Noch einmal römisch-katholisch:

„Süßes Joch Christi“ oder „beschwerter…Stand?“
„Es ist niemand … der nicht hundertfach empfange: jetzt in DIESER ZEIT HÄUSER … … … und KINDER … und ÄCKER …“
Der dritte und letzte Zwischenruf

Von Dr. Juliana Bauer

„Siehe, wir haben alles verlassen…“

„Da fing Petrus an und sagte zu ihm: ‚Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.‘

Jesus sprach: ‚Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange:

Jetzt in dieser Zeit

Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungenund in der kommenden Welt das ewige Leben“ (Mk 10,28-30).

Wenn ich heute die Evangelien-Texte lese, die um die Nachfolge Jesu kreisen, die Texte, die, wie ich es kenne, regelmäßig zitiert werden, wenn es um die „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ geht, frage ich mich immer mehr: was haben die Theologen der römischen Kirche eigentlich jemals in dieser Aussage gelesen? Und zwar alle. Aller Jahrhunderte. Bis heute. Bis heute! Ich sah mir die Texte neulich noch einmal genau an. Wie stimmen sie überhaupt mit der Zölibats-Forderung überein?

Eine „Theologie des Leibes“ – Papst Johannes Paul II.

„Theologie des Leibes“ gegen Leibfeindlichkeit – eine Hilfe für Priester im Eheleben

Der Leib des Menschen, seine Sexualität, die zu seiner ganzen Person, zu seinem ganzen Menschsein gehören, wurden, wie uns die Verhaltensweisen und Bestimmungen der Kirchenoberen über Jahrhunderte aufzeigen (siehe Zwischenruf 2), als minderwertig und schlecht betrachtet und den Getauften entsprechend propagiert. Diese fehlgeleitete Auffassung war letztlich der eigentliche Grund für die gnadenlose Durchsetzung des verpflichtenden Zölibats für Kleriker – ab dem frühen IV. Jh. sind erste strenge Vorschriften hinsichtlich ihres ehelich-sexuellen Zusammenseins bekannt (i.J. 306, Synode in Elvira/Granada/Spanien. Man beachte auch die Vorstellung der kultischen Reinheit des Priesters, die Benedikt XVI. bis zum heutigen Tag beseelt, obwohl diese nicht zum Wesen des Christentums gehört, siehe. sein Beitrag zu Priestertum und Zölibat in: Sarah, R.: Aus der Tiefe des Herzens).

In jener Epoche war das Christentum bereits durchdrungen von einer Leibfeindlichkeit, die der Bejahung der „reinen“ Seele entgegenstand, die schon erste asketische Strömungen im Christentum, vor allem aber Vorstellungen des antiken Hellenismus prägte. Die ursprüngliche bejahende Sicht von Leib und Geschlechtlichkeit, die mit Seele und Geist nach dem Willen Gottes eine Ganzheitlichkeit bilden, eine Sicht, wie sie dem biblischen Judentum entstammte (die auch nicht durch dessen Reinheitsgebote bis hin zur kultischen Reinheit hinfällig gemacht wurde), war bereits empfindlich gestört und wurde im Laufe der kirchlichen Jahrhunderte nahezu zerstört. Erst im II. Vatikanischen Konzil fand die Kirche zu einer positiven Einstellung des Leibes zurück – wenn auch hin und wieder mit einigen Lücken…

Papst Johannes Paul II. rückte dann die eheliche und damit die leibliche Liebe endgültig wieder an ihren ihr zustehenden Platz. In seiner Theologie des Leibes macht er deutlich, dass das ganzheitliche Zusammensein von Mann und Frau die Liebe und das Sich-Gegenseitige-Beglücken zweier Menschen verkörpert, in der auch die sexuelle Verbindung der beiden Menschen zentrale Momente darstellen. Darüber hinaus sieht er in der Liebe zweier Eheleute, in ihrer personalen Begegnung wie auch in ihrer körperlichen Vereinigung, die Liebe Gottes, die Liebe Christi vergegenwärtigt.

„Nichts ist mächtiger, den Geist eines Mannes zu erniedrigen, als die Liebkosungen einer Frau“ – Augustinus (354-430)

Doch bis dahin sollten Jahrhunderte vergehen. Mit der Antike und deren Philosophie vertraute Kirchenväter, auf die sich vor allem die leibfeindlichen Reformpäpste wie Gregor VII. beriefen, verdarben m.E. die Lehren und den Geist Jesu. Den Geist Jesu, der sich aus seiner intimen Begegnung mit dem Gott Abrahams, Issaks und Jakobs speiste. Und nicht aus dem Geist des Hellenismus. Ein anschauliches Beispiel für diese Entwicklung ist die Theologie des in der Kirche des IV./V. Jahrhunderts an Einfluss gewinnenden Kirchenlehrers Augustinus, welche für 15 Jahrhunderte ausschlaggebend werden sollte. Ursprünglich leiblichen Freuden zugetan und ein jahrelanges Zusammenleben mit einer Frau genießend sah er nach seiner „Bekehrung“ sein Heil darin, allem Leiblichen zu entsagen und sich der Ehelosigkeit zu verschreiben. In Verkennung von Paulus‘ Worten über dessen Warnung vor einem ausschweifenden Leben, auch in sexueller Hinsicht (Röm. 13, 13-14) übertrug er diese auf das Zusammensein von Mann und Frau selbst in einer Ehe. Einer von Augustinus‘ Sätzen über Intimität wurde berühmt, ein Satz, mit dem er sich dahin verstieg, zu behaupten, dass „nichts … mächtiger …“ sei, „den Geist eines Mannes zu erniedrigen, als die Liebkosungen einer Frau“ (i.J. 401).

In Augustinus‘ abschätzigem Satz zeigt sich bereits die Verachtung der Frau, ja alles Weiblichen schlechthin, wie sie dem Ur-Christentum fremd war, er zeigt die Verachtung und Abwertung des Körperlichen, der Geschlechtlichkeit, der Zärtlichkeit – eine Verachtung, die sich durch die Christenheit und insbesondere durch die Kirchenoberen fraß und die nicht nur, wie uns die obigen Beispiele aus der Geschichte der Kirche zeigen (Zwischenruf 2), jede Menschlichkeit vernichtete, sondern auch den Geist Jesu und seiner frohmachenden Heilsbotschaft. Eine solche Entwicklung begünstigte in erheblichem Maß die aufgezeigten rigorosen Zölibats-Vorschriften.

