Michael van Laack

Den “Olympischen Frieden” kennen wir. Zumindest vom Hörensagen. Denn das angeblich um 884 v. Chr. von den Königen Kleosthenes von Pisatis, Lykurgos von Sparta und Iphitos von Elis ausgehandelte Abkommen, das zu den Olympischen Spielen anreisenden Sportlern und Zuschauern sicheres Geleit garantieren sollte, hat es vermutlich nie gegeben – zumindest aber gab es im Vorfeld und auch während der antiken Olympischen Spiele immer irgendwo in Griechenland Scharmützel.

Hat sich die FIFA von diesem Gedanken inspirieren lassen? Vielleicht… möglicherweise ist das alles aber auch Teil eines perfiden Plans, den FIFA-Präsident Infantino lediglich in plausibel klingende Worte verpackt.

Naiv oder putinfreundlich?

Während des Mega-Events Fußball-WM sollten alle Waffen schweigen. Na ja, alle auch nicht; in den zumeist islamischen Ländern Afrikas darf weiterhin geschossen werden und auch ein paar Raketen auf Israel stellen kein Problem dar. Aber in der Ukraine solle der Krieg doch bitteschön eingefroren werden. Gleich nach dem Abpfiff des Endspiels am 18. Dezember (dem 4. Adventssonntag) dürfe dann munter weitergefeuert werden, doch ab der Eröffnungsfeier am 20. November sollten alle Soldaten nicht in ihren Panzern sitzen oder in Schützengräben liegen, sondern sich vor den TV-Geräten alle 64 Spiele anschauen und zwischendurch 24/7 sämtliche Mannschaften abfeiern. Denn Fußball vereine die Welt, wie der FIFA-Präsident erklärte und dann anschloss:

Meine Bitte an sie alle ist, über eine zeitweilige einmonatige Feuerpause während der Dauer der WM nachzudenken. Oder zumindest an die Einführung von humanitären Korridoren oder irgendetwas anderem, das zur Wiederaufnahme von Dialog führt.

FIFA-Appell ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Einfrieren der Lage?

Wir erinnern uns: Russland durfte die letzte Fußball-WM ausrichten. Seinerzeit störte sich niemand an den kriegerischen Handlungen wenige Jahre zuvor auf der Krim oder eben auch noch 2018 in der Ostukraine. Nun aber, da Russland einen breit angelegten Angriffskrieg in der Ukraine führt und immer weiter zurückgedrängt wird, ist der Friedensengel dem FIFA-Präsidium erschienen und bittet um eine Feuerpause. Ein Schelm, wer Übles dabei denkt…

Oder vielleicht doch nicht? Denn würden sich Russland und die Ukraine auf eine “Feuerpause” einlassen, könnte man anschließend eine zweiwöchige Weihnachtsruhe vereinbaren; und nach dann insgesamt sechs verstrichenen Wochen würden zweifellos Putins Sprachrohre im Westen sehr laut, um zu verkünden: Nachdem der Grenzverlauf nun über viele Wochen so gehalten wurde, sollte er zur Grundlage für Friedensverhandlungen werden (die Putin Gebietsgewinne sichern).

Wie gesagt, eigentlich ist man ein Schelm, wenn man Übles bei einem Appell zur Feuerpause denkt. Doch leben wir in einer Zeit, in der es überlebenswichtig ist, auf das Gute zu hoffen, die Klugheit des Bösen aber als gegeben vorauszusetzen. Blauäugig war Europa und waren wir fast alle lange genug!

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