Peter Helmes

Der weltbekannte und von radikalen Moslems verfolgte Schriftsteller Salman Rushdie war am Freitagvormittag (12.8.) bei einer Veranstaltung in Chautauqua im Westen New Yorks mit einem Messer attackiert worden. Wenige Minuten zuvor hatte er die Bühne betreten, um über verfolgte Künstler zu sprechen.

Der 75-Jährige wurde in einem Krankenhaus operiert und an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden. Er werde wahrscheinlich ein Auge verlieren, teilte sein Agent Wylie am Freitagabend der „New York Times“ mit. Außerdem seien Nervenstränge in seinem Arm durchtrennt und seine Leber beschädigt worden.

Rushdie wird seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt. Wegen seines Werks “Die satanischen Verse“ aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini mit einer „Fatwa“ zur Tötung des Autors aufgefordert. Er warf Rushdie vor, in seinem Roman den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt zu haben.

Weltweite Verurteilung des Angriffs auf Rushdie

In dem Buch kommt unter anderem eine Figur vor, die dem Propheten Mohammed ähnelt. Die Kritik lautet, daß Rushdie den göttlichen Ursprung des Koran in Frage stellte. Auf das Todesurteil folgten damals eine dramatische Flucht Rushdies und jahrelanges Verstecken. Seit mehr als 20 Jahren lebt er nun in New York.

Zahlreiche Politiker verurteilten die Gewalttat gegen Rushdie und betonten die Bedeutung von Grundrechten und Meinungsfreiheit. Der Angriff auf Salman Rushdie mitten im Herzen der freien Welt hat gezeigt, daß Fanatiker keine Verjährung akzeptieren. Es ist mittlerweile 34 Jahre her, daß Rushdie sein Buch ‚Die Satanischen Verse‘ veröffentlichte. Es wurde im Islam umgehend als Blasphemie gebrandmarkt, und Autor und Buch wurden Ziele öffentlicher Proteste – nicht nur in überwiegend muslimischen Ländern.

Elefanten vergessen nie – Ayatollahs auch nicht!

Ajatollah Chomeini verkündete vom Iran aus die Fatwa gegen Rushdie, der daraufhin gezwungen war, unter falscher Identität ein Leben auf der Flucht zu führen. 34 Jahre nach Erscheinen des Buchs ist der Anschlag auf Rushdie eine Warnung vor fanatischer Besessenheit. Der Dschihaddismus will die freie demokratische Welt destabilisieren und nutzt dazu ihre Toleranz für seine Zwecke aus.

In unserem internetbesessenen Zeitalter beherrschen Bilder die Massenkommunikation. Aber Worte bleiben unübertroffen, wenn es darum geht, Ideen hervorzubringen und zu vermitteln. Schriftsteller wie Salman Rushdie, die die Gabe haben, diese Vorstellungen mit künstlerischem Einfallsreichtum voranzutreiben, sind sich dieser Tatsache nur allzu bewußt.

Das Messer wird zum Werkzeug permanenten Zivilisationsbruchs

Aber das wissen auch ihre Gegner: diejenigen, die sie zum Schweigen bringen, sie ausschalten, auslöschen, umbringen wollen. Die größte Ehrerbietung, die Rushdies zahlreiche Anhänger ihm erweisen können, besteht darin, auf der Redefreiheit zu beharren, die seine Feder beflügelt hat. Sie sollten das Recht verteidigen, anderer Meinung zu sein, die Freiheit zu unterstützen, zu widersprechen und den Austausch von Ideen zu feiern.

Meinungsfreiheit, Menschenrechte, Toleranz – das sind unteilbare Werte, für die sich auch Salman Rushdie vehement einsetzte. Doch dieser Einsatz kann gefährlich und teuer werden: Der Anschlag auf Rushdie ist ein bewußter Zivilisationsbruch; wieder einmal ausgeübt mit einem Messer, das längst zum Standardmordwerkzeug islamistischer Gewalttäter geworden ist.

Die versuchte Exekution eines „Häretikers“

Eine Zeit lang schien es schon, als lasse die Angst vor der gegen Rushdie verhängten Fatwa allmählich nach. Zwar hatte sich der Iran nach langen Verhandlungen mit Großbritannien bereit erklärt, nicht gegen den in Indien geborenen Autor vorzugehen, doch offiziell zurückgenommen wurde die Fatwa, der übrigens viele islamische Staaten widersprachen, nie. So mußte Rushdie trotzdem im Verborgenen und mit Personenschutz leben, und der gegen ihn gerichtete Terror zog auch andere in Mitleidenschaft. Es klebt also nicht nur Blut an den Händen des Attentäters, sondern auch an denen des iranischen Regimes.

Jede Fatwa ist tödlicher als Gift

Dazu „paßt“ die Hetze iranischer Medien, die sofort nach Bekanntwerden des Attentats gegen den Schriftsteller neu entfacht wurde, und die klarmacht, worum es tatsächlich geht:die versuchte Exekution eines „Häretikers“. Iranische Zeitungen verhöhnen das Opfer mit triumphalem Tonfall als „Satan“ sowie „Feind Gottes“ und feiern den Täter. Mit der Fatwa gegen den Schriftsteller benutzt die iranische Führung ein Herrschaftsmittel, das typisch für Diktaturen ist: Der Haß gegen einen äußeren Feind lenkt von eigenem Versagen, von Korruption und Unfähigkeit ab. Für die Führung in Teheran scheint dieser Anschlag ein Propagandaerfolg zur rechten Zeit zu sein.

Der von den Ajatollahs gesäte Haß sitzt tief – und wirkt bis in die nächste Generation.  Denn offensichtlich ein Nachgeborener versuchte, den Aufruf des bösen alten Mannes Chomeini  vor 33 Jahren umzusetzen. Der mutmaßliche Täter Hadi Matar ist erst 24 Jahre alt. Als er zur Welt kam, war jener Ayatollah Chomeini schon bald ein Jahrzehnt tot. Das heißt, das Gift der Fatwa von 1989 wirkt weiter; denn es ist schwer vorstellbar, daß Chomeinis damaliger Aufruf an Muslime, Rushdie, gleich wo sie ihn finden, schnell zu töten, damit „nie wieder jemand wagt, die Heiligen des Islam zu beleidigen“, nur im Kopf eines einzigen fortlebt. Die Bilder, die den Jubel im Iran nach dem Attentat zeigen, sprechen eine eindeutige Sprache, selbst wenn es sich um mediale Inszenierungen handelt.

Das Attentat zeigt wieder einmal, daß mit dem Bekenntnis zu Allah oft eine radikale Seite verbunden ist, die vor Gewalt und Terror nicht zurückschreckt. Will heißen: Die Rushdies unserer Zeit benötigen unsere Solidarität genauso wie die verfolgten und gequälten Christen weltweit.

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Von conservo

Conservo-Redaktion