„Als wir Kinder laufen lernten“ – Erinnerungen an eine schwere und auch schöne Jugendzeit

„Jugendzeiterinnerungen“ – Einladung zum Mitmachen
(www.conservo.wordpress.com)

Wer klug ist, sorgt beizeiten vor und darf nicht wählerisch sein. Bild: Maria Schneider

Liebe conservo-Leser,

Geli Schwind hat vor einigen Tagen in einem ihrer lesenswerten Beiträge eine Debatte angestoßen, die auf ein sehr breites Interesse unserer Leser gestoßen ist. Hier ein Auszug aus ihrem Artikel:

 „Kein Handy und kein Internet – welch schlimme Kindheit!
Wir mussten im Feld spielen,  zwischen Kühen, Stacheldrähten und Hecken,
kletterten auf ungesicherte Bäume, und wir liefen durch den Bach.
Und wenn wir dabei auf die Schnauze flogen,
dann heilte das meist von selbst, ohne dass man uns in Sagrotan oder sonstwas badete
und sofort wegen jedem Fliegenschiss zum Arzt schleppte
oder die Lehrerin vor Gericht verklagte.

Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz
oder Glutenunverträglichkeit leisten…
…Dass wir das alles einigermaßen überstanden haben,
grenzt schon an ein Wunder.
Heute ist das alles zum Glück ja gar nicht mehr vorstellbar!
Wer so aufgewachsen ist wie ich, der muss ja zwangsläufig einen Schaden davongetragen haben.
Also habt Nachsicht mit mir.“

(von Geli Schwind)

Die von Geli angesprochenen Erfahrungen – und auch die Leserreaktionen dazu – brachten  uns auf die Idee, SIE – unsere Leser – nach Ihren Erlebnissen und  Eindrücken aus Ihrer Jugendzeit zu fragen.

Wir würden die uns zugesandten Berichte gerne veröffentlichen, weil wir glauben, daß Jung und Alt Interesse und/oder Freude an einer solchen Lektüre haben.

Zu Form und Inhalt machen wir keine besonderen Vorschriften, nur redaktionelle:

  • Bitte fassen Sie sich kurz, max. rd. 3 DIN-A-4-„Schreibmaschinenseiten“ (= rd. 10.000 Zeichen, geschrieben in Word, nicht pdf)!
  • Sie können Ihren eigenen Namen als Autor oder aber auch ein Pseudonym verwenden
  • Bitte eine kurzes biographisches Datum dabei: Mann/Frau, Geburtsjahr, (wer will, gerne auch eine Berufsangabe)
  • Die Beiträge werden von uns redigiert (z.B. gutes Deutsch), aber inhaltlich nicht geändert

Bitte erklären Sie sich ohne Einschränkung damit einverstanden, daß wir Ihre Geschichte verwenden/abdrucken können. Honorar können wir leider nicht zahlen.   

► BITTE PER EMAIL EINSENDEN AN Peter.Helmes@t-online.de,

► BITTE DIE EINVERSTÄNDNISERKLÄRUNG (formlos) HINZUFÜGEN!

Diese Einladung gilt vorläufig bis Ende November ´21. Wenn größeres Interesse besteht, würden wir diese Frist verlängern.Wir freuen uns auf Ihre Antwort. Bitte mailen Sie Ihre Texte an conservo@deuru.com.
Mit herzlichen Grüßen
Maria Schneider, Peter Helmes

10 Kommentare

  1. @schön wars?:
    Keine Bevormundung und dafür Freiheit und natürlich die entsprechende Eigenverantwortung waren für mich als Kind das Paradies auf Erden. Den Rohrstock Lehrer, bei mir war es eine Rostock Lehrerin, wünsche ich mir natürlich nicht zurück.

  2. Die olle (und geschätzte) „Kodderschnauxe“ Monika Gruber hatte übrigens das oben Genannte mal als Zugabe gebracht, die ich Lesefaulen hier als eine Art Hörbuch anempfehlen möchte:

    Ergänzen möchte ich noch, dass ich als Kind:

    – Bei Karstadt eine Axt in der Campingabteilung kaufen durfte
    – Mit 12 mit einem kleinen Fahrtenmesser rumlaufen konnte
    – In der ersten Klasse nach kurzer Zeit den Schulweg allein gegangen bin,
    welch‘ kurzer Moment der Freiheit in dem Alter 🙂
    – etc.pp., wird wohl also fortgesetzt

    Ich bin wirklich froh und dankbar, dass ich diese Zeit im Umfeld toleranter Eltern damals miterleben konnte. Dabei hatten wir nicht viel als Kinder – aber irgendwie Alles

    1. Jawollie….. !! 😃
      Brilliant die Frau und mitten aussem Leben 😍 😍

      Ja tatsächlich!
      Es gab mal ne Zeit, als im deutschen Fernsehen noch deutsch in seinen Spielarten gesprochen wurde.
      Heute… Unvorstellbar!
      *********
      Peter Frankenfeld & Rudi Carrell – Dialekte im Lokal 1971

      ca 5 min.