„Süßes Joch Christi“ oder „beschwerter…Stand?“ – Zölibat und kein Ende – (Papst Paul VI. – Martin Luther)                         

Wie ich in meinem Artikel 2019 in PP anhand historischer Quellen darlegte, sorgte der Zölibat immer von neuem für Diskussionen. So glaubte Innozenz III. während des IV. Laterankonzils (1213, 1215)., wieder vor der Frau und ihren sexuellen Reizen eindringlich warnen und erneute Drohungen gegen die Geistlichkeit aussprechen zu müssen. Denn viele scherten sich nicht um das Gesetz der Ehelosigkeit. Und Fortsetzung folgte…

Daher sahen sich auch die Väter des Tridentinischen Konzils im 16.Jh. nicht nur durch Martin Luther genötigt, den Kampf weiterzuführen. Luther hatte sich gegen das Ehe-Verbot gestellt und dagegen, dass die Kirche den „göttlichen Stand der Priester mit ewiger Keuschheit beschwert“ habe. Im Tridentinum wurde, insbesondere unter dem freudlosen Pius V., die Ehelosigkeit erneut zementiert und in einem weiteren Schritt der Ehe als die wesentlich wertvollere Lebensform gegenübergestellt. Vor allem im 19.Jh. wurde diese Auffassung verstärkt aufgegriffen und das gesamte Priestertum mit dem Lichtschleier eines Glorienscheins von „Heiligkeit“ und „einer durch Ehe-Askese gewonnenen Reinheit“ überzogen, ein Lichtschleier, der sich bis weit ins II. Vatikankonzil wob. Gerade letzteres würde sich nach der Theologie des Leibes erübrigen und die Begründungen gegen ein eheliches Liebesleben von Priestern entmachten.

Entgegen zahlreicher Änderungen z.B. in Liturgie und Ämterneuordnung (eigenständiges Diakonat, verheiratete Diakone) blieb Paul VI. bei der priesterlichen Lebensform – dem „süßen Joch Christi“, wie er den Zölibat unter vielen seiner Metaphern einreihte – unbeugsam. Cocciuto come un mulo, wie die Italiener zu sagen pflegen = Stur wie ein Maulesel. Die rigorose Unterbindung jeglicher Debatten über den Zölibat, wie es im Tridentinum gehalten wurde, schien überdies ein besonderes Vorbild für Papst Paul VI. gewesen zu sein: auch er entzog den Konzilsvätern jegliche Diskussion darüber und entschied, diese kirchliche Vorschrift zu belassen. Was auch für seine beiden Nachfolger außer Diskussion stand. Und soeben verkündete Papst Franziskus das selbige.

Doch die Stimmen, die eine Änderung des Zölibats-Gesetzes herbeiführen möchten, werden nicht verstummen.

„Aus dem Evangelium nach Matthäus…“
Und nach Markus… und Lukas“
Matthäus
Ehelos

In meinem oben genannten Artikel in PP zitierte ich einige Worte Jesu, wie sie von Matthäus berichtet und zur Festsetzung des Zölibats von Befürwortern permanent angeführt werden. Auch fügte ich einen kurzen Kommentar hinzu. Ich schrieb:

In den Evangelien selbst sind nur spärliche Hinweise zu finden, die sich auf eine ehelose Lebensform der (späteren) Priester beziehen lassen. Im Zusammenhang mit dem Thema Ehe und Ehescheidung sprach Jesus die Ehelosigkeit an, so von Matthäus, wie folgt, überliefert:

„Es gibt Ehelose, die vom Mutterleib so geboren werden,
es gibt Ehelose, die von Menschen dazu gemacht werden,
es gibt Ehelose, die sich selbst dazu gemacht haben
und es gibt Ehelose um des Himmelreiches willen.
Wer es fassen kann, der fasse es (Mt 19, 11-12).“

Nun denn. Ich sehe hier keine Anweisung oder gar ein Gebot!

Es ist sinnvoll, sich diesen Text noch einmal genauer anzusehen. Was nämlich Jesus hier äußert, ist, entgegen vieler anderer Behauptungen, lediglich eine Feststellung. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Feststellung. In der er vier Gründe für eine Ehelosigkeit aufzählt. Die man begreife, wenn man sie begreifen kann: „wer es fassen kann, der fasse es.“ Es sind Gründe, die alle nicht einfach nachzuvollziehen sind, warum Menschen nicht heiraten.

Als vierten und letzten Grund nennt Jesus die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen.“ Er nennt den Grund, stellt ihn schlicht und einfach fest. Mehr nicht. Er gibt nicht einmal eine Empfehlung. Geschweige denn ein Gebot.

Alles andere ist reine Interpretation. Wer lesen kann, der lese!

Und noch etwas Wichtiges sei angemerkt: diese Feststellung Jesu findet sich nur bei Matthäus. Sie fehlt in allen anderen Evangelien.

Für manche Leser dürfte noch etwas anderes hochinteressant sein, etwas, was mir ein Theologe erklärte: im griechischen Urtext wird nicht von Ehelosen gesprochen, sondern von Verschnittenen. D.h. von den Menschen, die unfruchtbar, die zeugungsunfähig gemacht werden.

Es gibt also

„Verschnittene, die vom Mutterleib so geboren werden,
es gibt Verschnittene, die von Menschen dazu gemacht werden,
es gibt Verschnittene, die sich selbst dazu gemacht haben
und es gibt Verschnittene um des Himmelreiches willen…“

Was nun?

„Siehe, wir haben alles verlassen…“

Mein in PP zitierter Matthäus-Text geht, versehen mit meinem Kommentar, wie folgt weiter:

Natürlich wird diese Aussage Jesu sinnvoller Weise im Kontext der weiter unten folgenden Verse gesehen:

„Und Petrus sagte …Siehe wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns dafür zuteil? …“

(Die Antwort Jesu) „Und jeder, der Häuser oder Äcker, Bruder oder Schwester, Vater oder Mutter, Frau oder Kinder um meines Namens willen verlässt, wird es hundertfach zurückerlangen und das ewige Leben erben (Mt 19, 27-29).“

Heute möchte ich an dieser Stelle ergänzen: Die Feststellung Jesu zur Ehelosigkeit in 19, 11-12 muss nicht zwangsläufig in Verbindung mit den Versen 27-29 gesehen werden, zumal sie bei den anderen Evangelisten fehlt.

