Die Causa Akif – Wir streiten, unsere Gegner jubeln

Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank?

Von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Es vergeht kein Monat, in dem nicht in der Szene der Andersdenkenden irgendein Streit ausbricht oder die Distanzitis grassiert.

Jetzt, während der Caus Akif wurde das wieder sehr deutlich. Jürgen Elsässer pöbelt gegen Jürgen Stein, Jürgen Stein pöbelt gegen Jürgen Elsässer. Dieter Stein macht Björn Höcke nieder. Jürgen Elsässer droht mit Klage gegen alles und jeden. Udo Ulfkotte distanziert sich von Akif Pirincci und will seine Bücher nicht mehr vermarkten und Lutz Bachmann rutscht sogar mit hochrotem Kopf auf dem roten Teppich des politischen Gegners herum. Ein Verlag „aus den eigenen Reihen“ will gegen Journalistenwatch klagen, Wolfgang Kubicki findet Akif auch plötzlich ganz doof, die AfD hat sich schon einmal gespalten und der Richtungsstreit ist längst noch nicht vorbei. Munteres Stühlesägen auf der Tagesordnung bei jedem Parteitag ganz oben, zur Zeit tobt hier der Krieg zwischen Petry und Höcke.

Die Arena der Streithähne würde mittlerweile die Ausmaße des Fluchthafens BER sprengen.

Sagt mal Leute, habt Ihr noch alle Tassen im Schrank? Warum macht Ihr Euch regelmäßig lächerlich, warum nur spielt Ihr gepudert mit Eitelkeit, Konkurrenzgehabe und Selbstsucht dem linken Establishment in die Hände?

Werden wir nicht schon alle genug angepöbelt, als Nazis diffamiert, als Rassisten beschimpft, als Ausländerfeinde beleidigt, als islamophob und xenophob stigmatisiert? Reicht Euch das noch nicht? Müssen wir uns immer wieder selber an den Karren fahren?

Der eine will mit dem nicht, der andere kann mit dem anderen nicht, als ob das überhaupt etwas ändern oder nützen sollte. Zumindest scheint es im Augenblick zwischen Frauke Petry und Marcus Pretzell harmonisch abzulaufen. Vielleicht sollten wir uns alle mal zum Kuscheln treffen.

Denn wir werden sowieso alle über einen Kamm geschoren, also brauchen wir auch gar nicht erst unterschiedliche Perücken tragen, das nimmt von außen sowieso keiner wahr.

Oder geht es Euch etwa doch um Pfründe um ein imaginäres Revier, dass Ihr mit Texten statt Zähnen verteidigen müsst?

Könnt Ihr Euch nicht mal auf das Wesentliche konzentrieren, auf einen, wenigstens kleinen Nenner einigen, statt sich im permanenten Zickenkrieg aufzureiben. Wir sind sowieso viel zu viel und zu intensiv mit uns selber beschäftigt und dabei immer noch viel zu wenige. Eine politische Auseinandersetzung dient aber nicht ausschließlich der Selbstbefriedigung und der Selbstbeweihräucherung oder habe ich etwas nicht mitbekommen?

Dient die ganze politische Arbeit etwa nur dem Selbstzweck? Weht gar der Wind des Verrats durch unsere Reihen?

Die Islam-Vertreter, das Merkel-Regime und ihre linken Bataillone im Parlament und auf der Straße, sowie diverse Anwaltskanzleien reiben sich doch vor Freude die Hände. Noch nie war der Slogan „Teile und herrsche“ so aktuell und wertvoll wie heute.

Natürlich müssen wir höllisch aufpassen, dass sich nicht Einzelteile im alltäglichen politischen Kampf radikalisieren. Natürlich müssen wir entschieden roten und braunen Faschisten entschieden entgegentreten. Das aber funktioniert nur, wenn man die Leute zurückholt, mit ihnen spricht, auch gerne mal sachlich auseinandersetzt. Distanzierung führt zur Isolation und Isolation zur Radikalität.

Und genau das ist Sinn und Zweck der Übung. In dem die Herrschenden ihre Kritiker radikalisieren, bekommen sie die Möglichkeit sie mit „rechtsstaatlichen Mitteln“ zu vernichten. Wollen wir ihnen mit unseren Kleinkriegen in die Hände spielen?

Sicherlich gibt es unterschiedliche Auffassungen, Sichtweisen, Denkweisen, aber es gibt auch eine große gemeinsame Aufgabe, die wir niemals aus dem Auge verlieren wollen – wenn Ihr es ehrlich meint: Dem verlinkten undemokratischen System Parole bieten – gerade jetzt oder jetzt erst recht, wo hier in Deutschland dank dieser desaströsen Politik alles den Bach runter geht, ist Aufklärung und Kritik überlebensnotwendig. Ein Kraftakt, den Einzelkämpfer nicht meistern werden.

Wenn wir aber gemeinsam vorwärts schreiten, können wir den Druck erhöhen und uns von mir aus nach der Siegesfeier über die politischen Details die Dickköpfe einschlagen!

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservoJW Logo

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22.10.2015

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