CSU München: Rückgratlos bis zur Selbstverleugnung

CSUVon Peter Helmes

Am 30. Januar berichtete „conservo“ über die zurückgezogene Bewerbung Markus Hollemanns zum Münchner Stadtreferenten für Gesundheit und Umwelt u. a.:

„Keine Chance für Lebensschützer in der Politik

Die Tragweite des Münchner Vorfalls ist wohl vielen Menschen in Politik und Gesellschaft noch gar nicht klar. Es geht hier nicht (nur) um den Einzelfall einer geplatzten Bewerbung, sondern um das Symptom einer Gesellschaft am Abgrund: Wenn jemand wegen seines Einsatzes für Lebensrechte von der Politik ausgeschlossen wird, bedeutet dies die Absage der Gesellschaft an ihre eigene Zukunft. Einsatz für Abtreibung ersetzt Einsatz für Leben.“

Das CSU-kritische blog „die-echte-csu“ ergänzte den Bericht mit einer eindeutigen Stellungnahme gegen das Vorgehen der Münchner Paarteifreunde:

Nach dem Koalitionsvertrag, den die CSU München mit der SPD im Münchner Rathaus eingegangen ist, hätte die CSU das Vorschlagsrecht für die Wahl des Umweltreferenten der Stadt gehabt. Die CSU schlug Markus Hollemann, Bürgermeister der ÖDP aus Denzlingen in Baden-Württemberg vor. Der Haken an der Sache war: Herr Hollemann wurde von der linken Münchner Presse (Prantl-Prawda, Abendzeitung, etc.) als angeblich „Rechter“ enttarnt, verbunden mit einer inszenierten Aufreger-Kampagne gegen Hollemann. Heute ließ die CSU München Hollemann fallen und als folgsamer Juniorpartner der SPD die Abstimmung im Stadtrat verschieben. Es soll nun ein neuer, hoffentlich ausreichend politisch korrekter Kandidat gefunden werden.

Was war geschehen?

Hollemann wurde unter anderem seine Mitgliedschaft in bestimmten Vereinen und christlichen Institutionen vorgeworfen, wohlgemerkt nur die “Mitgliedschaft”, denn irgendwelche Äußerungen oder konkrete Verfehlungen konnte man gar nicht benennen. Da half es auch nichts mehr, dass Hollemann Abbitte leistete, sich von seinem bösen christlichen Sektierertum in einer persönlichen Erklärung distanzierte, ebenso wie von „rechtem Gedankengut“ (was immer das auch sein mag. Aus Sicht der CSU München, vielleicht das aktuelle CSU-Grundsatzprogramm?). Auch mit einem sofortigen Vereinsaustritt konnte sich Hollemann nicht mehr retten.

Welchen schlimmen Vereinen gehörte Hollemann an?

War Hollemann Mitglied von Scientology, von Al Quaida oder der Hell’s Angels? Nein es ist schlimmer, bedeutend schlimmer! Hollemann, dieser abartige Lump glaubt offenbar an Artikel 1 des Grundgesetzes (irgendein Gedöns mit menschlicher Würde und so) und an das Recht jedes Menschen auf Leben und ist daher Mitglied im Verein „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ (ALFA – die Internetseite finden Sie hier). Die Frage, was dieser Verein für schlimme, radikale Aktionen durchführt, konnte bislang niemand beantworten. Wenn dieser Verein Abtreibungen (also die Tötung ungeborenen menschlichen Lebens) kritisch sieht und durch Hilfen für Schwangere Abtreibungen verhindern helfen möchte und diese Position – laut Pressemitteilung der CSU München – ein Fehler sei, wie sieht dann die richtige Gesinnung nach Ansicht der CSU München aus? Müssen künftige Bewerber Schwangerschaftsabbrüche noch im 9. Monat befürworten?

Einsatz für verfolgte Christen – etwa undemokratisch?

Die zweite Mitgliedschaft, die man Hollemann vorwarf war seine Unterstützung der CSI Deutschland (Christian Solidarity International). CSI setzt sich weltweit für verfolgte Christen ein (siehe hier). Will die CSU München künftig also keine Christen mehr in ihren Reihen, die sich für andere verfolgte Christen in bestimmten Ländern einsetzen?

