadebatte ließen beide es gern und großzügig zu, dass führende Mitglieder ihrer Partei Menschen, die sich impfen ließen, verächtlich machten. Vor allem aber sind Weidel und Chrupalla nicht im Geringsten daran interessiert, die Partei zu einen. Ihnen geht es darum, die sie von allen Mitgliedern zu säubern, die auch nur leiseste Kritik an der “wahren AfD” (dem sozialpatriotischen Lager und den sich gern in Schnellroda zum frugalen Abendessen einladen und mit Götz Kubitschek ablichten lassenden nationalen Sozialisten) üben.

Aus ihrer Sicht müssen die westlichen, nördlichen und südlichen Landesverbände von den Landesverbänden im Osten “siegen lernen”. Beide sind immer noch fest davon überzeugt das eine “Dr. Joseph Goebbels Light”-Rhetorik in Bundestag, Landtagen und bei öffentlichen Veranstaltungen die Herzen der Wähler erwärmen wird und so Deutschland von der in der Tat immer weiter nach links verschobenen Politik der sogenannten Altparteien befreien kann.

Neben einem geringen Exodus steht eine große „Säuberungswelle“ bevor

“Wir werden sie jagen”, sagte einst der jetzige Ehrenvorsitzende Alexander Gauland mit Blick auf eben diese Parteien. In der aktuellen Besetzung aber wird die AfD andere Reviere bejagen. Zunächst sollen die Kritiker der Sozialpatrioten von der Meute ihrer Hunde aus dem Osten aus dem AfD-Wald gejagt und jene, die sich nicht vertreiben lassen, abgeschossen werden, um die einstige “Mut zur Wahrheit”-Partei – ganz im Sinn des Ritterguts – in eine Bewegung zu verwandeln, die eine national-konservative Revolution anführt.

Denn mit jener Republik, die 1949 gegründet wurde und der mit ihr gewachsenen Demokratie haben diese Kräfte (wie Angela Merkel oder Bündnis90/Die Grünen) in ihren Herzen schon lange fertig, wenn auch aus anderen Beweggründen als die gewesene Kanzlerin und die einstige Pädo-Partei. Die neuen Führer der AfD wollen keine Alternative für Deutschland sein, sondern Deutschland alternativlos nach ihren Vorstellungen umgestalten. Der Wähler wird das nicht goutieren, nicht einmal in einer schweren systemischen oder wirtschaftlichen Krise. Denn in solchen Fällen schlägt das Herz der Bürger immer links.

In den AfD-Fraktionen in Bund und Land gibt es (ungefähr im Verhältnis der Gegenstimmen, die Weidel und Chrupalla heute erhalten haben) viele, die das exakt so sehen, wie ich es hier beschrieben haben. Doch für manche ist das Mandat die einzige Quelle zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Sie werden so lange als möglich gute Miene zum bösen Spiel machen. Den anderen “Gefährten” kann ich nur mit Gandalf auf der Brücke von Khazad-dûm zurufen:

Flieht, ihr Narren!

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