Michael van Laack

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner von Salzburg, und der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl sind am Dienstag in die Ukraine gereist. In der Tat darf die Frage nach dem Nutzen dieser Reise gestellt werden.

Auf der anderen Seite summieren sich viele kleine Zeichen der Solidarität mit dem von russischen Raketen und Panzern geschundenen Land zu einem großen Zeichen. Deshalb sehe ich in diesem Besuch weder ein Ereignis von historischer Bedeutung noch eine komplett überflüssige Aktion.

Erst recht nicht ein falsches bis verheerendes Signal, wie ein “Leser” der katholischen Zeitung “Tagespost” zu deren gestrigem Artikel “Österreichs Kirche ist solidarisch mit der Ukraine“, der über den bischöflichen Besuch berichtete, auf Facebook zum Besten gab:

Aus dem Framing-Handbuch für russische Propaganda

Die wenigen medienschaffenden Putinlover im deutschprachigen Raum zeigten sich von diesen faktenfeindlichen Ausführungen wie erwartbar äußerst angetan und berichteten auf ihren Seiten entsprechend wohlwollend. Tatsächlich aber ist dieser Leserbeitrag ein herausragendes Beispiel dafür, wie russische Propaganda auch in unserem Land funktioniert. Der “Leser” beschreibt die Situation so, als sei die Ukraine in den Krieg gezogen. Deren Regierung sehe “die militärische Auseinandersetzung als gangbaren Weg“. Kein Wort davon, wer der Aggressor ist und welchen Schaden er bereits angerichtet hat.

Die angeblichen Werte des Westens verteidigt jetzt der Osten

Zudem gäbe es keine westlichen Werte mehr zu verteidigen, beklagt der “Leser”. Diese seien mit dem Recht auf Abtreibung und der Dominanz der LGBTIQ-Community im Verein mit den radikalen Feminstinnen untergegangen. Bei aller berechtigter Kritik am Genderwahn und der Tötung Ungeborener wird auch hier ganz im Sinn Putins der Versuch unternommen, der westlichen Staatengemeinschaft das Recht abzusprechen, territoriale Unverletzlichkeit als Grundwert zu verteidgen, weil sie in anderen Bereichen moralisch verkommen ist.

Eine Karte, die Putins Helferlein immer gern spielen. Russland stehe moralisch weitaus höher als Westeuropa, verteidige fast im Alleingang die christlichen Werte und habe deshalb nicht nur das Recht sondern regelrecht die Pflicht, den verkommenen Westen zu bekämpfen und seine Vasallenstaaten (wie die Ukraine) zu zerstören.

Vom Mörder zum Lebensschützer?

Zum Schluss dann das widerlichste aller Argumente: Liebe Ukrainer, ihr müsst nicht sterben. Wir Russen töten euch, Eure Alten, Frauen und Kinder nur so lange, bis ihr euch ergebt. Deshalb wäre die Kapitulation die klügste Handlung. Zwar geht dadurch die Ukraine als Staat und die ukrainische Identität verloren, aber zigtausende Leben könnten gerettet werden. Mit diesem Argument wird der Mörder in einen Lebensschützer verwandelt.

Solcherlei lesen wir in diesen Tagen hundertfach bei all denen, die gemütlich mit Bier und Grillwürstchen über den Frieden und Wohlstand in der Welt philosophierend ein Volk zur Aufgabe seiner Identität veranlassen wollen und auch dazu, sich einem faschistischen Diktator auszuliefern. Aber wehe jemand zwingt diese Leute in einem Zug oder Geschäft dazu, eine FFP2-Maske zu tragen: dann ist das Ende der Freiheit im eigenen Land schon nahe und Ängste vor der unheilbaren Zerstörung jeglicher demokratischer Struktur brechen sich Bahn.

Ihr Heuchler!

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