31. Mai: Maria Königin – ein Ehrentitel, der im deutschen Klerus Brechreiz auslöst!

Michael van Laack

Im finstersten Mittelalter – also vor der Liturgiereform des Jahres 1969 – feierte die römisch-katholische Weltkirche am heutigen Tag zum Ausklang des Marienmonats Mai das Fest “Maria Königin”. Erst 1954 hatte Papst Pius XII. dies so festgelegt. Mit der Liturgiereform musste selbstverständlich auch eine Reform des Festkalenders einhergehen. Denn das “Sehet, ich mache alles neu”, welches die Modernisten schon damals für sich als Alleinstellungsmerkmal beanspruchten und nach Belieben umdeuteten wollten, durfte am Festkalender selbstverständlich nicht vorbeigehen.

Und so wurde “Maria Königin” in diesem für die römisch-katholische Kirche wenig heiligen Jahr 1969 auf den 22. August geschoben und in der Festklasse herabgestuft. Königinnen passten nicht mehr in die Welt jener beiden Päpste (Johannes XXIII. und Paul VI.) und jener Bischöfe, die auf dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) die Verurteilung des Kommunismus von der Tagesordnung gestrichen hatten. Eine klassenlose und deshalb in besonderem Maß vom Heiligen Geist durchdrungene Kirche nach dem Vorbild der seinerzeit aufstrebenden südamerikanischen marxistischen Befreiungstheologie war das Gebot der Stunde. Kronkorken statt Kronen, Bier statt Messwein, Arbeiterpriester statt Rosenkranzbeter.

Die neuen Könige tragen andere Titel

Neulich (am Sonntag vor dem 1. Adventssonntag), habe ich mal wieder den Fehler gemacht, in einer Filiale der Amtskirche den Gottesdienst zu besuchen. An diesem Tag wird das Christkönigsfest gefeiert. Der Pfarrer begann seine Predigt mit dem Wort “Liebe Gemeindemitglieder, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh ich wäre, wenn ich dieses Fest nicht mehr feiern müsste. Denn Sie und ich tun sich mit dem Bild eines Königs doch allesamt extrem schwer, oder?”

Als vom Publikum (früher Gläubige genannt) weder Zustimmung noch sonst etwas erfolgte, meinte er: “Na ja, ich jedenfalls denke beim Titel König immer an den schlimmen Finger Juan Carlos von Spanien, aber nicht an Christus. Und warum Maria seine Königin sein soll, wo die beiden doch gar nicht verheiratet sind, erschließt sich mir auch nicht.” Da war dann der Punkt erreicht, an dem ich die Kirche verließ. Sonst hätte ich wohlmöglich die Contenance verloren, was bekanntlich eine Ordnungswidrigkeit darstellen würde, die ziemlich teuer werden kann, wenn man im “falschen” Bundesland wohnt.

Die Monarchen der politisch Religiösen tragen keine Krone

Bemerkenswert allerdings ist – und diese Beobachtung mache ich schon seit einigen Jahren, dass der Typos Kleriker, der wedermit Christkönig, Maria Königin noch mit päpstlicher Autorität etwas anzufangen weiß, sich gern und häufig der staatlichen Obrigkeit unterwirft, weil er irrigerweise alle Bereiche des Lebens dem biblischen “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist” unterstellt und das “Gebt Gott, was Gottes ist.” zum späteren Einschub erklärt oder unbeachtet lässt, weil es doch der Mensch ist, der in seinem Gewissen bestimmt, was Gottes ist.

Zudem sind jene Kleriker auch nicht selten geneigt, ganz im urprotestantischen Sinn die Heiligenverehrung abzulehnen, um im gleichen Atemzug Greta Thunberg als “neuen David” und Luisa Neubauer als “Prophetin der Klimabewegung” auf den Thron zu heben, Karl Lauterbach als “Retter der Volksgesundheit” zu sehen und die mittlerweile politisch hingeschiedene Angela Merkel als “letzte Verteidigerin der freien Welt.” zu betiteln.

Maria ist Königin durch Christus, nicht mit ihm

Doch genug der rechtskatholischen Hetze. Nun möchte ich einige Gedanken zum heutigen Fest Maria Königin aus Band IV des Werkes “Werde Licht” (Benedikt Baur OSB, Stuttgart, 1956) zitieren:

Die Königswürde und königliche Herrschermacht Mariens ruht auf ihrer engen Verbindung mit Christus, dem Erlöser. Einmal und grundlegend auf der Tatsache, dass sie bei der Botschaft des Engels ihr Fiat sprach und die Mutter des Sohnes Gottes wurde, des Königs und Herrn, dem “alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden”. (Matth. 28, 18). Sie ist die Mutter des Gottkönigs und nimmt deshalb, wenn auch in eingeschränkter und untergeordneter Weise, an der königlichen Würde Ihres Sohnes teil.

Ist sodann Christus unser König, weil Er als der neue Adam unser Erlöser ist, dann ist auch Maria in ihrer Art Königin. Weil sie von Gott als die neue Eva Christus, dem Erlöser, in Seinem Erlösungswerk zugesellt war und an diesem Werk so sehr mitwirken durfte, dass sie mit Fug und Recht „Miterlöserin” genannt wird, so ist es entsprechend, dass ihr vom Herrn eine gewisse Herrschergewalt über die Erlösten gegeben wird. Christus ist König von Natur und durch seine Hingabe in den Erlösertod. Maria ist Königin durch die Gnade, durch Christus und mit ihm. Kraft ihrer engen Verbindung mit lhm besitzt sie eine Wurde und Erhabenheit über alle geschaffenen Wesen und die Vollmacht, die Schätze, die Christus uns erworben hat, an uns Menschen zu vermitteln und mit der Kraft einer ihr allein zustehenden mütterlichen Fürbitte von uns von Gott Gnade und Hilfe zu erflehen.”

Nur der Glaube an ein ewiges Leben verhindert Totalitarismus oder Anarchie

Man muss nicht an Gott glauben, um in diesen Tagen Hilfe von außen zu erflehen. Denn in unserem Vaterland findet sich kaum mehr einer, der zur Hilfe willens oder fähig ist. Eigennutz bestimmt der meisten Menschen Denken und Fühlen. Viele, die von der “Sicherung unseres Wohlstands” reden, meinen damit zumeist nur den persönlichen Wohlstand. Nächstenliebe drückt sich bei ihnen nur in der Überweisung von Geldbeträgen aus, Empathie empfinden sie nur in jenem Herzen, dass in ihnen schlägt, wenn sie traurige Kinderkulleraugen oder herrenlose humpelnde Hunde in Rumänien sehen. Der Tod und das Leiden anderer Menschen macht sie nur betroffen, wenn sie dadurch einen persönlichen Verlust oder (zumeist materiellen) Nachteil erleiden; oder wenn all das möglichst weit weg von ihnen ist, auf ihr eigenes Leben also keinerlei Auswirkung hat.

Nicht zuletzt deshalb bedarf es des milden Königs Jesus Christus und der liebevollen Königin Maria als Leitsterne. Ersatzweise Christian Lindner und Annalena Baerbock, Robert Habeck oder Luisa Neubauer anzubeten, führt nicht nur in die materielle sondern vor allem in die geistige Armut. Und: Nichts wäre verheerende als eine Welt, in der niemand mehr an einen Gott und ein Leben nach dem Tod glaubt. Denn in einer solchen Welt wäre das Bedürfnis noch größer, alles zu erleben und sich einzuverleiben, was irgend möglich ist, bevor der letzte Herzschlag das große Sammeln für immer beendet.

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