schiffvon Thomas Böhm*)

Im „Spiegel“ zeigt sich ein aufgeregter Autor namens Arno Fink empört und schimpft volles Rohr über den Begriff „volles Boot“, der im Laufe des letzten Maischberger-Talks fiel.

Er schreibt:

„Nicht die Zuwanderer sind das Problem, es ist die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen und was wir ihnen anbieten können. Tatsächlich geht es schon damit los, ob wir diese Menschen als Flüchtlinge, Asylanten, Zuwanderer oder Einwanderer ansprechen. Worte waren nicht unwichtig an diesem Abend.

Von ganz besonderer Infamie war der Satz vom Boot, das voll sei. Als ob uns bei Überfremdung ein Kentern drohe und wir alle jämmerlich ersaufen müssten wie dieses Jahr wieder 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer. Und als ob Deutschland ein Boot sei – und nicht ein hell erleuchteter Luxusdampfer unter wirtschaftlichem Volldampf.“

http://www.spiegel.de/kultur/tv/menschen-bei-maischberger-talk-zu-fluechtlingen-mit-frauke-petry-a-1005034.html

So einen zynischen Text kann auch nur jemand schreiben, der seine übrig gelassenen Kartoffeln aus der Luxuskantine direkt in die Biotonne wirft, statt sie ins nächste Flüchtlingsheim zu tragen. Oder der werte Autor leidet unter einem pathologischen Realitätsverlust.

Bei einer Staatsverschuldung von über 2 Billionen Euro geht in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander. Neben einer pro-Kopf-Verschuldung von über 26.000 Euro erdrückt die Steuerlast noch arbeitswillige Bürger, immer mehr versuchen, sich verzweifelt mit Kurzarbeit oder Hartz IV über Wasser zu halten. Der Mittelstand wird geschreddert, und in so manchem Wohnzimmer gehen die Lichter aus, weil immer weniger Bürger die energiegewendete Stromrechnung zahlen können. Immer mehr Rentner treiben in die Altersarmut, immer länger werden die Schlangen vor den Tafeln, und immer mehr Obdachlose kratzen um diese Jahreszeit an den Kältebussen.

Kein reicher Redakteur und Politiker ist bis heute mit den Kulturkonflikten, der Kriminalität und der Gewalt, die mit der Flüchtlingswelle automatisch mit ans Deutschland gestrandet sind, direkt konfrontiert worden, und sie werden sich auch in Zukunft davon fern halten können. Vor diesem Hintergrund ist das Gefasel des Herrn Fink ein heuchlerisches.

Sicherlich, das Boot ist noch lange nicht voll. In der einen oder anderen Kapitänskajüte wird sicherlich noch ein warmes Plätzchen sein, und in den schicken Villen und Wohnungen der Politiker und Redakteure könnte noch so mancher unterkommen, wenn diese Schwätzer ihren eigenen Worten mal Taten folgen lassen würden.

Und weil Herr Fink die Konsequenzen nicht tragen muss, posaunt er es in die ganze Welt hinaus: Hereinspaziert, liebe Flüchtlinge! Solch eine gute Nachricht spricht sich bekanntlich schnell auf der ganzen Welt herum und wird vor allen Dingen von den Schleppern gerne weiter verbreitet. So werden aus vielen Flüchtlingen noch mehr Flüchtlinge und noch mehr Flüchtlinge, die auf dem „Luxusdampfer“ Deutschland, wie einst die Passagiere der Titanic die Eisberge umschiffen wollen. Und da wir uns von der „Spiegel“-Redaktion ja auf keinen Fall nachsagen lassen wollen, dass wir Deutsche ALLE Rassisten sind, werden wir sie auch ALLE willkommen heißen.

ALLE 51 Millionen Flüchtlinge, die auf dieser Welt herumirren. ALLE 1,4 Milliarden Menschen, die in extremer Armut leben müssen, werden auf Zuruf nach Deutschland eilen und sich hier einkuscheln. Es sei denn, Herr Fink persönlich verdingt sich als Türsteher und bringt nur die Guten ins Töpfchen. Aber das wird er natürlich nicht machen, das hat er uns ja bereits in seinem Beitrag erklärt.

Folgerichtig wird es irgendwann auch hier ein wenig eng, wird aus dem „Luxusdampfer“ ein löchriges Schlauchboot, auf dem jeder gegen jeden kämpft, um wirtschaftlich nicht unterzugehen. Ein Gutes hätte dieser Abstiegskampf in der überfüllten Arena allerdings: Endlich würde aus der sinnentleerten „Spiegel“-Redaktion eine sinnvolle Einrichtung werden:

Ein Flüchtlingsheim.

*) Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo.

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