Dr. Udo Hildenbrand*

In der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“ und in anderen Publikationen wird muslimischen Autoren regelmäßig die Gelegenheit gegeben, spezielle Themen und Probleme aus muslimischer Sicht darzustellen.

Dabei ist immer wieder festzustellen, wie die Autoren die islamüblichen Strategien der Vernebelung und Beschönigung sowie des Ausblendens und Leugnens der eklatanten Problemfelder, die durch die Religion Mohammeds verursacht werden, gekonnt umsetzen.

Der getröstete Mohammed nach abgewehrtem Zwang?

Im kostenlos zugestellten evangelischen Magazin „Chrismon“ beantwortete jüngst der Islamwissenschaftler Mouhanad Korchide die Frage: „Was macht den Koran aus?“. Nach der (überlangen) Schilderung von Erfahrungen mit dem Koran in seiner Kindheits- und Jugendzeit erwähnt er zunächst die unterschiedlichen positiven und negativen Emotionen, die sich in der Koranrezitation „entfalten“.

Zu diesen Emotionen zählen: Empathie, Liebe, Barmherzigkeit, Mitleid usw., aber auch Zorn, Rache, Verzweiflung u.a.m. „Sie alle erzählen die Geschichte der Menschen mit dem einen Gott, der sich berühren und bewegen lässt“. Berühren, bewegen – aber von wem? Gibt es nicht auch den ganz anderen Gott der Muslime, von dem mit bedrohlichen Aussagen weiter unten berichtet wird?

Dann verweist Korchide auf die Trostsuren 93 und 94, „woraus … Mohammed Hoffnung schöpfte, als er anfangs auf schroffe Ablehnung stieß “. Warum aber stieß Mohammed in Mekka auf Ablehnung? Doch wohl deshalb, weil sich die Mekkaner damals durch Mohammed bedroht fühlten und sich gegen die zwanghafte Übernahme des islamischen Glaubens zu Recht zur Wehr setzten. Dieses Wissen will Korchide natürlich in seinem Artikel nicht vermitteln.

Die erneut „vergessene“ Gewaltproblematik

Vor allem aber „vergisst“ der islamische Theologe, den nichtmuslimischen Lesern/innen seines Artikels von einem Sachverhalt zu berichten, der inhaltlich und quantitativ wesentlich den Koran bestimmt:  Die Fülle der über 200 höchst aggressiven Koranaussagen – darunter auch die 27 Tötungsaufrufe – die gegen die angeblich lebensunwerten nichtmuslimischen „Ungläubigen“ gerichtet sind. Will Korchide in bescheidener Zurückhaltung diese hochproblematischen Koranaussagen, die zu Gewalt aufrufen und Gewalt legitimieren, den christlichen Lesern/innen auf keinen Fall zumuten?

Was also macht prägend und für alle, die lesen und sehen können, unübersehbar den Koran aus? Herr Korchide dürfte es wissen und verschweigt es: Die unübersehbare Gewaltaffinität des Korans und damit auch des Islams, die gegen die gesamte nichtmuslimische Welt gerichtet ist, eine Gewaltaffinität, die insbesondere auch in den islamisch motivierten Christenverfolgungen durch die Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag bedrückende Realität ist. Korchide aber streift in der Beantwortung seiner selbst gestellten Frage „Was macht den Koran aus?“ nicht einmal andeutungsweise die Gewaltaussagen, die einem auf fast jeder Koranseite entgegenschreien.

Wer aber diese Gewalt im Koran und im Islam aus welchen Gründen auch immer verschweigt, wer diese Koranverse nicht als ungültig erklärt, ist mitverantwortlich und auch mitschuldig an der immer neu ausbrechenden koranmotivierten Gewalt.

Purer Opportunismus im Islam

Den Vorwurf von Korankritikern, bestimmte Aussagen im Koran „passten nicht zueinander“, kontert Prof. Korchide in seinem Artikel mit dem mehr als schwachen und zugleich recht aufschlussreichen Argument: Was der Gott der Muslime sagen will, sagt er unterschiedlich: „je nach Publikum, an das er sich richtet, und je nach Situation“. Also mal so – und dann wieder genau das Gegenteil. Je nach Adressat, je nach Situation. Das alles aber hat nichts mit irgendeiner göttlichen „Pädagogik“ zu tun. Es ist nichts anderes als Opportunismus pur.

Ist doch Allah nach Sure 3, 54 auch noch der „beste Listenschmied“ (Ränkeschmied, Täuscher), der jeden Menschen überlisten kann, wenn er will. Wenn es also opportun ist, dann kann und wird Allah in betrügerisch-listiger Weise reden und handeln, um Menschen zu schaden, sie in den Irrtum und ins Verderben zu locken.

Was für ein opportunistisches Gottesbild steckt hinter dieser Sure, auch hinter der Aussage von Korchide! Und prägt dieses opportunistische Gottesbild nicht zugleich auch das muslimische Menschenbild und damit das von Opportunismus und von Doppelzüngigkeit geprägte ethische Verhalten weiter Teile der muslimischen Welt?

