Michael van Laack

Von den meisten nur mit einem Achselzucken quittiert begann vor fast zweieinhalb Jahren die radikale Linke überall in Europa und den USA eine Säuberungswelle. Kulturhygiene, wohin man schaute. Wie einst Adolf Hitler Bücher volksfeindlicher Schriftsteller verbrennen, Straßen umbenennen und aus dem Geschichtsunterricht gewisse Namen und Ereignisse tilgen ließ, um antideutsches Denken auszumerzen, so stürzten sie Statuen und diskreditierten in ihren Reden und Publikationen historische Persönlichkeiten, deren Intellekt sie nie erreichen und deren Leistungen sie nie vollbringen können.

Seitdem wurde es zwar ruhiger um die Black Lives Matters-Bewegung. Auch lasen wir nicht mehr täglich neue abstruse Forderungen. Das darf uns aber nicht beruhigen. Denn das vor mehr als zwei Jahren injizierte schleichende Gift durchströmt immer mehr Adern. Fast unbemerkt räumt man seitdem deutsches Kulturgut beiseite, druckt bestimmte Bücher nicht mehr nach oder merzt “bedenkliche” Stellen und Begriffe aus. Kaum mehr jemand wehrt sich dagegen, zumal die meisten Bürger abgelenkt waren und sind durch die Debatten um Corona, den Klimawandel und nun Russland und die Ukraine.

Die “Kulturrevolution” verläuft im Schatten großer Themen

Zudem halten sich manche der ursprünglichen Initiatoren all dieser “Initiativen nur deshalb zurück, weil sie das meiste, was sie erreichen wollten bereits erreicht haben. In der deutschen Mehrheitsgesellschaft ist die Botschaft angekommen und angenommen. Kaum mehr regt sich Widerstand, wenn doch mal wieder ein Aufrechter und Anständiger einen Straßennamen entdeckt hat, der unbedingt geändert werden muss oder das Werk eines bereits vor 400 oder mehr Jahren verstorbenen Autors aus den Verlagslisten verschwindet, weil man Spuren von Rassismus bzw. Antisemitismus in seinem Leben entdeckt hat.

Einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat zweifellos der bestbezahlte Grüßaugust Deutschlands – in Fachkreisen “Hochverehrter Herr Bundespräsident” genannt – der sich seinerzeit nicht entblödete, auf den BLM-Zug aufzuspringen und Umerziehung durch Sprach- und Gedanken-Hygiene zu fordern.

Bedenkenlos formulierte Frank Walter Steinmeier einen scheinbar immerwährend gültigen Anspruch, der allerdings jedem Politikwissenschaftler als Musterbeispiel für totalitaristische Bestrebungen gelten sollte:

Totalitarismus wurde hip, die Saat ging auf!

Bei Wikipedia lesen wir: „Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine Form von Herrschaft, die im Unterschied zu einer autoritären Diktatur in alle sozialen Verhältnisse hineinzuwirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen. Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird.“

Das nur auf CD erschienene Lexikon „Personen, Begriffe, Ereignisse“ (Sonderband der „Digitalen Bibliothek“ von Directmedia, Berlin, 2003) ergänzt: „Der Totalitarismus rechtfertigt sich selbst mit der These, uneingeschränkte Staatsgewalt sei auf Grund bestimmter Sicherheitslagen für die Existenz der Gruppe erforderlich. Der Totalitarismus ist eine »moderne« Erscheinung industrieller Massengesellschaften, eine Herrschaftsform, die sich unter Mithilfe von moderner Technologie, fundamentaler Ideologie, scheindemokratischen Strukturen und einer monopolistischen Staatspartei vollziehen kann.“

Die Renaissance der Bilderstürmer

Zahlreiche Denkmäler z.B. von Christopher Columbus, Winston Churchill, George Washington oder Leopold II. wurden zum Ziel jener Aktivisten, die bis heute für unseren Bundespräsidenten und mindestens die Parteien der aktuellen Ampelregierung gewiss als Prototyp des neuen antirassistischen Menschen gelten. Sie sind unwiederbringlich verloren. Und sobald sich heute doch noch einmal jemand öffentlich zu Wort melden, der das beklagt, ist ihm, sollte er eine sogenannte “Person des öffentlichen Lebens sein”, die Vernichtung seiner Karriere gewiss. Ganz egal ab in Politik, Kirche, Kultur oder in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Einer Forderung wurde seinerzeit übrigens interessanterweise nicht nachgekommen: Der Historiker Jürgen Zimmerer forderte, man müsse das Robert-Koch-Institut umbenennen. Robert Koch sei vor allem ein Kolonialarzt gewesen, der in Tansania viele Einheimische für Experimente missbraucht hätte. Rücksichtslos habe er Negroide geopfert, um „alte weiße Männer“ zu retten. Dass der einsetzende Shitstorm gegen Robert Koch vom politischen Establishment und dem medialen Komplex unterdrückt wurde, dürfte einzig und allein daran gelegen haben, dass das Institut in der Corona-Hochzeit als systemrelevant galt. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich – sollte der nächste Coronawinter entgegen der Hoffnungen Karl Lauterbachs kein “dramatischer” werden, die Diskussion wieder hochkochen darf.

