“Nie wieder” – Den “echten Rechten” ist Frei.Wild mittlerweile ein Dorn im Auge!

Rainer Buck*

Man muss schon arg böswillig, taub oder verblendet sein, um die Südtiroler Band Frei.Wild als “Nazis” zu bezeichnen, aber die Tatsache, dass die Band mit Sänger und Songschmied Philipp Burger am 14. Dezember das Video “Nie wieder” veröffentlichten, verführte die BILD dann doch dazu, auf die Kuriosität hinzuweisen, dass da ausgerechnet ein “ehemaliger Nazi” einen emotionalen Appell gegen Antisemitismus veröffentlicht.

Allerdings stellt die BILD in ihrem Artikel dann doch wieder richtig, dass Philipp Burger längst als geläutert gelten darf, nachzulesen in seiner jüngst erschienenen Biografie “Freiheit mit Narben: Mein Weg von rechts nach überall”.

Rechtsrock klingt ganz anders

Wer die Texte von Philipp Burger kennt, weiß, dass er sich schon lange gegen politischen Extremismus von rechts und links einsetzt und jede Form von Faschismus aufs Korn nimmt. Er setzt sich für Werte ein und die Achtung vor dem Individuum. Die Verbundenheit mit der Heimat und Kultur Südtirols und seinem katholischen Glauben schimmert immer wieder in den oft eingängigen und hymnischen Liedern von Frei.Wild durch, die musikalisch Punk, Ska und Melodic-Rock verknüpfen. Die Charterfolge der Band zeigen, dass sie inzwischen eine weitgefächerte Anhängerschaft vorweisen kann, doch in manchen Kreisen gelten Frei.Wild immer noch als “Rechts-Rocker”.

Mit der Rockballade “Nie wieder” warten sie nun mit einem eindringlichen Statement gegen Antisemitismus auf.

Am Beispiel einer jungen jüdischen Frau und eines Schuljungen wird gezeigt, was Juden in Deutschland heute wieder Angst macht. Unter die Szenen der Judenverfolgung durch die Nazis mischen sich aktuelle Bilder antiisraelischer Demonstrationen auf deutschen Straßen, dazu kurze beklemmende Sequenzen, die auf den Hamas-Terror hindeuten, mit dem sich die Demonstranten solidarisieren.

An den Enden des Hufheisens stellt sich Schnappatmung ein

Die Reaktionen auf das Video und den Song gehen erwartbar auseinander. Überwiegend Anerkennung von den eigenen Fans, vereinzelt auch von Leuten, die der Band bisher immer noch skeptisch gegenüberstanden. Und Häme von extremen Rechten und Linken. Einer aus dem Frei.Wild-Umfeld schreibt dazu, dass er nun bestätigt sieht, dass sich die Extremisten beider Lager ähnlicher sind als sie wahrhaben wollen. 

Wer mit der Band sympathisiert, kann sich nur darüber freuen, dass sie sich so eindeutig gegen aufkeimenden Antisemitismus stellt, wo viele andere Künstler verhältnismäßig stumm bleiben.

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*Rainer Buck, Jahrgang 1965, lebt mit seiner Familie in der Schillerstadt Marbach am Neckar. Neben der beruflichen Verwaltungstätigkeit in der Evangelischen Landeskirche Württemberg schreibt er regelmäßig für verschiedene Medien Beiträge über christliche Kultur und Popmusik und hat einige Bücher verfasst. Er ist seit 1984 Mitglied der Karl-May-Gesellschaft und außerdem als ehrenamtlicher Prediger in der evangelisch-methodistischen Kirche tätig.

Werkauswahl: Fjodor M. Dostojewski: Sträfling, Spieler, Seelenforscher / Indianertod – Pastor Wolff und der Mordfall Winnetou / Karl May – Der Winnetou-Autor und der christliche Glaube / Aljoscha – Eine Geschichte vom Suchen und Finden

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