Lug und Trug in der Berliner Turmstraße

Böser Wachdienst – unschuldige Flüchtlinge

Von Billy Six

Billy Six
Billy Six

Heute ist es wieder mal soweit, diesmal vor dem „Landesamt für Gesundheit und Soziales“ (Lageso) in der Berlin-Moabiter Turmstraße: „Böser Wachdienst schlägt unschuldige Flüchtlinge“, so der Medien-Tenor. Vor einigen Tagen war ich selbst dort … spontan aus dem Bus ausgestiegen, weil so viel Blaulicht zu sehen war. Angeblich eine Prügelei unter Ausländern – doch Anwohner und Passanten wollen nicht darüber sprechen. Die Beamten sowieso nicht.

Die Obdachlosen im Vorraum einer Bank gucken nicht schlecht über den Einsatz freiwilliger Helfer, die aus Nächstenliebe Essen, Tee und Decken bringen. Tag und Nacht. Die Migranten, welche gerade eine Tausende Euro teure Reise hinter sich haben, liegen in Schlafsäcken vor der Einrichtung. Die Bayern seien schuld, sagen die Freiwilligen – die hätten die Einwanderer planlos hierher geschickt, ohne die Öffnungszeiten zu beachten. Eine Fernseh-Mannschaft fragt: „Eigentlich müssen wir uns für unsere Behörden doch schämen, oder?“ Der Freiwilligen-Sprecher antwortet diplomatisch, die Journalisten grinsen breit …

Im Dönerladen sitzt mir ein junger Syrer gegenüber. Außer Arabisch spricht er nur ein paar Brocken Russisch. Er habe kein Geld, will er mir erzählen. Doch was ist mit den 143 Euro Taschengeld? Was mit den Unterkünften, wo es auch Essen, Verpflegung und Kleidung kostenfrei gibt? „Ja, stimmt. Aber da ist es mir zu voll.“ Und mit 143 Euro könne man nicht lange Hotelrechnungen bezahlen. Er habe vor dem Krieg in Aleppo ein gutes Leben gehabt, und sei nun zum Arbeiten gekommen. „Ich möchte von den Deutschen nicht immer Geschenke annehmen müssen, ich will mich selbst versorgen.“ … Draußen läuft mir ein junger, angeblich spanischer Mann entgegen: „Ich habe Hunger.“ Ich kaufe ihm einen Döner, der orientalische Mann am Spieß gibt einen Rabatt. Und warnt: „Das hier sind arabische Jungs, die ihre 300 bis 400 Euro Flüchtlingshilfe im Monat kassieren – und dann mit Drogen handeln.“ Der junge Bursche ist nicht einverstanden, nimmt seinen Döner und stößt wüste Beleidigungen in arabischer Sprache aus. Es handelt sich in Wirklichkeit um einen „Flüchtling“ aus dem Urlaubsland Tunesien. Doch mir gegenüber ist er dankbar, umarmt mich. Sein Kumpel zeigt mir draußen auf der Straße eine Luxus-Uhr – die könne ich für einen „guten Preis“ bekommen. Als ich dankend ablehne, verlangen sie wenigstens eine 10-Euro-Spende. Nun langt es mir. Ich hätte es besser wissen müssen.

Doch offenbar lerne ich nichts dazu: Als ich am Tage nochmal komme, um Fotos vom Lager zu machen, sitzt da ein ungarischer Mann mit seinem Schild am Straßenrand. Tenor: „Ich habe Hunger.“ Na gut, im Supermarkt kaufe ich ihm ein Bündel Bananen. Die Kassiererin bestätigt unter der Hand auf meine Frage, dass Diebstahl durch die Neuankömmlinge (zumindest hier) tatsächlich zugenommen habe … und wendet sich schnell wieder ab. Der Ungar draußen zeigt sich wenig dankbar: Er sei wegen Euros gekommen, nicht für Bananen…

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23.10.2015