Die Jagd ist eröffnet. Es wird schonungslos durchkämmt, was politisch nicht korrekt ist. Man macht auch nicht Halt vor in Jahrhunderten gewachsener Kultur und Literatur. Daß wir nur noch „Bürgerinnen und Bürger“ sagen sollen, macht uns sogar der Bundespräsident vor. Also machen sich immer mehr Verlage in vorauseilender Korrektheit daran, ihre Bücher von vermeintlich inkorrekten Begriffen zu säubern. (Nebenbei bemerkt, gab es so ´was nicht schon ´mal?)

Problematisch wird die Chose, wenn es um „Neger“, „Zwerge“ oder „Zigeuner“ geht. Allein schon die Tatsache, daß ich diese Begriffe in Anführungsstriche setzen muß (wegen § 130 StGB Volksverhetzung etc.), belegt, daß wir dabei sind, alte Sprachtradition auf dem Altar des politisch Korrekten zu opfern. Denn Wörter sind gewachsene Begriffe, die – zumal in Büchern – den Geist der Zeit wiedergeben. Und vor 100 oder 200 Jahren war das Verständnis ein anderes als heute. Wenn man diese Begriffe entfernt, verleumdet man die Vergangenheit.

Aber wie sollen Kinder noch Märchen, wie sollen sie Mysterien verstehen, wenn sie nicht mehr lernen, wie „damals“ Konflikte entstanden oder warum böse Geister kamen usw. Wie sollen unsere Kinder noch lernen, Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden? Max und Moritz z. B. handeln nach dem heutigen Kodex inkorrekt, weil gewaltverherrlichend. Oder wie sollen wir unseren Kindern die Unterdrückung der Schwarzen in den USA erklären, wenn wir ihnen nicht sagen dürfen, daß „Neger“ in den Staaten Rechtlose waren. Wie sollen sie Kolonialismus und Sklaverei verstehen, wenn die Gründe dafür wegradiert werden? Sie werden irgendwann dann fragen, was denn so schlimm war am Kolonialismus und an der Sklaverei.

Die Folge solchen Quatsches kann man dann bei „der/die/das Gott“ und „die Jesus“ besichtigen. Wer seine eigene Literatur-Tradition so grundlos mißachtet, hat keine. Die Linken (aller Parteien) haben den Satz verinnerlicht: Wer die Begriffe bestimmt, bestimmt die Politik. Wann werden wir wach?

Dies sei unserer politischen Klasse mitsamt ihrem „korrekten“ Anhang noch mitgegeben: Es nutzt nichts, die eigene Geschichte zu verleugnen – in Gutem wie im Bösen. Man kann ihr nicht entrinnen.

Von conservo

Conservo-Redaktion