Markus

Als Vergleich füge ich nun dem Text von Matthäus jenen von Markus hinzu. Dabei ist folgendes zu beachten:

Markus‘ Text ist der ältere, Matthäus wie auch der Evangelist Lukas übernahmen ihn und hoben ihrerseits ihnen wichtige Worte Jesu hervor.

Der Text von Markus:

„Da fing Petrus an und sagte zu ihm: ‚Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.‘

Jesus sprach: ‚Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange:

jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungenund in der kommenden Welt das ewige Leben“ (Mk 10.28-30; siehe auch Lk 18,28-30).

Lukas schreibt in seinem Evangelium den obigen Text nahezu identisch, wie ihn Markus überliefert.

Matthäus

„…jeder, der Häuser oder Äcker, Bruder oder Schwester, Vater oder Mutter, Frau oder Kinder um meines Namens willen verlässt,

wird es hundertfach zurückerlangen…“

Er wird „es … zurückerlangen“, was er verlassen hat. Wann und wo sagt Matthäus nicht.

Markus und Lukas

Markus und Lukas lassen Jesus die aufgezählten Menschen und Güter, die seine Jünger um seinetwillen „verlassen“, wiederholen und sie ihnen zurückgeben. Und nicht erst im Jenseits, sondern hier, „jetzt in dieser Zeit.“

So sagt Jesus bei Markus und Lukas: „Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit

Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungenund in der kommenden Welt das ewige Leben.“

Sie sind auffallend für mich, die Worte Jesu, die Markus und auch Lukas überliefern.

Erhält der Verzichtende die irdischen Güter und die Familienmitglieder, die er liebt, durch Jesus selbst zurück? Es sieht ganz danach aus.

Und das, was danach aussieht, wird bestätigt durch Worte von Paulus im ersten Korintherbrief: „Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester

als Ehefrau mit uns zu führen wie die anderen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas/Petrus (1 Kor 9,5).

Simon Petrus und die Apostel verließen ihre Ehefrauen de facto nicht. Auch nicht, um „nur noch alleine und ganz“ in der Hingabe an Christus und seiner Verkündigung zu leben, wie uns von vielen Geistlichen früher weisgemacht wurde, wenn sie den verpflichtenden Zölibat erklären mussten.

Die Apostel nahmen ihre Frauen mit auf ihre Verkündigungsreisen. Sie trennten sich offenbar ungern von ihnen, sie wollten sie in ihrer Nähe haben.

Sie waren keine Ehelosen in der Nachfolge Jesu, sondern sie folgten Jesus als Ehepaare nach (siehe Zwischenruf 1).

Jesu Aussage lässt eines klar erkennen:

denen, die ihn und Gott an die erste Stelle setzen, gibt er alles zurück. Wenn auch in dieser Welt oft unter Leid, Mühsal und „Verfolgungen“, denn hier und „in dieser Zeit“ ist kein Paradies zu erwarten. Doch er gibt es ihnen zurück, denen, die sich selbst verlassen, die ihre Egoismen verlassen, ihre Fixierungen auf sich selbst, auf ihr Ich, ihre „Selbstverwirklichung“, die ein nur „Haben-Wollen“ verlassen

und sich vollständig Gott überlassen. Und dem Hl. Geist. Um sich auch dann für den Mitmenschen zu öffnen. In der „Selbstverwirklichung“ für Gott. Denen gibt Christus alles zurück. Verwandelt und in Fülle (Anregungen aus der Einführung der Vortragsreihe „Spiritualität der Orthodoxen Kirche“ des griechisch-orthodoxen Priestermönchs Paisios, der u.a. eine Mutter als Beispiel für das Sich-Selbst-Verlassen anführt).

Die Frau, die Kinder, das Haus… …
Ehelos oder verheiratet.
Mit oder ohne eigener Familie.

Das Entscheidende für einen Jünger, eine Jüngerin Jesu ist, Gott und ihm, Christus, den ersten Platz im Leben einzuräumen.

Sicher können die Worte Jesu von dem einen oder anderen auch wörtlich verstanden werden. In der Weise, dass ein Mensch für seinen Verzicht, z.B. auf eine Ehe, auf eine eigene Familie, auf berufliche Karriere, auf reiche irdische Güter, etwas anderes dafür „erhält.“ Etwas anderes Beglückendes, Bereicherndes, das ihn und sein Leben in seiner spezifischen Berufung erfüllt.

Andere „Häuser“, andere „Brüder, Mütter, Kinder…“

Beide Interpretationen können möglich sein. Jesus schreibt nichts vor. Und Paulus würde darauf eine schlichte Antwort geben: Jeder wird seine Berufung, sein Charisma, seine Gnadengabe erkennen.

Diese Gnadengabe schließt jedoch den verheirateten Priester nicht aus. Die Gnadengabe Priester zu sein, hält Gott niemals für nur ehelose Männer bereit. Das widerspräche Gottes Konzept der Liebe.

Und noch etwas: viele Kleriker, gerade auch „Herren“ in Führungspositionen, öffnen ihr Herz und ihren Geist nicht mehr dem Feuer des Geistes Gottes.

BIBEL-ÜBERSETZUNGEN

„Ist die Bibel richtig übersetzt?“

Des Weiteren gilt auch folgendes, gerade hinsichtlich der überlieferten Worte Jesu, zu beachten: der jüdische Bibelwissenschaftler Pinchas Lapide (1922-97) machte immer wieder auf die bilderreiche hebräische Sprache aufmerksam, in der viele Aussagen nicht immer wörtlich, sondern im übertragenen Sinn zu verstehen seien. Auch deckte er grobe Fehlübersetzungen in der Bibel auf (siehe sein Buch: Ist die Bibel richtig übersetzt?), sodass sich die Frage stellt, inwieweit die uns vorliegenden Bibeltexte in ihren verschiedenen Übersetzungen gegenüber den ursprünglichen Quellen authentisch sind. Daher noch ein paar Worte zu den biblischen Textvarianten.

Zahlreiche Textvarianten

Seit der Antike existieren zahlreiche Einzelschriften und Übersetzungen der biblischen Texte…Viele ihrer Handschriften sind „alles andere als einheitlich.“ Es gibt Abschreibfehler zu beachten, Textänderungen, die z.T. bewusst vorgenommen wurden, Übersetzungen je nach Verständnis und vieles mehr, die zu „einer Vielzahl textlicher Varianten“ führen, auf das u.a. der kath. Theologe Markus Lau von der Universität in Fribourg/Schweiz hinwies (siehe Lau, Markus, Redaktion Feinschwarz 21.11.2019 zum Römerbrief des Paulus. Siehe auch: Hartmann, Christoph Paul, Was Bibelübersetzungen so schwermacht, katholisch.de, 12.03.2019). Letzterer verweist auf zwei historisch-kritische Ausgaben… die Biblia Hebraica für das sog. Alte Testament und auf das Novum Testamentum Graece für das Neue Testament, dessen Grundlage aus 5.500 Handschriften besteht.