  3. Was für eine schöne Idee. Ich hätte hier noch einen „Bekennerbrief“, welcher meine Jugend ziemlich zielsicher beschreibt: „Wir waren Helden“

    Wir waren Helden. Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun. Kinder von heute werden in Watte gepackt! Wenn du als Kind in den 70er oder 80er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.

    Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

    Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

    Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.

    Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

    Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach “Aufsichtspflicht”. Kannst du dich noch an “Unfälle” erinnern?

    Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

    Wir hatten nicht:

    Playstation/Nintendo 64/X-Box/Videospiele/64 Fernsehkanäle/Filme auf Video/Surround Sound/eigene Fernseher/Computer/Internet-Chat-Rooms

    Wir hatten Freunde!

    Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns. Wie war das nur möglich?

    Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

    Beim Völkerball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

    Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

    Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.

    Und du gehörst auch dazu.
    Herzlichen Glückwunsch!

    Persönliche Ergänzung von mir:

    Unser Haupttransportmittel war unser Fahrrad und unsere Beine, nicht Mamis Auto oder irgendein organisierter Elternfahrdienst.

    Aufgedrehte Kinder waren eben aufgedrehte Kinder, nicht hyperaktive. Besonders aufgedrehte Kinder waren Jungs und keine ADS Kinder. Sie bekamen in erster Linie Kakao und Nudeln und kein Ritalin.

    Wegen Verletzungen die nicht mindestens genäht werden mussten ging niemand nach Hause bevor es dunkel wurde und der Spieltag vorbei war.

    Wir bauten Baumhäuser ganz ohne SIMS Erfahrung.

    Wir sahen um 3 Uhr morgens Boxkämpfe ohne FSK, dafür standen wir mit unseren Vätern extra auf. Trotzdem besuchten danach wir kein Antiagressionscamp und die Amokläufer unter uns waren trotzdem überschaubar. Bud Spencer hatte ebenfalls keine nennenswerte Auswirkung auf unser Aggressionsverhalten.

    Hygiene war nicht unbedingt unsere Stärke aber dafür haben wir jetzt ein funktionierendes Immunsystem.

    1. Sehr gut, Emannzer, ich kannte den Text.
      Wir spielten auf der Straße Fußball, manchmal flog der Ball in den Garten eines älteren Mannes, der konnte keine Kinder leiden und hat den Ball dann genommen und kaputt gestochen. Wir haben auch Fletschen gebaut aus Astgabeln mit Gummizug, wo man Steine mit verschießen konnte. Einer von uns hat diesen Mann, so viel ich weiß, vor den Arsch geschossen, er hat sich bei den Eltern beschwert, aber das war’s dann auch.
      Ich selbst, 11 Jahre, war übrigens auch bei den Pfadfindern, Gelände Spiele im Wald mit Rauferei und allem drum und dran, Abenteuer pur, Fahrt ins Lager mit Fahrrädern ohne Gangschaltung, Gepäck, Kochtöpfe, Zelte, alles hinten auf dem Gepäckträger, zu einem Wald, nicht auf dem Campingplatz, Selbstversorgung durch selbst gebaute Kochstellen, Donnerbalken gebaut zwischen 2 Bäume, dahinter eine Grube, das war die Toilette. Seilbrücken gebaut zwischen 2 Bäumen, Seilspinnen zwischen Bäumen, von hohen Bäumen abgeseilt. Alles ohne große Sicherheit, heute unvorstellbar.

      1. Kochstellen – ja, die aus zusammengelesenem Holz bestanden, das wir anzündeten (selbstverständlich hatten wir Streichhölzer dabei) und über dem wir dann von zu Hause mitgebrachte Kartoffeln rösteten, die am Ende mehr schwarz als gar waren. Heute kann man als 15jähriger nicht mal Streichhölzer kaufen; wir hingegen wurden von unseren Eltern schon mit 8 Jahren zum Bierholen geschickt, wenn Handwerker im Hause waren. Kein Denken daran, daß der Verkäufer uns die Flaschen nicht ausgehändigt hätte. Der wohl folgenreichste Unterschied zu heute aber: Wenn wir etwa im Sommer ins Freibad gingen, hatten wir u.a. Bücher zum Lesen mit dabei, Winnetou oder Old Surehand, Der letzte Mohikaner oder Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, Die drei Musketiere oder Robinson Crusoe – heute unter den Jugendlichen so unbekannt wie die verlorenen Tragödien des Agathon unter den Philologen.

        1. Ich habe noch mit älteren Jungs zusammen die Ziegen von einem Nachbarjungen gehütet, dabei haben wir Kartoffeln von einem Feld geklaut oder genommen, ich weiß es nicht, und die haben wir in einem Feuer gebraten, die schwarze Schale wurde etwas entfernt und dann gegessen, ohne Salz ohne alles, besser haben Kartoffeln nie geschmeckt. Zum Schluss, wir waren alles Jungs, wurde das Feuer ausgepisst.

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