Sehnsucht hat mich ergriffen, die Sehnsucht nach Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr. Ein Traum! Wieder aufgewacht, muss ich kurz nachdenken: Ich stelle mir vor, die Fluglärmgegner setzten sich durch, und in der Republik würden alle Verkehrssysteme gleich behandelt. Wäre ja nur gerecht!

Und so wäre dann z. B. mit dem Eisenbahnverkehr ab 22 Uhr Schluss, und die Menschen mit Frühschicht würden mit dem 6-Uhr-Zug ihren Arbeitsplatz nicht erreichen. Gleichbehandlung für alle Verkehrsteilnehmer hieße auch, dass natürlich Autobahnen und Bundesstraßen dem gleichen Gesetz unterlägen. Nachtstopp von 22-6 Uhr!

Eine Insel der Glückseligen.

Die Forderung müsste konsequent weiter umgesetzt und das öffentliche Leben dann   natürlich so ausgerichtet werden, dass die letzte Straßenbahn um 22 Uhr im Depot die Lichter ausmacht – von wegen der Nachtruhe. Aber reichte das dem Straßenlärmgeplagten am Friedberger Platz oder in der Berliner Straße in Frankfurt? Nein; denn auch er hat sein Recht. Also, ab 22 Uhr Fahrverbot für PKW!  Dann könnten Polizei, Feuerwehr und die Rettungsdienste ohne Martinshorn durch die Stadt brausen.

Was bleibt da noch? Ach ja, der Fernseher bringt mich um die verdiente Nachtruhe. Also auch hier: Ab 22 Uhr Schluss mit dem Programm. Das Läuten der Kirchenglocken ist eh schon in vielen Orten abgesagt. Also ab sofort kein Geläut mehr in der Nacht, auch kein „Totenglöcklein“! Ach ja, Hundebellen und Hühner-Krähen werden gesetzlich reguliert und auf eine Obergrenze von 20 Dezibel festgelegt. Bleibt nur noch ein Krachmacher: Gewitter mit Blitz und Donner werden für die Zeit der Kernnacht verboten. Einzelheiten werden mit den himmlischen Gesandten auf Erden abgesprochen. Ihre Einsatzbereitschaft haben die Kirchen ja schon bei den Anti-Lärm-Demonstrationen bewiesen.

Diese totale Nachtruhe hätte einen super Nebeneffekt: Endlich würde der Flugverkehr weiter eingeschränkt. Anreise und Sicherheitskontrollen bewirkten, dass der erste Flieger erst ab 8 Uhr starten dürfte. Und da niemand auf den unbequemen Bänken der FRA übernachten will, sollte er spätestens um 20 Uhr den Flieger verlassen, nach Hause fahren oder ein Hotel aufsuchen.

Einfach himmlisch, diese Nachtruhe! Denn nun hat der gut versorgte Pensionär der Deutschen Bank, ehemals Vielflieger und Besitzer einer LH-Senator-Ehrenkarte, endlich sein Ziel erreicht und Ruhe auf dem Lerchesberg. Ein Hoch dem deutschen Michel mit der Zipfelmütze!

Liebe Leser, Ich wünsche uns mehr Nachdenklichkeit. Gute Nacht!

Von conservo

Conservo-Redaktion