Was also hat Jesus zu welchem Thema nun tatsächlich gesagt? Und was wurde in den gesamten Texten interpretativ überliefert, so, wie es Schreiber, Verkündiger, Theologen verstanden/verstanden wissen wollten?

Und für Extra-Interessierte: ein Interview

Zölibat: Würzburger Priesterehepaar lebt, was Ex-Papst Benedikt fürchtet

Die Befürchtung Josef Ratzingers, dass der Zölibat gelockert wird, kann der Würzburger Priester Endre Koncsik nicht nachvollziehen. Er ist seit 1968 verheiratet, in: Mainpost, Würzburg, 14.01.2020

Ein Interview mit einem aus Ungarn stammenden kath. Priester der mit Rom unierten Ostkirchen und seiner Frau, der sagt: „Auch ein verheirateter Priester lebt die Hingabe an Gott.

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Endre und Ute Koncsik. Sie heirateten 1968 vor seiner Priesterweihe.
„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. Foto: Theresa Müller, Mainpost

22 Kommentare

  1. An Anonymous
    vielen Dank, ich fummele ja schon seit vielen jahren mit der EDV herum, incl PCs etc etc.
    Die drei Balken habe ich bisher nur fuer History genutzt und nicht weiter hingesehen.
    Pre-conceived ideas, hiess das mal

  2. Ja, die kath. Kirche. Die römisch-kath. Kirche!
    Der von Papa Francesco geschasste Pariser Erzbischof Aupetit, von dessen Predigten ich i. d. letzten 2 Jahren eine Auswahl übersetzte, sprach im vergangenen Herbst, aber auch zuvor in Gründonnerstagsgottesdiensten davon, dass die Priester, v.a. auch die Bischöfe “zu den Füßen der Menschen” sein müssten. Dort sei ihr Platz. Nur dort! Denn, sagte er, Jesus “kniete vor den Menschen u. wusch ihnen die Füße.” Er war ihr “Diener” (Michel Aupetit engagiert sich sehr f. d. Ausgestoßenen der Gesellschaft u. lebt sehr einfach, fährt Twingo wie eine der Putzfrauen meiner Mutter. Zu Empfängen im Elyséepalast ging er zu Fuß).
    Da sähe ich die Chance f. d. Kirche. Nur dort. Nicht i. d. Staatskarossen, nicht i. d. vatikan. Palazzi… Aber auch nicht i. d. Verbohrtheiten, i. d. Lügen, im Nicht-Wahr-Haben-Wollen menschlicher Gefühle…
    Zum Glück kannte ich auch sehr gute Pfarrer u. Seelsorger wie meinen alten Stadtpfarrer, nunmehr 92 J. alt.

    1. Der Salesianer Bruder Marcel Pons, der meine Frau und mich traute, in StFoy de Lyon, trug genagelte Schuhe und fuhr Fahrrad. Spaeter, als er Schulleiter war, hatte er irgendwann einen alten 2CV.
      Er lebte, was er sagte, sehr einfach. Deswegen hoerte man Ihm auch zu, wenn er was sagte. Nebenbei, er war auch der Onkel meiner Frau.

      1. SteFoy les Lyon, die Tippfehler nehmen zu, wenn das Augenlicht fuer die kleinen Buchstaben nicht ausreicht. Entweder neue Brille oder Aenderung des Fonts

      2. Jan Hess,
        Sie können die Schrift vergrößern.
        Auf Ihrem Bildschirm ist oben rechts ein Anwendungsmenü (drei waagerechte Striche), dieses Symbol klicken Sie an und gehen im Kasten mit der Maus auf Zoom +
        Klicken Sie so lange auf + bis Ihre gewünschte Schriftgröße erreicht ist, bei – wird sie wieder kleiner.
        Einfach bisschen rumprobieren, passieren kann da nichts.
        Möchten Sie den Kasten wieder schließen, klicken Sie einfach wieder auf das Symbol.

        Wie das bei einem Handy funktioniert weiß ich leider nicht.

        Grüße !

  3. O.K. Herr Hess!
    Konstantin erwies i. d. Tat der Kirche einen Bärendienst. Angenehm war natürlich, dass die Verfolgungen aufhörten. Ansonsten wurden das Christentum von da an häufig verfälscht u. der Kirche Machtpositionen verliehen… Das war eines der Themen bei den Basisgemeinden in Rom, wo ich während meines Studiums dort oft hinkam.
    Ein Tipp, da Sie einen Rabbiner nannten (oder war er ein Chasan/Kantor?): Nikola David, ehemaliger Opernsänger u. der erste Kantor, der nach 1945 bei uns ausgebildet wurde. Eine traumhafte Stimme!

    1. Sehr geehrte Frau Dr Bauer,
      es war ein Rabbi aus Israel, ob er Askhenazi oder Sepharde war, habe ich nicht gefragt. Die hebraeische Sprache ist in der Tat sehr bildhaft, man braucht nur die Worte fuer die vier Himmelsrichtungen zu analysieren.
      Nebenbei, ein Dr Eli Lizorkin betreibt in Israel eine juedisch-christliche website, wo man auch hebraeisch lernen kann.
      Zum Bariton, bei den Maennerstimmen, mir die angenehmste, es gibt nur sehr wenige richtige Bass-Saenger. In lang-vergangenen Tagen sangen die Don-Kosaken in Frankfurt, die hatten einige Bariton Stimmen, aber auch einen gewaltigen Bass.
      Mit freundlichen Gruessen Jan Hess

