Politiker / Journalisten – ein schwieriges Verhältnis

Marietta Slomka gehört wegen ihrer Linkslastigkeit nicht unbedingt zu meinen Lieblings-Nachrichtensprechern, aber – so fair darf man sein –  ihre Sprache ist klar, sie formuliert verständlich, auch für den politischen Laien. Darüber hat sie kürzlich im FAZ-Feuilleton einen höchst lesenswerten Aufsatz verfaßt. Es geht dabei auch um die Frage, warum das Politikerdeutsch oft eine Mischung aus unverständlichem Kauderwelsch, Allgemeinplätzen oder Technokraten-Sprache ist.

So einfach ist die Lage nicht, wie sie auf den ersten Blick erscheint. „Schuld“ am „Politsprech“ haben nicht nur die Politiker, sondern auch die Journalisten selbst. Ein Politiker kann (heute) nicht mehr so sprechen, wie er denkt – schon gar nicht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er muß sehr vorsichtig formulieren, was er einem Journalisten in den Block diktiert, oder was er auf dessen Frage antwortet. Jedes Wort wird zerlegt, hin und her gewendet – oder auch verdreht, in jedem Fall aber auch analysiert, ob sich nicht etwas findet, das man aufbauschen kann. Verstärkt wird der Zwang zur unscharfen Formulierung noch dadurch, daß Journalisten – menschlich allzu menschlich – Sympathien oder Antipathien gegen einen Politiker erkennen lassen. Der Politiker kann sich aber nicht wehren. Für ihn ist ein Journalist praktisch ein „Unberührbarer“, der unter dem Schutz der Pressefreiheit steht.

Die fast logische Konsequenz: Politiker formulieren unscharf, verschleiernd, opportunistisch. Der Zuhörer (Zuschauer) reagiert genervt und schimpft auf die Politsprache. „Die antworten doch alle gleich“. Es wird sich an diesem Elend wohl wenig ändern lassen.

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