Gelernt haben die Hellenen aus der Krise ihres Landes bisher noch wenig. Motz und Trotz machen sich breit. Schuld an dem Desaster haben die, die auf die Misere hinweisen, nicht die Verursacher. Die Deutschen sind böse, weil sie den Griechen beim Aufdecken ihrer „Fehler“ helfen.

Dieses plumpe und peinliche Aufstapfen mit den Hufen hat jetzt auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Sinitis befallen, ein intelligenter, aber auch verschlagener Mann, der große Mitverantwortung trägt für die Manipulationen der griechischen Staatszahlen. (Das Wort „Betrug“ will ich aus juristischen Gründen lieber vermeiden.) In einem jüngst erschienenen ganzseitigen (!) Artikel in der FAZ („Flucht nach vorn“, 28. Dez. 2012) läßt er die wahren Schuldigen der griechischen Tragödie erkennen: die Europäer, die Banken und die Fehlkonstruktion des Euro. „Fehlkonstruktion“ vor allem deshalb, weil die Stabilitätskriterien ihm viel zu hoch erscheinen. So gesehen hat er recht, nicht wahr. Jedenfalls sind nach Simitis die Griechen keinesfalls schuld und er selbst, der bei dem Theater eine tragende Rolle spielte, natürlich schon gar nicht.

Werden wir ´mal etwas deutlicher, verehrter Herr Simitis: Sie haben so viel Dreck am Stecken, daß Sie wegen eines ganzen Bündels krimineller Machenschaften erst an den Pranger, dann vor Gericht gehörten: Untreue, Bilanzfälschung, Insolvenzverschleppung – um nur die ärgsten Vorwürfe zu nehmen. Da nützt Ihnen auch nicht die „Flucht nach vorn“, die Sie zu Ihrer Verteidigung – nee, zur Klage gegen die bösen Europäer – antreten. Das ist Chuzpe! Ich fühle mich als Deutscher und Europäer von Ihnen vera…lbert.

Simitis schmeißt Nebelkerzen, wo ein klares Wort zur Aufklärung mehr beitragen könnte. Sein Lamento soll vertuschen, daß er und Griechenland den Beitritt nur mit Betrug erreichten. Vermutlich werden sie diesen Volkssport auch in Zukunft weiter betreiben. Simitis erwähnt mit keinem einzigen Wort die rund 60 Milliarden Euro, die die bösen Europäer – „gewisse Länder der Union“, wie sie Simitis abschätzig nennt – in den letzten Jahren für Hellas aufgebracht haben. Er erwähnt auch nicht das Manöver, von der EU Agrar-Subventionen in gigantischem Ausmaß kassiert zu haben, indem er für sein Land mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen auswies, als das Land insgesamt an Fläche bietet. Natürlich sind ihm auch die hunderttausend Tote kein Wort wert, die als „lebende Rentner“ weitergeführt wurden und die Rentenausgaben des Landes über die Maßen belasteten.

Wohin man schaut, es gibt keinen Verantwortlichen. Weshalb Simitis die „Flucht nach vorn“ antrat.

Von conservo

Conservo-Redaktion