Bismarck-Heringe? Ja! – Seine Denkmäler? Nein!

In Deutschland konzentrierte sich der “gerechte Zorn” der von Steinmeier geforderten und vermutlich bereits seit einigen Jahren in geheimen Berliner Polit-Laboren als Prototypen geklonten antirassistischen Rasse auf Bismarck. Er habe den Kolonialismus für Deutschland neu erfunden. Deshalb müsse man z.B. das Bismarck-Nationaldenkmal neben Schloss Bellevue (dem Sitz des Bundespräsidenten) zeitnah abreißen lassen. In Köln und Hamburg nahmen Pläne zur Sprengung der Bismarck-Türme Gestalt an und sich auch heute noch nicht endgültig vom Tisch. Was aktuell fehlt, ist das Geld, solche “baulichen Veränderungen” vorzunehmen und entstehende Leerflächen adäquat neu zu bebauen.

Der Verein „Berlin Postkolonial“ (der sich selbst als “Nicht-Regierungs-Organisation” bezeichnet und abseits der medialen Aufregung wirkt, arbeitet daran, deutschlandweit alle Denkmäler und Straßennamen von Politikern und Schriftstellern, die zwischen 1871 und 1918 ihr “Unwesen” getrieben hätten, zu zerstören bzw. zu tilgen. Auch Museen, die das Lebenswerk der möglichen oder tatsächlichen Rassisten ausstellen, müssten dazu veranlasst werden, die entsprechenden Abteilungen zu entgiften. Gedenktafeln an Geburts- oder Sterbehäusern seien ebenfalls zu entfernen. Ebenso – glaubt man bei “Berlin Postkolonial – sei die Literatur nach Machwerken aus dieser Zeit zu durchforsten, was einige eifrige Steinmeier-Legionäre seit fast 30 Monaten “ehrenamtlich” und mit Begeisterung tun.

Ich erlaube mir nun – aufrecht und anständig, wie ich nun mal bin – den Blick auf einige bisher vernachlässigte Persönlichkeiten zu werfen, die entsprechend den Kriterien des Vereins und dem Wunsch des Herrn Bundespräsidenten zeitnah aus dem historischen Literatur- und Bildgedächtnis der Deutschen getilgt werden sollten.

Hinweg mit dem Gedenken an Karl Marx

Diese Forderung dürften der Bundespräsident, Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Robert Habeck ganz gewiss nicht gern hören. Aber wenn schon, denn schon. Tabula Rasa, alles oder nichts! Also hinweg mit all den Denkmälern und Schriften des Antisemiten (und somit Rassisten) Karl Marx und aller, die später seine Lehre weiterverbreiteten und modifizierten. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg z. B., von Lenin müssen wir gar nicht reden. Und selbst bei Kurt Schumacher und Willy Brandt sollten uns Zweifel kommen. Denn die haben nie öffentlich die widerwärtigen rassistischen Thesen des Erz-Kommunisten angeprangert. Stillschweigen bedeutet bekanntlich Zustimmung, wie wir gelernt haben.

Lupenreiner Antisemitismus

„Wir erkennen also im Judentum ein allgemeines gegenwärtiges antisoziales Element, welches durch die geschichtliche Entwicklung, an welcher die Juden in dieser schlechten Beziehung eifrig mitgearbeitet, auf seine jetzige Höhe getrieben wurde, auf eine Höhe, auf welcher es sich notwendig auflösen muss. Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum.“, schreibt Marx in Braunschweig in seinem Traktat „Zur Judenfrage“ (in: MEW 1, S. 373, Berlin, 1956). Und wenige Zeilen zuvor:

„Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld. Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit.“ (Ebd. S. 372).

Seinen größten politischen Konkurrenten – den Juden Ferdinand Lasalle, Gründer der deutschen Arbeitervereine – nennt Marx einen jüdischer Nigger, was er wie folgt begründet:

„Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, – von den Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlössen (wenn nicht seine Mutter oder Großmutter von väterlicher Seite sich mit einem Nigger kreuzten). Nun, diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch niggerhaft.“ (Marx an Engels am 30. Juli 1862 in: MEW 30, S. 259, Berlin, 1964).