  4. Allora! Der Reihe nach. Und damit schreibe ich mein Schlusswort.
    Zu Gelbkehlchen: Es gibt in meinem Album ein Foto, das meine Mutter, mit mir auf dem Arm, bei der Aussegnung zeigt. Nach meiner Geburt, der Geburt ihres Kindes…! Meine Mutter, die vor ihrer Hochzeit mit meinem damals streng katholischen Vater konvertierte, war viele Jahre lang super-katholisch. Erfreut stellte ich dann fest – ich war etwa Anfang 30 – , dass meine Mutter eine Wandlung durchmachte. Ich merkte es an 2 ihrer Aussagen. Die 1. war die, dass sie es zu meinem großen Erstaunen plötzlich gut fand, wenn die kath. Pfarrer heiraten würden – früher waren die Priester für sie die “Heiligen u. Reinen” schlechthin, die sich “ganz Christus u. der Gemeinde hingaben.” Die 2. war, dass sie “heute nicht mehr so schnell katholisch werden würde”, sondern sich mehr Zeit ließe.
    Von einem Papst war meine Mutter übrigens hell begeistert: von Johannes XXIII (der ja von den Tradis in Grund u. Boden verdammt wird). Von ihm erzählte sie mir alles, was sie über ihn las, besonders über seine von Armut geprägte Familie. Ihr gefiel auch die große Demut dieses Mannes. Darüber hinaus erzählte sie mir von Martin Luther, vor allem von dessen Frau Katharina von Bora, und von Paul Gerhardt, dem großen Choraldichter u. überzeugten lutherischen Pfarrer (Geh aus mein Herz u. suche Freud’, Die güld’ne Sonne, voll Freud’ u. Wonne).
    Auch mein Vater wurde in seinem Alter liberaler u. kritisch (ich sprach ja in einem Artikel von ihm u. den Schikanen in sex.-ehelicher Hinsicht).

    Noch einmal ein Wort zum Zölibat, das ich vergaß, Herr Anonymus: ja, wenn kath. Kreise meinen, dass mit dem Fallen des Pflicht-Zölibats auch die röm.-kath. Kirche falle, dann ist diese Kirche nicht mehr wert. Die Kirche Jesu ist auf ihn, den Gekreuzigten u. Auferstandenen gegründet, nicht auf den Zölibat. Übrigens vertritt diese Auffassung eine besonders bekannte Boulevard-Berühmtheit: Gloria, die einstige grelle u. nun fromme Hochwohl-Geborene. Oder sollte man besser sagen: die Hochdumm-Geborene.

    Für die Kirche ist es katastrophal, dass man eine Lebensform wie den Zölibat mittels von Drohungen u. Gewalt durch peitschte, bis hin zum Mord an verheirateten Priestern, ihrer Frauen u. Kinder (Zwischenruf 2). Das muss unbedingt den Katholiken vor Augen geführt werden.
    In unendlicher Fortsetzung folgten dann Jahrhunderte lang die vielen sex. Missbräuche an Ordensfrauen

    Domradio 2.Mai 2019, Domradio 11.Sept. 2020 (weite Verbreitung v. sex. Missbrauch an Ordensfrauen drch. Priester in Afrika u. Asien) sowie die Missbräuche an Kindern u. Jugendlichen.

    Ein “Schmankerl” übrigens besonderer Art, das mir gerade einfällt: von den Diözesen Straßburg u. Paris weiß ich, dass man in den Seminaren den angehenden Priestern Begleiterinnen an die Seite gibt/bzw. stellen möchte. Zumindest gehören Frauen dort zum Priesterrat. Was auch Papa Francesco gut findet.
    Was aber versprechen sich er u. die Bischöfe davon? Begleiterinnen, Seelenfreundinnen…??? Ist es die letzte Möglichkeit, sich noch einmal am aufoktroyierten Zölibat festzukrallen? Was diese Männer brauchen, sind Ehefrauen, keine Seelen-Begleiterinnen.

    Im erzbischöflichen Bauamt zu Freiburg/Br., wo ich vor Jahren über eine kleine Kirche in unserem ehemaligen Bistum Straßburg kunsthistorische Recherchen machte, löste ich einmal bei den kath. Architekten eine Lachsalve aus, als ich hinsichtlich einiger unguter kirchlicher Dinge schnoddrig meinte: “Der Vatikan gehört ausgeräuchert.”
    Dr. Juliana Bauer

    1. Frau Dr. Bauer,
      danke für Ihre Antwort.
      Ja, es sieht nicht gut für die kath. Kirche aus – wohlgemerkt selbst verschuldet.
      Mir pers. könnte es als “religiösem Freigeist” einerseits egal sein, aber andererseits bedeutete es eben auch eine weitere Kulturaufgabe zugunsten des Islams inkl. Scharia.
      Ich bin da also etwas zwiegespalten und kann nur hoffen, dass man noch die Kurve kriegt.
      Die kath. Kirche braucht für ihre Erhaltung ein Alleinstellungsmerkmal – hoffentlich fällt ihr dbzgl. bald etwas ein, was auch ihre Mitglieder mit Überzeugung und Stolz vertreten können.
      Pomp und Protz sind jetzt auch nicht mehr so unbedingt angesagt, es müsste schon einen glaubhaften inneren Wert haben, der zudem die Fähigkeit besitzt, diese unsäglichen Mißbräuche vergessen zu machen.
      Bin mir sicher, es wird fieberhaft gesucht und diskutiert.

  5. eine weitere Randbemerk: der Hueter Israels ist auch der Hueter des Christentums.
    In Gen 2:24 und bei Matt 19:5 finden wir die Ehe zwischen Mann und Frau.
    Gen 2:5 klaert, was da existiert, betreffend die Geschlechter.
    Alles Uebrige sind Dinge der Medizin, die ich nicht beurteilen moechte .

  6. Nur so am Rande, die christliche Urkirche war eine Hauskirche, kannte keinen Kirchenbauten und auch keine Zoelibat, als verpfichtend fuer irgendein Kirchenamt. Man koennte theoretisieren, dass Konstantin, nachdem er 324 Licinius besiegt hatte, der Urkirche den groessten Baerendienst erwiesen hat, als er sie zur Staatskirche machte. Christliche Fuersten buhlten von da an mit weltlichen Fuersten um Macht, Einfluss und Geld.
    Ich wollte mit meiner Randbemerkung ueber Psalm 121 und die Nazis nur zum Ausdruck bringen, das der Hueter Israels nicht schlummert und nicht schlaeft (hat mal ein Rabbi fuer uns in Zimbabwe in einer kleinen Freikirche gesungen, er hatte eine wundervolle Bariton-Stimme). Schon wieder ein Ausrutscher, au weh.

