Michael van Laack

Ich weiß nicht, liebe Leser, ob es Ihnen so ergeht wie mir. Ich schaue auf die vergangenen zweieinhalb Jahre, auf die Coronakrise und die damit verbundene enorme Staatsverschuldung; ich erschaudere beim Blick auf die extrem hohen Kosten, die über die EU und die Beschlüsse der Bundesregierung sowohl zum Green Deal als auch zum Migrationspakt auf uns zukommen.

Ich wundere mich, dass die Ausfallrisiken durch die Banken- und Eurokrise fast kein Thema mehr sind; ich sehe die Kosten, die der Steuerzahler bereits heute für Millionen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika und Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine stemmen muss und last but not least: ich mache mir große Sorgen über die Inflation und die Energiekrise.

Alles wie immer, eher noch schlimmer!

Und dann schaue ich auf Deutschland und seine Bürger und frage mich: Haben wir tatsächlich Krise? In die aktuell angebliche (nein: tatsächlich) bedrohliche Lage hinein wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. In Augsburg wird der Weihnachtsmarkt bei 32 Grad nachgeholt und alle sind begeistert.

Überall im Land Musikkonzerte in Hallen und im Freien, eine große CSD-Parade jagt die nächste, die Freizeitparks bersten auseinander und noch nie wollten so viele Menschen in Urlaub fliegen oder fahren, wie in diesem Jahr; die Restaurants sind voll, die Einkaufsmeilen auch, die Betreiber der großen Online-Verkaufsplattformen sind begeistert über immer noch steigende Umsätze. Die Deutsche Post und andere Paketzusteller stöhnen ob der immensen Paketmengen, die Deutsche Bahn ächzt unter überfüllten Zügen und auf den Autobahnen sehen wir die gleichen Staus zum Berufsverkehr und an den Ferienwochenende wie eh und je.

Nur die Kirchen bleiben leer (kein Wunder, die Leute haben “besseres” zu tun als freud- und nutzlos herumzusitzen, wie sie meinen). Und außerdem kostet Kirche außer der Kirchensteuer nichts. Kein Eintritts- und Übernachtungsgeld und erst recht nicht viel Energie, von der wir doch angeblich so wenig haben, dass Robert Habeck schon Duschempfehlungen herauszugeben genötigt scheint..

Gute und schlechte Energieverschwendung

Brot und Spiele aber müssen erhalten und die Leute bei Laune gehalten werden. Da darf man natürlich nicht über Energieverschwendung reden. Energie verschwendet nur der einzelne Bürger: Durch seinen übermäßigen Fleischkonsum z. B., der selbstverständlich nur als übermäßig gilt, wenn das Fleisch nicht im Fast-Food, einem normalen Restaurant oder beim Grillfest auf einem CSD verzehrt wurde.

Energie verschwendet der einzelne Bürger, wenn er zu lange duscht oder sogar noch mit Gas kocht. Freizeitparks, enorme Lichtorgeln bei Musikveranstaltungen und die Ermunterung des Staates, quer durch Deutschland zu wichtigen bunten Events oder Sportveranstaltungen anzureisen… das alles hat mit Ressourcebverbrauch nichts zu tun. So jedenfalls scheint man uns glauben machen zu wollen.

Nie würden unsere Politiker empfehlen, sich – so man es sich leisten kann – nicht jedes Jahr ein neues I-Phone zu kaufen oder statt fünf einwöchige Kurzreisen und zwei Wochenend-Städte-Touren drei Wochen Urlaub am Stück zu machen, weil das definitiv sowohl Energie als auch Nerven sparen würde und der Erholungswert bei längeren Aufenthalten zudem größer wäre. Stattdessen empfehlen sie jenen, die unter den Energiekosten jetzt schon stöhnen und sich kaum mehr die Teilnahme am öffentlichen Sozialleben leisten können (in einige Monaten vielleicht komplett zusammenbrechen werden) warmes Wasser zu sparen.

Den anderen, die Sparen noch nicht nötig haben (oder nicht nötig zu haben glauben) empfehlen sie das Gleiche. Einen Aufruf zur Mäßigung wegen der bevorstehenden Energiekrise wagen sie nicht, zu sehr leidet die Wirtschaft und “leiden” vor allem viele Bürger noch unter dem nachhaltigen Konsumverzicht während der Lockdown- und Beschränkungsphasen.

Prost – Bis zum letzten Tropfen Öl

So sind z. B. in Berlin Bundes- und Landesregierung stolz darauf, dass es seit 2010 nicht mehr so viele Events in der Stadt gegeben habe, wie in diesem Jahr. In Bayern freut man sich über einen neuen Besucher- und Urlauberrekord nach dem anderen., Wir haben es ja! Also nicht nur das Geld, sondern die Energie.

Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.” ist vielleicht nicht die ganz zutreffende Beschreibung des aktuellen Verhaltens der Animateure und der Bespaßten im Brot- und Spiele-Deutschland. Treffender scheint mir “Für morgen lass Gott sorgen – Ganz gleich, ob es ihn gibt oder nicht.”

Also liebe Leute und liebe Bundesregierung: Entweder sehen wir am nicht mehr allzu fernen Horizont eine Krise wie eine Tsunamiwelle auf uns zurollen oder nicht. Wenn nicht, dann macht so weiter wie bisher, aber stellt bitte das Jammern auf höchstem Niveau ein. Entweder ihr habt große Zukunftsängste oder ihr habt keine.

Wenn ihr welche haben solltet, dann lebt euer Leben auch entsprechend dieser Ängste. Das aber sehe ich aktuell in keiner der soziologischen Schichten; weder ganz unten noch ganz oben. Alle wollen nach Corona endlich ihr Leben zurück. Koste es was es wolle, notfalls auch den letzten Tropfen Berzin und den letzten Kubikmeter Gas. Irgendetwas stimmt nicht mehr in diesem Land – Nicht nur im politischen Betrieb.

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