Jürgen van Laack*

Wenn ich ein wenig Rückschau halte auf mein Leben, kommt mir zuerst dies in den Sinn:

Es sind nicht immer die Schnellsten, die das Rennen machen. Nicht immer siegen die tapfersten Krieger in einem Kampf. Hohe Bildung ist keine Garantie für ein sicheres Einkommen. Klugheit führt nicht unbedingt zu Reichtum, Wissen und Können finden nicht immer den verdienten Beifall. Zudem „überfallen” jeden Menschen dunkle und schlimme Tage. Dennoch benehmen sich viele so, als würden sie ewig hier leben, obwohl niemand weiß, wann seine Zeit auf der Erde zu Ende ist. Wie Fische, die plötzlich ins Netz geraten, wie Vögel, über denen eine Falle zuschlägt, so werden alle Menschen irgendwann „gefangen”. Der Tod erreicht jeden, wenn er am wenigsten an den Tod denkt.

Und noch etwas anderes ist mir aufgefallen: Es gibt viele Länder, wo nur einige wenige die Macht besitzen. Um ihre Macht zu erhalten, beauftragen sie andere, die sich im Schatten dieser Macht geborgen fühlen, Verbrechen zu begehen. Den wenigsten dieser Verbrecher wird man habhaft, was anderen (auch in anderen Ländern zeigt: Verbrechen kann sich “lohnen”.

Nicht frei – Und dennoch gut genährt und gut gelaunt

Schaue ich auf unser Land, höre und lese ich vielfach in den Medien, dass Verbrecher und andere Straftäter nicht umgehend oder doch zu milde verurteilt werden. Das ermutigt viele, auch mal eine Straftat zu begehen. Vor allem die, die sich denken: was habe ich schon zu verlieren außer dem bisschen Freiheit, dass mir doch nicht nutzt in meiner Lebenslage.

Denn wir wissen alle: zigtausende Menschen haben gewissenlos schwerste Verbrechen begangen und leben nun „gemütlich” in den Gefängnissen bei freier Kost und Logie, erhalten eine Ausbildung und erhalten nach Verbüßung ihrer Strafe Hilfen, wieder ein vollwertiges Mitglied jener Gesellschaft zu werden, auf deren Kosten sie ernährt wurden und die sie zuvor in irgendeiner Form geschädigt haben. Das ist eigentlich nicht zu begreifen.

Gier nach Geld so alt wie die Menschheit

Eine weitere unschöne Eigenschaft an vielen Menschen erregt bei mir immer wieder Ärgernis: Wer am Geld hängt, bekommt nie genug davon. Wer ein üppiges Leben führt, der strebt immer noch nach etwas, das ihm fehlt zu seinem (angeblichen) Glück. – Und: Je reicher jemand wird, umso mehr Menschen wollen von seinem Reichtum profitieren, ihm möglichst alles wegnehmen, um es selbst zu besitzen. Wer hart arbeitet, schläft gut, ob er viel oder wenig gegessen hat. Der reiche Faulenzer hingegen wälzt sich im Bett, weil ihn der Magen drückt.

Und noch ein letztes: Wer seinen Reichtum ängstlich behütet, gerät oft ins Elend. Wer nach mehr giert… Eine einzige große Fehlinvestition und der Reichtum ist weg. Und er hat nichts mehr, was er vererben könnte, um bei den Nachkommen und sogenannten Freunden in „guter Erinnerung” zu bleiben.

Im Tod sind alle Menschen gleich – Weiß jeder, verinnerlichen aber nur wenige Menschen

Jeder sollte sich bewusst sein: Nackt kommt er auf die Welt und nackt geht er wieder. Nichts, was er anhäuft, kann er mitnehmen, nicht einmal eine Handvoll! Und vielleicht hat er sich nicht einmal selbst viel gegönnt, damit der Kontostand nicht sinkt, hat sich mit Sorgen, Ärger und Krankheiten herumgeschlagen. Und wofür? Um des guten Ansehens wegen? Nun liegt er da in seinem Sarg wie derjenige, der nie gearbeitet hat oder sein halbes Leben im Gefängnis verbrachte.

***

*Eintrag vom 16.06.22 aus dem von meinem Vater (14.11.1942-29.10.2022) so bezeichneten “Aufsatztagebuch”, das allerdings keine täglichen sondern sporadisch gemachte Einträge enthält. Aus der handschriftlichen Vorlage übertragen und nachträglich mit Zwischenüberschriften versehen.

*****

Sie lesen gern die Debattenbeiträge, Analysen, Satiren und andere Inhalte,
die wir Ihnen auf conservo bieten?
Dann können Sie unser Engagement hier per PayPal unterstützen:

Von conservo

Conservo-Redaktion