  7. Verehrter Hermes,
    lassen Sie es, mich belehren zu wollen. Ich werde auch Ihre langatmigen Ausführungen nicht mehr lesen.
    Wie Sie sehen, habe ich meine Auffassung, die ich vertrete. Und die ich speise aus Bibel, Kirchengeschichte u. aus persönlicher, langjähriger Erfahrung. Oh ja. Auch aus langjähriger Erfahrung. Ich kannte sehr viele Priester in meinem Leben.
    Was Bibel u. Kirchengeschichte betrifft, recherchiere u. studiere ich diese gut u. in keiner Weise oberflächlich.
    Lassen Sie es also gut sein.
    Und noch etwas zu Anonymus: Wenn der Zölibat fällt, fällt die römisch-katholische Kirche nicht. Sie würde ehrlicher werden. Was bei den mit Rom unierten Ostkirchen auch sichtbar wird. Dort leben 90% der Priester im Ehesakrament. Und vielleicht glauben Sie es kaum: aber es gibt dort viele in Gemeinde u. für Gott bzw. für Christus engagierte Priester.
    Dr. Juliana Bauer

    1. Frau Dr. Bauer,
      diese politische Variante der Überlegung stammte nicht von mir, sondern stammt aus katholischen Kirchenkreisen gar selbst.

  8. „Es gibt Ehelose, die vom Mutterleib so geboren werden,
    es gibt Ehelose, die von Menschen dazu gemacht werden,
    es gibt Ehelose, die sich selbst dazu gemacht haben
    und es gibt Ehelose um des Himmelreiches willen.
    Wer es fassen kann, der fasse es (Mt 19, 11-12).“

    Sehr geehrte Frau Dr. Bauer,
    wenn ich mich recht erinnere, habe ich Ihnen bereits einmal geantwortet. Ich möchte nicht insistieren, das Thema scheint mir auch außer für deutsche Katholiken wenig wichtig, aber Ihr Beitrag hier wirft einige Erinnerungen und Gedanken auf.
    Ich stimme Ihnen selbstverständlich zu, daß sich aus Ihrem obigen Zitat kein Gebot ergibt, die letzte Zeile bestätigt es wortwörtlich: Wenn Matthäus dies schreibt, sollten wir Normalsterblichen uns mit Schlußfolgerungen und Ge- und Verboten zum Thema zurückhalten. Die dritte Zeile scheint mir aber ein freiwilliges Zölibat durchaus zu umfassen, unabhängig von meiner persönlichen Meinung zum Thema. Die vierte Zeile scheint es geradezu einzuladen …
    Ich persönlich habe u.a. Islamwissenschaften studiert, Sie kennen die Bibel um viele Dimensionen besser als ich. Ich kann also nicht mit Textstellen argumentieren, und könnte ich es, würde ich solche Zitateschlacht nicht wollen. Es ist aber offensichtlich, daß kaum eine biblische Großkirche (fassen wir den Islam auch darunter?) von Moskau bis Sao Paolo außer dem Katholizismus den Zölibat kennt, das Zölibat also nichts mit der Bibel zu tun hat, sondern mit der Eigendynamik der 2000 Jahre alten katholischen Kirche. Lassen wir dies so stehen für den Moment.
    Ist der Zölibat nicht vor allem eines der größten Opfer, die ein Mann erbringen kann? Ist die Bibel nicht die Geschichte großer Opfer? Lesen wir Abraham und Isaak noch einmal ganz genau – bis zu dem Widder im Verhau. Wir gehen auf das Passahfest zu, da scheint mir die Selbstopferung Jesu bei Johannes die größte in den vier Evangelien.
    Ist es per se unrecht, vom Seelsorger der christlichen Urkirche dies große Opfer des Zölibat zu fordern? Das Priesteramt ist ein freiwilliges. Jeder, der es anstrebt und viele Lebensjahre opfert, um es zu erlangen und dann die Botschaft des Alten und Neuen Testaments zu predigen und zu leben, weiß bereits als Kind vorab, was er tut.
    Hebt also nicht genau der Zölibat das Priesteramt empor zu christlichem Leben?
    Ich schrieb bereits, daß ich dem Zölibat neutral gegenüberstehe. Ein israelischer Rabbi mit einem Stall voller Kinder ist oft ein besserer Seelsorger als ein deutscher katholischer Kirchenbeamter.
    Aber ist nicht diese ganze deutsche Zölibatsdebatte Symptom und Folge des Konkordats mit Hitler? Wer zahlt, schafft an. Der Staat zahlt heute, also schafft er an. Priester werden finanziell praktisch wie Beamte behandelt und reagieren genau wie diese auf ihre Anreizstrukturen, wir sind ja alle Menschen. Sie sollen aber nicht Beamte mit gewissen Pflichten wie Sonntagspredigt, Taufe und Beerdigungsreden sein, sondern nicht nur viel mehr, sondern ganz anderes. Das ist nach dem Konkordat fast verlorengegangen. Sie sollen von Gott sprechen und sein Wort, den göttlichen logos, wirksam machen.
    Dies ist nicht eine Kategorie von Beamten- oder kanonischem Recht, sondern ihr eigentlicher Auftrag, sonst brauchen wir keine Kathedrale und keine Kapelle, ihre Wirkungsorte, mehr. Da kommt sowieso kaum noch jemand hin. Und das liegt nicht an den herrlichen Kathedralen, sondern an den Priestern. Deswegen ist der Zölibat m.E. nicht das Hauptproblem.
    Eine Nebenbemerkung: Selbstverständlich predigen evangelische Pastoren irgendwie anders. Sie wirken lebensnaher, ihre Jungs und Mädels auf dem Fußballplatz und im Tanzkurs und vielleicht schon die Enkel geben ihnen mehr Vertrautheit mit jedermanns Alltag. Sind ihre Kirchen deshalb voller? Natürlich nicht, weil der Zölibat bei ihrem eigentlichen und ausschließlichen Auftrag, von Gott und Seinem Buch zu sprechen, kaum eine Rolle spielt.
    Nun ein Argument für Universitätsabsolventen: Wir wissen genau, wie man sein Diss mit Zitaten füllt und seine These untermauert. Das kann jedoch Froschperspektive sein. Wichtig ist, erst einmal aus der Adlerperspektive zu schauen: Ist das Christentum leibesfeindlich? Seit Augustinus bis vor kurzem? Ist das wirklich so? Hier aus dem Original:
    „Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit – aber jetzt noch nicht.“ — Augustinus von Hippo, Confessiones 8,7, 17 Original lat.: “Da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo.”
    Der Mann wußte genau, wovon er redete, einer der Ganz Großen. Spricht das für oder gegen das Zölibat? Sicher nicht, es erhebt bis zur Vogelperspektive und noch weit höher (Geier kommen bis 10km hoch).
    Aus diesem kühlen Grunde scheint mir: Der deutsche Kampf mit dem Zölibat ist der von deutschen Beamten im Kampf um mehr “soziale Gerechtigkeit”oder ähnliches, nicht aber das Bemühen um tieferen Glauben und dessen Verkündigung durch Gottes Stellvertreter auf Erden.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrer Mission, denn aus den genannten Gründen ist die Frage des Zölibats aus Sicht des Glaubens und dessen Verkündigung irrelevant. Daß die deutsche katholische Kirche mit Aufhebung des Zölibats wegen Apostasie aus der katholischen Weltkirche fliegen wird, ist ebenfalls irrelevant für gläubige deutsche Katholiken, die haben sich größtenteils von dieser Beamtenkirche abgewandt. Die m.E. positive Konsequenz dürfte sein, daß katholische Irredentisten eine neue römisch-katholische Kirche gründen und sich mit der katholischen Weltkirche verbinden – was ich sehr unterstützen würde. Diese könnte sehr schnell millionenstark werden.