Tilgt Luther aus dem Gedächtnis, verbietet seine Kirche!

Kein Theologe wurde bei den Gesprächen an Hitlers Tafel oder auf dem Obersalzberg häufiger positiv zitiert als Martin Luther. Zahlreiche evangelische Pfarrer waren glühende Verehrer der Nationalsozialisten, weil sich Luthers Antisemitismus wirkungsgeschichtlich durch die fast 400 Jahre bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten von Theologen-Generation zu Theologen-Generation vererbte.

In der erstmals 1543 erschienenen übelsten seiner antisemitischen Schriften „Von den Juden und ihren Lügen“ (Martin Luther, Kritische Gesamtausgabe, Band 53 – S. 522 ff., 1920) lesen wir – ins heutige Deutsch übertragen – u.a.:

„Was wollen wir Christen nun anfangen mit diesem verworfenen und verdammten Volk der Juden? Zu ertragen sind sie für uns nicht, solange sie hier sind und wir solches Lügen, Lästern und Fluchen von ihnen hinnehmen müssen, auf dass wir nicht mitschuldig werden an all ihren Lügen, Fluchen und Lästerungen. […]

Ich will meinen wohlgemeinten Rat geben…

Erstens, dass man ihre Synagogen oder Schulen anzünde und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und überschütte, sodass kein Mensch für alle Zeiten weder Stein noch Schlacke davon sehe. […]Zweitens sollte man auch ihre Häuser abbrechen und zerstören, denn sie treiben darin genau das gleiche, wie in ihren Synagogen. Stattdessen mag man sie etwa unter ein Dach oder in einen Stall tun, wie die Zigeuner, damit sie wissen, dass sie nicht Herren in unserem Land sind, wie sie sich derzeit rühmen, sondern im Elend und gefangen, dass sie uns deswegen ohne Unterlass vor Gott anklagen, herumjammern und schreien.  […]“

Den protestantischen Rassisten keinen Meter Raum!

Die anderen fünf Punkte möchte ich unseren Lesern ersparen. Sie sind ähnlich widerlich. So fordert Luther, den Juden den Talmud abzunehmen und zu vernichten. Auch die mündliche Weitergabe des jüdischen Glaubens solle unter schwere Strafe gestellt werden.

Deshalb müssen alle Denkmäler von Luther beseitigt werden, alle Straßennamen sowieso. Die Kirchen sind umgehend nach Lutherbildnissen zu durchforsten. Doch Luther allein reicht nicht! Alle, die ihm folgten und seine Lehre weiterverbreiteten, müssen ebenfalls aus dem Gedächtnis unseres neuen antirassistischen Volkes getilgt werden. Wenn ich es mir recht überlege: Was kann uns eigentlich sicher sein lassen, dass nicht auch heute noch viele Bischöfe der EKD lediglich als Demokraten getarnte Antisemiten durch das bunte Deutschland wandeln? Nur weil sie sagen „Ich bin kein Rassist!“, sind sie ja noch lange keine Anti-Rassisten.

Wer garantiert uns, dass sie nicht irgendwann die Seiten wechseln und die AfD im Wahlkampf unterstützen? Darf eine Vereinigung, die so viele politische Antisemiten hervorgebracht hat wie die evangelische Kirche in Deutschland – und jetzt komme mir niemand mit dem Vorzeige-Protestanten Dietrich Bonhoeffer – in der ARD (Antirassistische Republik Deutschland) weiterhin geduldet werden?

Bitte keine halben Sachen mehr!

Wenn wir konsequent und vor allem glaubwürdig unser aller demokratisches Totalitarismus-Projekt weiterentwickeln wollen, müssen wir konsequent sein. Keine Ausnahmen! Am besten vorsorglich alle Denkmäler auf unserem Staatsgebiet sprengen und alle Straßen umbenennen. Z. B. nach verstorbenen Afroamerikanern oder von Rechten ermordeten Asylanten. Falls wir nicht genug Straßennamen zusammenbekommen, machen wir es wie seinerzeit in der Sowjetunion Stalins: „1848ter Steinmeierweg“ oder „207te Kahane-Allee“.

Also, hochverehrter Herr Bundespräsident, liebe Frau Bundesinnenministerin! Unter diesen Bedingungen mache ich mit in ihrem Club der alten weißen Totalitarismus-Theoretiker. Gern will ich selbst Hand anlegen bei der Sprengung des Marx-Denkmals in Trier, der Wartburg oder der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg! Und ich erwarte dafür nicht einmal ein Bundesverdienstkreuz.

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