zorn-grafik-180x216Zorn der Ge-Rechte X. Teil

Von Thomas Böhm*)

Herr Mazyek war das erste Mal in seinem Leben wunschlos glücklich und freute sich wie ein kleines Kind auf seine Nachmittagsvorstellung.

Herr Gauck, Herr Wulff, Herr Gabriel, Frau Fahimi und Frau Kolat – sie alle waren eingeladen worden und hatten zugesagt. „Schön“, dachte sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, „dass sie alle noch nach meiner Pfeife tanzen.“ Und weil er sich so sehr freute, hatte er seiner Frau einen neuen, schicken Teppichklopfer und einen digitalen Kompass gekauft, der nur eine Richtung kennt, Mekka.

Jetzt aber musste er sich sputen, die Party sollte in einer Stunde steigen, die Straßen von Berlin waren mal wieder verstopft, da konnte er mit seinem BMW nur leicht aufs Gaspedal drücken.

Aiman Mazyek fand, dass er sich die Anerkennung, die er durch den hohen Besuch nun auch erhielt, redlich verdient hatte. Was hatte er nicht alles für Hebel in Bewegung gesetzt, um die linke Hälfte des ehemaligen ICC ergattern und daraus ein neues Islamzentraum bauen zu können. Eigentlich wollte er das komplette Grundstück für sich und seine Gemeinde in Anspruch nehmen. Aber man kann ja nicht alles kriegen. Und so musste er sich diesen so zentral gelegenen Platz mit jemand anderem teilen.

Wer das war, wusste er nicht. Aber das sollte er noch früh genug erfahren.

Da Herr Mazyek die Busspur benutzte, kam er noch rechtzeitig an, um seine Gäste am Eingang der Großbaustelle zu begrüßen. Es wurde Tee und Zuckergebäck gereicht. Frau Fahimi und Frau Kolat hatten sich zur Feier des Tages ein Kopftuch umgebunden. Sie sahen hübsch aus, fand Herr Mazyek, begrüßte aber erst die männlichen Abgesandten aus der Politik.

Nachdem auch Herr Gauck seine Schuhe ausgezogen und die Absperrungen passiert hatte, um auf Socken durch den Schlamm der Baustelle zu waten, tauchte plötzlich aus seinem Schatten eine merkwürdige Gestalt auf. Sie hatte einen rosafarbenen langen Mantel an und ein rosafarbenes Käppi auf dem Kopf. Ihre rechte Hand hielt eine Leine und an der Leine war ein kleines Schweinchen angebunden.

Aiman Mazyek erschrak gar fürchterlich, riss sich aber zusammen und stellte sich dem Neuankömmling und ungebetenen Gast mutig in die Quere. „Wer sind Sie? Was wollen Sie? Sie sind nicht eingeladen worden! Und überhaupt – mit Ihrer Aufmachung und Ihrem Haustier stellen Sie für mich und meine Gemeinde eine Beleidigung dar. Wenn ich böse wäre, könnte ich das sogar als Anschlag auf eine Moschee werten. Aber ich bin ja nicht so. Also gehen Sie lieber freiwillig!“

Das Schweinchen grunzte, der Mann grinste und sagte: „Sie müssen sich wohl an meine Anwesenheit gewöhnen, lieber Herr Mazyek. Ich bin Ihr neuer Nachbar. Ich habe das Grundstück neben Ihnen erworben. Ich heiße Zorn und bin der Schweinepriester. Meine Gemeinde wird hier ebenfalls ein Gotteshaus bauen. Einen Schweinestall für alle gedemütigten Geschöpfe dieser Erde. Und dieses kleine Ferkelchen ist ein Glücksschwein, das ich Ihnen als guter Nachbar als Geschenk überreichen wollte.“

Mazyek schwoll jetzt der Kopf an: „Das werden Sie sicher nicht machen. In der Nähe eines Islamzentrums oder einer Moschee ist kein Platz für einen Schweinestall, das werden Ihnen auch meine Gäste bestätigen. Solche Schweinereien werden wir nicht zulassen. Und ihr Glücksschwein können Sie sich sonst wo hinstecken.“