Fragen wir den Münchner CSU-Bürgermeister Josef Schmid. Er teilte heute in einer Presseerklärung mit:

„Markus Hollemanns Mitgliedschaft in der „Aktion Lebensrecht für Alle“ war ein Fehler. Er hat diesen Fehler heute selbst eingeräumt und sich in einer persönlichen Erklärung eindeutig von radikalen Abtreibungsgegnern und undemokratischem Gedankengut jeglicher Art distanziert.“

Was versteht Herr Schmid unter „undemokratischem“ Gedankengut? Müssen wir da schon als CSU-Mitglieder aufpassen, denn schließlich sind wir ja auch so eine abartige, gefährliche „christliche“ Partei. Diskriminieren wir mit unserem Parteinamen nicht von Haus aus Moslems, Buddhisten oder Atheisten?

Und lieber Herr Schmid, stellen Sie sich vor, was dazu noch in unserem CSU-Grundsatzprogramm steht: „Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Unser christliches Menschenbild und unsere Verfassung verpflichten Staat, Politik und Gesellschaft, menschliches Leben zu schützen und zu fördern. Wir wollen einen wirksamen Schutz des menschlichen Lebens von seinem Anfang bis zu seinem Ende. … Die Menschenwürde und das Recht auf Leben stehen allen Menschen zu – dem geborenen ebenso wie dem ungeborenen. Das ungeborene Kind ist Mensch von Anfang an. Abtreibung ist Tötung. Es ist die Verpflichtung des Rechts- und Sozialstaats, das Leben zu schützen und zu fördern. Wir wollen unseren Beitrag leisten, dass unsere Gesellschaft Wege findet, die Abtreibungszahlen durch Beratung und konkrete Hilfe deutlich zu senken. Wir helfen Eltern, zum ungeborenen Kind ja zu sagen.“

Sind wir vielleicht alle undemokratische, rechte Abtreibungsgegner, christliche Sektierer und Spalter unserer schönen demokratischen Gesellschaft? Was für ein Skandal Herr Schmid!

Aber Herr Schmid teilt uns dazu folgendes mit: „Ein Aufrechterhalten der Kandidatur hätte aber angesichts der Diskussionen der letzten zwei Tage die Stadtgesellschaft gespalten. Das ist das letzte, was ich will. Ich wollte im Gegenteil mit diesem personellen Vorschlag Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen und ideologische Gräben schließen. Ich bin deshalb heute mit Herrn Hollemann in einem persönlichen Gespräch übereingekommen, dass er seine Kandidatur zurückzieht.“

Rückgratlose Münchner CSU

Und der Vorsitzende der CSU Fraktion im Münchner Stadtrat Hans Podiuk sekundiert: „Aufgrund der Berichterstattung und der offenen Fragen haben wir heute der Verschiebung der Wahl selbstverständlich zugestimmt. Es ist unser Bestreben, einen fachlich überzeugenden und in der breiten Stadtgesellschaft akzeptierten Kandidaten für den Referentenposten vorzuschlagen. Der Rücktritt heute Mittag von der Kandidatur war letztendlich ein bedauerlicher, aber konsequenter Schritt. Nach der heutigen Lage zeigte sich, dass Hollemann nur noch politisch angeschlagen in das Amt hätte starten können. Die CSU Fraktion wird sich jetzt in Ruhe beraten, mit welcher Kandidatin bzw. welchem Kandidaten sie ihr Vorschlagsrecht ausüben wird.“

Und natürlich unterstützt derselbe rückgratlose Bezirksvorsitzende der CSU München, Ludwig Spaenle die unsäglichen Machenschaften seiner Münchner Parteifreunde wie folgt:

„Die Vorgehensweise und Handlung der CSU-Stadtratsfraktion unterstütze ich ausdrücklich. Die CSU München wird auf die Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern im Münchner Rathaus achten.“

Wir sind schon sehr gespannt, was die Führung der CSU zu diesem unchristlichen Treiben des Münchner Bezirksvorstands sagt, ahnen aber schon heute, dass es sicher nichts Substantielles sein wird. Was für ein Armutszeugnis für eine Partei, die früher auf ihr christliches Wertefundament einmal so stolz war! (Quelle: die-echte-csu, 29.1.15)

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