Und ist nicht gerade auch dieser kleine Artikel von Prof. Korchide ein Beleg für diese Verhaltensweise, die widersprüchliches und gegensätzliches Verhalten durch den Koran offen legitimiert? So dürfen Muslime z. B. auch ständig mit dem Brustton der Überzeugung wahrheitswidrig behaupten, Islam heiße Frieden, während „Islam“ doch in Wahrheit nichts anderes als „Hingabe“, „Unterwerfung“ (unter die Herrschaftsordnung Allahs) bedeutet.

Allahs islambegrenzte Liebe und Barmherzigkeit

Natürlich verweist Prof. Korchide, der als Leiter der religiösen Werbeabteilung „Islam, die Religion der Barmherzigkeit“ bekannt ist, auch in diesem Zusammenhang – zumindest indirekt – auf sein „Spezialgebiet“, das sich mit der Verhaltensweise der Barmherzigkeit bei Allah und im Islam beschäftigt. Er kommt   dabei zur völlig unglaubwürdigen, abstrusen Erkenntnis, die den Islam mit Barmherzigkeit gleichsetzt: „Islam ist Barmherzigkeit“.

Zunächst: Auch in diesem Zusammenhang „vergisst“ Korchide zu erwähnen: Die Haltung der Liebe und der Barmherzigkeit des islamischen Gottes Allah bezieht sich ausschließlich auf die Muslime, schließt also die weit überwiegende Mehrheit der Menschheitsfamilie aus.

Wie aber sieht denn diese Liebe und Barmherzigkeit des islamischen Gottes Allah in Wahrheit aus? Er erschafft Menschen für die Hölle (Koransure 7,179) und legt, folgt man einem Hadith, bereits vor der Geburt jedes Menschen fest, wie sein Leben verläuft: ob er in Allahs Himmel oder Hölle kommt. Allah erlaubt den Muslimen die Versklavung (ebd. 33,50) und gibt Vollmacht zur Rache (ebd. 17,33). Nichtmuslime können von der staatlichen Armenfürsorge ausgeschlossen werden.

Allah führt irre, wen er will (ebd. 16,93) und wollte durch seine Worte die Ungläubigen ausrotten (ebd. 8,7). Er bezeichnete die Ungläubigen (= alle Nichtmuslime) als die schlimmsten Tiere (ebd. 8,55). Nicht die Muslime haben in der Schlacht bei Badr die Ungläubigen getötet, sondern Allah selbst. Nicht der einzelne Muslim hat den Pfeilschuss abgegeben, sondern Allah (ebd. 8,17).

Nicht wenige informierte Chrismon-Leser/innen dürften sich im Wissen um diese Koran-Fakten gefragt haben, ob sie von Prof. Korchide durch dessen sympathieheischenden Gedanken zum Koran schlichtweg hinters Licht geführt werden sollten.

Festzementierte Ungleichheit der Geschlechter im Islam

Im letzten Abschnitt seiner Koran-Apologie erweckt Mouhanad Korchide den Eindruck, dass er mit dem Bezug auf Erbregelungen im Islam den Lesern/innen nochmals kräftig Sand in die Augen zu streuen sucht. Nach Koransure 4,11 erhalten Töchter u.a. die Hälfte von dem, was Söhne erhalten. Korchide aber spricht in diesem Kontext davon, dass der Koran vor 1400 Jahren „einen Prozess zur Gleichberechtigung“ von Mann und Frau initiiert habe. Doch: Wenn in der vorhergehenden Zeit die Erbregelungen noch schlechter waren, ist Allah mit seiner Anweisung aber auf halbem Weg stehen geblieben.

Die Folge ist:  Seit jener Zeit ist im angeblich „ewig gültigen“, „unabänderlichen“ Koran nicht nur die Menschheitsapartheid (Muslime/Nichtmuslime) festzementiert, sondern gleicherweise auch die Geschlechterapartheid, die rechtliche Ungleichheit von Mann und Frau. Weltweit gilt diese unterschiedliche menschliche und rechtliche Stellung und Wertung der beiden Geschlechter in den islamisch dominierten Ländern seit 1400 Jahren nahezu ausnahmslos, inklusive der mehr oder weniger einschränkenden Variationen in den einzelnen islamischen Kulturen. Allesamt sind sie frauenfeindlich. Denn im Islam ist die Unterordnung der Frau unter den Mann, ihre mindere Rechtsstellung dem Mann gegenüber „gottgegeben“ (Necla Kelec).

Dies alles und noch viele weitere dunkle, problembeladene Themenfelder machen in Wahrheit den Koran aus. Herr Korchide ist aufzufordern: Bleiben Sie bei der Wahrheit.

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*Dr. Udo Hildenbrand ist katholischer Theologe (Priester) und Publizist.

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Von conservo

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