    Ich persönlich genieße sehr die Predigten des Bischofs von Los Angeles, Robert Barron, und von Voddie Baucham, dem Schlachtroß Gottes mit 9 Kindern, die er mit seiner Frau selber unterrichtet, um sie vor unseren Schulen zu retten. Unterschiedlicher könnten zwei Männer und Priester kaum sein in Bezug auf den Zölibat, überzeugender als sie sind wenige in der Verkündung von Gottes Wort.

    Mein letztes Wort zum Thema, ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber die deutsche katholische Kirche noch unter Hitlers so bequemem Konkordat ist zum Untergang verdammt mit oder ohne Zölibat, und nach ihrem Untergang werden diese herrlichen Kirchen wieder voll sein von Kindergeschrei und Vater Unser, wie es sich gehört.

    Ihr
    Hermes

  9. Liebes Gelbkehlchen, wie kommen Sie eigentlich zu diesem Pseudonym? Wenn ich es lese, muss ich immer an die vielen Rotkehlchen denken, die einst auf der hohen Tanne vor dem Küchenfenster meiner Großeltern saßen.

    Sie zitieren den Brief an Timotheus: 1 Tim 4, 1-5. Den von Ihnen genannten Versen gehen die berühmten 1-3 voraus, in denen der hl. Paulus folgendes sagt: “1 Der Geist aber sagt deutlich, dass in den letzten Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden und verführerischen Geistern und Lehren von Dämonen anhängen, 2 verleitet durch Heuchelei der Lügenredner, die ein Brandmal in ihrem Gewissen haben. 3 Sie gebieten, nicht zu heiraten und Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, dass sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkannt haben.”

    Was die im Urchristentum verheirateten Presbyter u. Bischöfe (Gemeindeleiter) betrifft, die Gottes Wort verkündeten u. das Herrenmahl zelebrierten: alle Worte, die Paulus von ihnen spricht, seien es die aus dem Korintherbrief, seien es die aus dem Timotheusbrief – alle diese hörte ich nie in Lesungen an den Sonntagen. Nie. Diese Worte wurden vertuscht… wie vieles bei den vielen Lügenrednern…!!!

    Kürzlich erzählte ein griechisch-orthodoxer Priester in einem Video, seines Zeichens verheiratet u. Vater von 5 Kindern, dass ihm ein kath. Prälat gegenüber äußerte: “Ja, der Zölibat ist reines Kirchengesetz.” Und ich ergänze, eines, das mit Gewalt u. Drohungen durchgepeitscht wurde. Wo aber ist bei Drohungen u. Gewalt der Hl. Geist zugegen? Nirgends! “Aber,” so der Prälat weiter, “wenn wir den Zölibat freigäben, würden fast alle Pfarrer heiraten.” Ach Gott! Das wäre ja furchtbar… Dann würde ja Mater Ecclesiae in Rom von Benedikts Tränen überlaufen…!!! Das ist die Sorge dieser zu einem Gutteil verlogenen Amtskirche. Das ist deren ganze Sorge! Wissen Sie: es ist zum Heulen, zum Lachen u. zum Kotzen gleichermaßen.

    Ich hätte dem Prälat geantwortet: “Gut so. Wenn aber verheiratete Priester ein solches Problem für euch sind, dann geht alle zum Teufel. Denn da gehört ihr hin. Ihr seid, wie Paulus sagt, Heuchler, Lügenredner. Dann hört auch auf, die Ehe als Sakrament zu verkünden. Denn in euren Augen ist sie das nämlich nicht wirklich.”

    Die römische Kirche glaubt immer noch, dass ihre Zölibatären die Crème de la Crème seien. Und wenn noch solche Tagdiebe unter ihnen sind. Und immer noch schaut der Großteil dieser sauer u. ungenießbar gewordenen Crème auf die Eheleute herab u. glaubt, einer klerikal-elitären Auswahl anzugehören.

    Aber über dieser Kirche liegt ein Fluch. Der immer schwerer wiegt. Und keiner der Bischöfe will das erkennen. Und Papa Francesco ist doppelt blind.
    Dr. Juliana Bauer

