Das böse CO2 und das gute Flüssiggas: Die spinnen, die Germanen!

Albrecht Künstle*

Die alten Römer waren so tüchtig wie unsere heutigen Ingenieure und Malocher. Für die Wasserversorgung der Städte bauten sie hunderte Kilometer lange Leitungen durch Berge und Täler. Oder ließen sie in ihren „Provinzen“ von Zwangsarbeitern bauen. Heute würde man zu diesen Leitungen Pipelines sagen, die wie diese über große Strecken ebenfalls unterirdisch verlegt wurden. So wurde der damalige „Lebenssaft“ transportiert.  

„Die spinnen, die Römer“, hätte Asterix dazu gesagt, wenn er gesehen hätte, dass die Römer, das Wasser in Eimern über hunderte Kilometer in die Städte gebracht hätten, statt ihre gebauten Leitungen und Aquädukte zu nutzen. Sie wären „plemplem“ gewesen, weil die Wasserträger als Legionäre gefehlt hätten und ihr Reich wäre früher untergegangen.  

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Wir Römer der Neuzeit haben es geschafft, Leitungen von zehnfacher Länge zu bauen. Nicht für Wasser, das es fast überall gibt, sondern für Gas und Öl, heute so existenziell wie Wasser. Die großen Gasvorkommen für den Großverbraucher Deutschland bieten die wenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Biogas leider nicht, Russlands Gasvorkommen aber schon. Vom größten Gasfeld Nowy Urengoi führen rund 3 700 km (Luftlinie 3 500 km) lange Pipelines über Land und auch durch die Ostsee. Darunter eine ganz neue Leitung, die Nord Stream 2.  

Doch die deutschen Regierung hat entschieden, fertige Leitungen links liegen zu lassen und Energie woanders über noch größere Entfernungen herzuholen. Und zwar in riesigen Eimern, kugelförmig, die auf Schiffe montiert werden. Und das nicht etwa aus der Nähe, z.B. dem eigenen Helgoland. Nein, so wie die Wikinger Neufundland entdeckten, taten es jetzt auch Un-wirtschaftsminister Habeck und sein Chef Scholz. Nur: Die Wikinger hatten etwas AUF dem Kopf – ihre Hörnerhelme. Die neuen „Wikinger“ scheinen etwas VOR dem Kopf zu haben – ein Brett, denn … 

Es muß nicht Nord Stream 2 sein, aber Neufundland erst recht nicht!

Rational lässt sich die Begeisterung für LNG und Wasserstoff aus Kanada nicht erklären. Schon die Entfernung Neufundland – Deutschland ist mit 4 700 km tausend Kilometer länger als die bisherige Gastransportstrecke von Nowy Urengoi hierher. Und das mit Schiffen, die erst noch in der ausreichenden Anzahl gebaut werden müssen. Ebenso die Terminals, und wie bei jeder Produktion entsteht dabei das böse CO2, und zwar vorgezogener CO2-Ausstoß. Welches durch den Bau der Pipelines schon einmal entstanden war. Nun ja, doppelt wirkt besser?! 

Schon die Erdgasverflüssigung LNG ist komplex und alles andere als umweltfreundlich. Diese Energieumformung kostet selbst viel Energie. Das Gas muss auf mindestens minus 161 C heruntergekühlt werden damit es flüssig wird. Mit normalen Kältemaschinen sind solche Tieftemperaturen nicht zu schaffen. Aber wie bei Gefrierschränken entsteht durch ein spezielles Kreislaufverfahren auch Wärme, sehr viel mehr Wärme. Das „Klima“ freut sich darüber aber eher nicht.

Erheblicher Gasverlust während des Transports

Noch problematischer:  Durch die thermodynamischen Prozesse der Herstellung und dem Transport des LNG gehen 10-20 Prozent der Gasenergie flöten, bei Pipelines dagegen kaum etwas. Die Energie, die so verlustig geht, wird uns fehlen, in jedem Fall unseren Nachkommen. Die minus 161°C müssen auch auf dem Transport konstant gehalten werden. Das lässt sich auch durch die beste Isolierung der runden Tanks alleine nicht erreichen. Übrigens ist auch die Herstellung des Dämmmaterials sehr energie- und CO2-lastig.  

Die Ingenieure versuchen aber, den Wahnsinn der Politiker zu mildern, so gut es eben geht: In einem adiabaten Prozess wird Kälte weder zu- noch abgeführt. Stattdessen macht man sich die Kühlwirkung bei der Verdunstung von Flüssigkeit zu Nutze. Im vakuumisolierten Tank stehen Flüssigkeit und Gas im thermodynamischen Gleichgewicht. Wird dem Tank Gas entnommen, so verdampft ein Teil des LNG und entzieht der Flüssigkeit dabei „Wärme“. 

Durch Entnahme dieses sogenannten Boil-off-Gases kann Flüssiggas über lange Zeiträume kühl gehalten und gelagert werden, während zugleich der zulässige Tankdruck nicht überschritten wird. Das entnommene Gas wird dem Schiffsmotor als Treibstoff zugeführt oder erneut verflüssigt, entweder für die Nutzung im Schiffsdieselmotor oder für die Rückführung in den LNG-Tank; Quelle.  

Der Preis für Flüssiggas ist um 300 % höher als für Pipelinegas

Aber alle diese Raffinessen erfordern wahnsinnig viel Arbeitsaufwand und sind entsprechend teuer – kosten dreimal so viel wie normales Erdgas. Das gleiche gilt für das Fracking-Gas aus Amerika. Und das alles nur weil weniger als ein Prozent der Zahlungen für russisches Gas an Putins Militär fließen würde, errechnete ich. Die dreifachen Energiepreise werden bald in die dann geschätzt zehn Prozent höheren Lebenshaltungskosten einfließen. Nun ja, auch die Grünen erhielten dreimal so viele Stimmen wie sie verdienen. In meinem weiteren Artikel wird die energiepolitischen Alternative beschrieben die Alternative zu den Grünen ist dagegen klar genug.  

Würde der Autor der Asterix-Hefte noch leben, böte ihm die deutsche Energiepolitik eine reiche Fundgrube. Der Titel des Heftes könnte lauten, „Miraculix braut den germanischen Häuptlingen K.-o.-Tropfen“.  

***

*Dieser Artikel erschien zuerst am 27.08.22 unter der Überschrift “Asterix hätte gesagt: „Die spinnen, die Deutschen“ auf Albrecht Künstles Blog “Die andere Sicht”. Zwischenüberschriften von der Conservo-Redaktion eingefügt.

*****

Sie lesen gern die Debattenbeiträge, Analysen, Satiren und andere Inhalte,

die wir Ihnen auf conservo bieten?

Dann können Sie unser Engagement hier per PayPal unterstützen:

Über conservo 7863 Artikel
Conservo-Redaktion