Michael van Laack

Heute geben es uns zahlreiche deutsche Medien im wahrsten Sinn des Wortes schwarz auf weiß: Wer nicht vor einem verstorbenen schwerkriminellen US-Amerikaner niederkniet und die Black Lives Matter-Bewegung zur wichtigsten Institution neben Fridays for Future und der Antifa erklärt, ist ein Rassist. Und wer Kleidungsstücke mit der Aufschrift “White Lives Matter” trägt, ist ebenfalls ein Rassist. Denn die Aussage, dass weiße Leben zählen, ist im linksgrünen Deutschland und deshalb auch bei der BILD hochumstritten.

Das Thema ist nicht ganz neu, kochte aber in diesen Tagen wieder hoch, nachdem der schwarze Musiker und Mode-Designer Kanye West es gewagt hatte, bei der Vorstellung seiner neuen Kollektion ein langärmeliges „White Lives Matter“-Shirt zu tragen.

Auch die WELT ereiferte sich über den Schwarzen, der definitiv ein Negerhasser und somit Rassist sein muss! Wie sonst könnte er auf die irrige Idee kommen, dass auch weiße Leben zählen.

“Make America Great Again” ist faschistische Denke

Zudem wusste man beim Flaggschiff von Springer zu berichten, wird an seiner weiblichen Begleitung beim Event ganz klar, dass es sich bei West um einen extremen Rechten handeln muss, der die Nazi-Ideologie von Donald Trump – die im Satz “Make America Great Again“ gipfelt – befürwortet.

Denn der Sänger schlug Seit an Seit mit Candace Owens marschierend (frivoler Weise sogar händchenhaltend) auf der Fashion Week auf. Owens ist unverschämterweise auch schwarz, obwohl diese Hautfarbe sogar nicht zu ihrer Kritik an Feminismus, Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Ehe und Transgender und ihrer Kritik an der Corona-Politik der USA und Deutschlands steht. Owens trug ebenfalls ein Shirt mit dem für die alten weißen Männer in den Redaktionsstuben unverschämten Hinweis, dass weißes Leben zähle.

Der weiße Untermensch hat sich zu fügen

Die Diskussion um diesen Auftritt – der in der deutschen Medienlandschaft unisono so kommentiert wird wie bei BILD und WELT (die meisten schreiben eh von dpa und untereinander ab), zeigt einmal mehr, wie sehr der Diskurs in unserem einst so weltoffenen und toleranten Vaterland verschoben wird und wie zügig die Nazikeule bei der Hand ist, wenn es darum geht, sakrosankte Bewegungen vor jeglicher Beschädigung ihrer Ideologie und Thesen zu schützen. Ganz egal ob es um POC geht oder Bunte (LGBTI.

Mein Lieblingsspruch war früher stets: Schwarz ist bunt genug – Diese “Weisheit“ aus der Gothic-Szene wage ich heute allerdings kaum mehr auszusprechen, weil sie missinterpretierbar geworden ist in einem Land, in dem Schwarze und Bunte von der Bundesregierung, den Landesregierungen und zahlreichen Kommunen derartig gehypt werden, dass alle anderen sich wie Untermenschen vorkommen müssen.

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