    1. Zunächst zu meinem Decknamen gelbkehlchen. Ich habe als Kind gerne die Tierbücher von Erich Kloss (https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Kloss_(Autor)) gelesen, weil auch ich einen starken Bezug zum Wald als Sauerländer habe. Und in einem seiner Bücher gibt er dem Baummarder den Kosenamen Gelbkelchen, weil er eine gelbe Kehle hat. Und ich fand damals als männliches Kind, in dem vielleicht noch ein bisschen der Jagdinstinkt aus der Steinzeit steckte, Raubtiere, besonders Katzen und Marder ganz toll, weil sie so flink waren und auch um ihre Nahrung kämpfen mussten. Ich habe damals sogar Lehm aus dem Boden genommen, daraus Löwen und Panther geformt, weil ich so begeistert von diesen Tieren war. Knete hatte ich nicht. Der Name gelbkehlchen hat also nichts mit irgendeinem Vogel zu tun.
      Und nun zum Thema Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche:
      Ich bin, glaube ich, etwas älter als Sie, ich bin Jahrgang Dezember 1951, bin also vor 3 Monaten 70 Jahre geworden. Ich kenne noch die Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche Anfang bis Mitte der sechziger Jahre. Das änderte sich etwas eigentlich erst mit den 68ern, beziehungsweise schon 1967. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir auf dem Gymnasium in Ahlen Westfalen eine religiöse Woche hatten. Wo dann plötzlich die Sexualität nicht mehr ganz so schlimm gesehen wurde. Ich weiß nicht, ob Sie vom Alter her diesen Wandel mitbekommen haben und ob Sie die katholische Kirche vor diesem Wandel noch kennen gelernt haben. Aber vor diesem Wandel wurde die Sexualität von der Kirche als etwas ganz Böses angesehen. Meine Mutter erwähnte, dass vor ihrer Zeit wohl die Frauen, die gerade ein Kind geboren hatten, im katholischen Madfeld, meinem Geburtsort im nordöstlichen Sauerland, erst in der Sakristei ausgesegnet werden mussten, um am kirchlichen Leben wieder teilnehmen zu können. Denn sie hatten ja als Mutter Geschlechtsverkehr gehabt und damit etwas ganz Böses getan. Obwohl doch der Schöpfergott die Sexualität zur Erhaltung der Menschheit geschaffen hat und das in dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ besungen wird. Sie sehen, die Ideologen und Eiferer und Moralapostel, die als Bessermenschen mit einer angeblich besseren Moral sich zur Geltung bringen, sind überall.

      1. “Meine Mutter erwähnte, dass vor ihrer Zeit wohl die Frauen, die gerade ein Kind geboren hatten, im katholischen Madfeld, meinem Geburtsort im nordöstlichen Sauerland, erst in der Sakristei ausgesegnet werden mussten, um am kirchlichen Leben wieder teilnehmen zu können. Denn sie hatten ja als Mutter Geschlechtsverkehr gehabt und damit etwas ganz Böses getan.”

        “Ausgesegnet” von einem Priester, also einem “Kind der Unzucht” – unglaublich !
        Tiefstes Mittelalter !
        Um sowas akzeptieren zu können, durfte man auf keinen Fall logisch denken.

    2. “Die römische Kirche glaubt immer noch, dass ihre Zölibatären die Crème de la Crème seien. Und wenn noch solche Tagdiebe unter ihnen sind. Und immer noch schaut der Großteil dieser sauer u. ungenießbar gewordenen Crème auf die Eheleute herab u. glaubt, einer klerikal-elitären Auswahl anzugehören.”

      Fällt das kath. Zölibat, fällt auch die kath. Kirche.
      Man hat dort eine Heidenangst der evangelischen Kirche zu nahe zu kommen. Man würde beliebig und beliebig geht gar nicht. Da wackeln die Säulen der Macht.
      Aber mit Zölibat sieht es genauso düster aus – was tun ?
      Die Quadratur des Kreises.
      Bin gespannt was man sich einfallen lässt.

  10. In einer Zeit, nämlich im Mittelalter, wo die Thronfolge und Adelstitel erblich waren, sollte wohl durch das Zölibat verhindert werden, dass Priester heiraten und Kinder bekommen und das Priesteramt ebenfalls erblich wurde. Denn dann hätte ja nicht mehr die apostolische Sukzession, also die apostolische Nachfolge bestanden. D.h. die Benennung des Nachfolgers durch den vorherigen Amtsinhaber bis zurück zu den Aposteln. Und das wollte die Kirche unbedingt verhindern. Außerdem wären dann die Pfründe der Kirche in Privatbesitz gekommen und hätten nicht mehr die Kirche gehört.

  11. 1Tim 4-5: “Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; 5 denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.”
    Es ist also nicht die vom Schöpfergott geschaffene Sexualität böse, sondern diejenigen sind böse, die die vom Schöpfergott geschaffene Sexualität verteufelt haben. Ohne Sexualität keine Menschheit, beziehungsweise die Menschheit würde ohne Sexualität aussterben. Ich persönlich kenne noch die Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche aus den fünfziger und sechziger Jahren. Sie hat mir sehr, sehr geschadet, und das ist sehr untertrieben ausgedrückt. Es gibt natürlich böse Ausprägungen der Sexualität, wie zum Beispiel Vergewaltigung und Sex mit Kindern, aber insgesamt ist die Sexualität etwas Gutes, denn wie gesagt, ohne Sexualität keine Menschheit.

  12. Ich verstehe Ihren Ausreißer zu den Nazis nicht. Was haben die mit dem von mir behandelten Thema zu tun? Einem biblischen wie kirchlich-pastoralen u. kirchenhistorischen Thema. Lassen Sie bitte die Nazis aus dem Spiel, mit denen ich nichts zu tun haben will; lassen Sie bitte auch die deutsche aktuelle Politik außen vor, die eben sowenig mit dem von mir vorgestellten Thema etwas zu schaffen hat.

    Zu Ihrem genannten Psalm: er ist wunderbar. Aber es geht darin um den “Hüter Israels.” Der nun auch nichts mit den Themen Zölibat und Ehe in der Kirche zu tun hat.
    Dr. Juliana Bauer

  13. Im der 1sten Ephistel des Paulus an Timotheus 4:3 steht ja eindeutig, was zu halten ist, von denen, die die Ehe verbieten. Klare Angaben auch fuer das Amt des Bischoffs: Ehemann einer Frau…. Kann man Alles nachlesen.
    Paulus war Jude, unsere ganze westliche Kultur basiert auf judeo-christlichen Wurzeln.
    Ich will nicht weiter auf das Zoellibat eingehen, ist nicht mein Fach. Aber jeder Christ kann in der Bibel lesen, dass die Verfehlungen der unverheiratenten Maenner im Kirchenamt nicht geplant waren. Der alte Witz, die Abwandlung eines Knuettelverses lautete ja, wer friert sogar im dicksten Rock, der Saeufer und der Herr Kaplan (……..bock).
    Es ist nicht zum Lachen, wenn junge Maenner, die sich fuer ein Kirchenamt entschieden haben, nicht wissen wohin mit Ihrer Sexualitaet
    Nochmal zurueckzukommen auf die Nationalsozialisten, im ganzen Dritten Reich war offensichtlich niemand, der den Entscheidungstraegern den Psalm 121 nahegebracht hat.
    Im Gegensatz zu heute, wollten die Nazis, alles Gute nur fuer Deutsche. Man gewinnt den Eindruck, dass die Polit-Kamarilla jetzt alles Gute nur fuer Fremde und natuerlich fuer sich selber bewirken will.

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