Zorn der Gerechte aber lachte nur: „Das müssen Sie wohl oder übel akzeptieren. Unser Glaube ist nun mal eine Sauerei. Und da wir uns hier in Deutschland alle über die Religionsfreiheit erfreuen dürfen, können Sie ja wohl nicht darüber bestimmen, welche Religion sich in Ihrer Nähe niederlässt und welche nicht. Wir wollen hier ja keine Currywurstbude hinstellen, sondern nur unser kleines Ferkelchen hier anbeten. Sie sollten sich auch nicht so anstellen. Schließlich gibt es auch in Schweinfurt mittlerweile vier Moscheen und ich kenne zahlreiche Muslime, die Sebastian Schweinsteiger vergöttern. Außerdem müssen wir ja auch akzeptieren, dass Sie und Ihre Gemeinde neben unserem Gotteshaus vorhaben, Schweinereien zu veranstalten. Es sollen doch zu Feier des Tages Tiere geschächtet werden, oder?“

Mazyek wurde immer wütender. Das Ferkel, das freudig, neugierig an seinen frisch geputzten Schuhen herumschnüffelte, wollte er mit einem Trick ins Jenseits verfrachten, doch das Tier konnte in letzter Sekunde ausweichen und grunzte weiterhin zufrieden vor sich hin.

„Wollen Sie ernsthaft Ihren Schweinkram mit dem Islam vergleichen?“, schrie der Vorsitzende. „Bei uns handelt es sich um eine monotheistische Weltreligion mit über zwei Milliarden Gläubigen, und da kommen Sie mit so einem Ferkel an der Leine einfach an und faseln was von Religionsfreiheit!“

„Warum denn nicht, lieber Herr Mazyek. Wir sind zwar keine monotheistische, aber immerhin eine monetäre Religion, weil wir das Sparschwein als unseren Gott verehren. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Religionsfreiheit bedeutet doch auch, dass man in der Wahl des Gottes freie Hand hat. Und es spielt doch wohl ebenfalls keine Rolle, wie viele Anhänger eine Religion hat. Es geht beim Glauben schließlich nicht um die Masse der Gläubigen. Die Geschichte hat uns schon oft gelehrt, dass viele Menschen auch dem falschen Anführer hinterherrennen können. Jeder Glaube muss von daher gleichwertig gesehen und behandelt werden. Nur das garantiert uns die von Ihnen so gerne zitierte Religionsfreiheit.“

Inzwischen waren auch Gauck und Konsorten in der Baustelle unruhig geworden und wieder zum Eingang zurückgekehrt, hatte ihnen ihr Gastgeber doch einen flotten Bauchtanz und frisch geschächtetes Lamm angeboten, und nun standen alle noch mit leeren Händen da.

Doch Mazyek wurde den Schweinepriester einfach nicht los. „Ich lasse mich auf keine weiteren Diskussionen ein“, sagte er. „Sie verlassen sofort mein Grundstück. Alles andere werden die Anwälte und die Politiker klären, denn der Islam gehört immerhin zu Deutschland. Das wurde auch vertraglich schon in einigen Bundesländern geregelt.“

„Wenn der Islam zu Deutschland gehört, dann gehört der Schweinestall aber um so mehr zu Deutschland. Schließlich gab es hier schon einen Schweinestall, bevor die erste Moschee gebaut wurde.“

Jetzt schaltete sich Herr Wulff ein: „Ich verbitte mir diese Blasphemie, Herr Zorn. „Sie wollen doch nur Ihre islamfeindliche Haltung zum Ausdruck bringen. Aber nicht mit mir! Ich werde jetzt Anzeige erstatten und die Polizei anrufen. Sie werden schon sehen, wo Sie landen!“

Die drei anderen Gäste, Herr Gauck, Frau Fahimi und Frau Kolat, drohten jetzt Zorn dem Gerechten ebenfalls mit fürchterlichen Konsequenzen. Dabei fuchtelten sie mit ihren Armen herum, vollführten Drohgebärden und schimpften laut.

Das war dem kleinen Ferkel zu viel. Es fing an zu hüpfen und zu springen, schlüpfte aus dem Halsband und galoppierte in die Baustelle hinein. Aiman Mazyak schrie wie am Spieß. Aber der Moscheebau war durch diese Entweihung gelaufen. Zorn der Gerechte, der dieses Mal einen wirklich miesen Schweinepriester abgeben hatte, pfiff das Ferkel zurück, band es wieder an und verließ gottesfürchtig, wie er nun mal war, reuig den Tatort.

Dieses war der zehnte Streich und jetzt macht Zorn erstmal Weihnachtsferien.

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Von conservo

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