Ei Hitler!

(www.conservo.wordpress.com)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Eine hodenlose Satire von Thomas Böhm *)

Es gibt Nachrichten, da fasst man sich an den Kopf und fragt „Was will uns die Zeitung eigentlich damit sagen?“

Vor einigen Tagen schlagzeilte das Weichei des deutschen Journalismus, Kai Diekmann, in seiner „Bild“: „Lange war es nur ein Gerücht, jetzt ist es bewiesen: Nazi-Diktator Adolf Hitler († 1945) hatte nur einen Hoden!“

Nur ist diese Schlagzeile leider nicht zu Ende formuliert. Politisch korrekt müsste sie lauten: „Hitler hatte nur einen Hoden, aber Merkel hat Millionen Zitzen, eine für jeden Flüchtling dieser Welt!“

Nur dann wird ein Schuh draus, wenn man denn die körperliche Besonderheit eines Irren für erwähnenswert hält. Ich weiß, worüber ich schreibe. Auch ich bin mit nur einem Hoden im Sack geboren, aufgewachsen und habe mich trotzdem fremdenfreundlich durch die halbe Welt gezwitschert.

Meine erste Freundin hieß Eva, die zweite Anna und die dritte Paula, und die vierte war braun, aber nur meinen Schäferhund habe ich wirklich abgöttisch geliebt.

Was sagt die Ein-Ei-Diagnose über mich aus? Dass ich der „geborene“ Nazi bin? Dass ich das „Hitlergen“ in mir trage wie andere den Grippe-Virus? Das Adolf und ich eineiige Zwillinge sind? Dass mir die Juden dermaßen auf den halbleeren Sack gehen, dass ich sie alle ausradieren muss?

Nein, ich vermute eher etwas anderes: Hodenheld Diekmann (und all die anderen Weicheier, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt haben) wollen uns etwas Anderes verklickern: Adolf Hitler war körperlich behindert und von daher nicht zurechnungsfähig. Das entschuldigt ihn zwar nicht, erklärt aber den ganzen „Schlamassel“.

„Mein Kampf“ also statt „Mein Schwanz“?

In der „Bild“ liest sich das so: Gestern stellte Fleischmann die wissenschaftliche Auswertung der Papiere in Form eines Buches vor („Hitler als Häftling in Landsberg am Lech 1923/24“, Verlag PH. C. W. Schmidt, 59 Euro). Er sagt: „Der erfahrene Amtsarzt hat die Erkrankung sofort erkannt!“

Nach dem missglückten Putsch vom 9. November 1923 war Hitler zur Festungshaft in Landsberg verurteilt worden. In seiner Haftzeit verfasste er seine Propagandaschrift „Mein Kampf“.

…Welche Auswirkungen die Diagnose auf Hitlers Psyche hatte, ist nicht nachvollziehbar. Allerdings gilt unter Historikern als sicher, dass der Nazi-Diktator sein ganzes Leben ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität hatte. Das Fehlen seines Hodens könnte ein Grund dafür sein…

…Dr. med. Tobias Pottek, Chefarzt Urologie Asklepios Klinikum Hamburg: „In der damaligen Zeit kann diese Diagnose aber natürlich zu Angst und Scham sowie in der Folge zur Ausprägung von Minderwertigkeitskomplexen geführt haben…“ (http://www.bild.de/news/inland/adolf-hitler/hoden-diagnose-43859514.bild.html)

Wie dürfen wir das verstehen? Wäre der Dritte Weltkrieg ausgefallen, wenn Hitler zwei Hoden getragen hätte?

Der liebe Herr Diekmann muss auch nach über 70 Jahren noch wirklich unglaublich fasziniert von diesem Monster sein, dass er uns so ein psychologisches Hühnerfrikassee serviert. Ich habe mir inzwischen bei Ebay günstig einen zweiten Hoden besorgt, und ich muss sagen, er steht mir gut, aber sonst hat sich nicht viel verändert.

Nur, dass ich jetzt vier Schäferhündinnen habe. Die eine heißt Eva, die zweite Anna, die Dritte Paula und die Vierte ist braun.

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo

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22.12.2015

Von conservo

Conservo-Redaktion