Inge Steinmetz und die „abgehängten“ Menschen und Bauten…

 (www.conservo.wordpress.com)

Von Inge Steinmetz

Hallo Frau Bundeskanzlerin, ich bin blond, will auch nicht immer nerven mit Fragen, aber wie wär`s mal mit einer kleinen Pause, einem In-Sich-Gehen?

Es ging Ihnen bestimmt genauso wie vielen von uns, nach der Bundestagswahl war die Luft raus, für mich Zeit für ein kleines Päuschen. Ich weiß, Sie waren mit dem Ergebnis der Wahl sehr zufrieden, Ihr Ziel, also wieder Kanzlerin zu werden, das war erreicht und somit haben Sie wohl wieder mal alles richtig gemacht. Wen interessiert es schon, dass es das schlechteste Ergebnis der CDU seit 1949 ist? Mit Ihnen und Ihrer Politik hat das nichts zu tun, es war die Schuld der Wähler, die dachten, dass Sie ja sowieso gewinnen und die deshalb – mal so zum Spaß – kleinere Parteien unterstützten.

Ich war mit der Wahl nicht zufrieden, bei mir war der Frust über die, die sich NICHT an diesem Spaß beteiligt haben so groß, dass ich mir vorgenommen habe ins Kloster zu gehen. Vor ein paar Tagen also hinter dicken Mauern verschwunden, ganz allein. Ruhe, Frieden, abgeschieden von all dem Wahnsinn. Eigentlich passe ich nicht an einen so christlichen Ort, ich bete ja nicht mal. Wenn beten etwas helfen würde, dann würde nicht so viel Schreckliches auf der Welt geschehen. Also kann man es auch sein lassen. Meine Devise! Und wenn da oben wirklich jemand ist, der etwas ändern kann, warum lässt er – schon von Geburt eines Menschen an – so viel Ungerechtigkeit zu?Ich hab es mir also gemütlich gemacht, mir vorgenommen viel zu schlafen und mich mal als Nonne zu fühlen. Leider hing in meinem kleinen Zimmer nicht – wie gehofft – eine Schwesterntracht, und ohne die kommt man nicht richtig in eine überirdische Stimmung. Ich habe es also nicht lange hinter den dicken Mauern ausgehalten und musste raus.

Habe mir Quedlinburg angesehen. Eine geschichtsträchtige Stadt in Sachen-Anhalt. Wunderschöne alte Bauten, liebevoll restauriert, unheimlich viele Touristen, für mich zu viele. Am nächsten Tag Wernigerode. Keinen Parkplatz bekommen (wirklich nirgendwo!!!), noch mehr Touristenrummel, es war ja auch Feiertag/Reformationstag, nichts wie weg! Und dann kam mir die spontane Idee, dass ich nach unbekannten Städtchen schaue, und bei dem nächsten braunen Schild „historische Altstadt“ einfach abfahre. Gut, dass Ihnen das nicht passieren kann. Sie fahren ja bestimmt – wie wir Wessis damals in der DDR oder Ost-Berlin – nur auf vorgeschriebenen Strecken, die Ihnen vorgaukeln, dass hier alles in Ordnung sei!

Also nur ein paar Kilometer von diesen zwei wunderschönen Städten Quedlinburg und Wernigerode entfernt, da sieht die Welt noch ganz anders aus. Herrliche alte Bauten, die vor sich hin rotten, die Städte sind verwaist, nur ab und an eine alte Frau mit Hund oder Rollator auf der Straße, das war`s!!!

Bin also ausgestiegen, habe Fotos von den alten Gemäuern gemacht, damit SIE mir glauben, denn Sie behaupten doch immer, dass Deutschland ein REICHES Land sei. Beim Fotografieren komme ich ins Gespräch mit einem Anlieger, sage, was für eine Schande es ist, dass für alles Geld da ist, aber nicht für die Förderung von privatem Wohnungseigentum, so wie ich es noch aus meiner Jugend kannte. So könnte man die schönen Bauten restaurieren und Leben in die Städte bringen. Auch die Grunderwerbsteuer macht restaurierungswilligen Häusle-Erwerbern das Leben unnötig schwer! Der gute Mann meinte, dass das Geld leider nur in größere Städte gesteckt wird, dort blüht dann das Geschäft UND außerdem sei – durch das Zusammenlegen der Gemeinden, einige davon hochverschuldet – kein Geld da, schließlich müssten die anderen Gemeinden nun die Schulden derjenigen mittragen, die vorher über ihre Verhältnisse gelebt hätten. WARUM musste ich in diesem Moment an Griechenland denken??? Keine Ahnung!!!

Ich hab drauflos gewettert, dass man die zig Milliarden, die in unsinnige Politik gesteckt werden, lieber mal in Förderprogramme für Wohnungsbau stecken solle, damit die schönen Gebäude gerettet werden. Der Anlieger meint: „Die Leute hier haben hier oft keine Arbeit!“ Es ist wirklich zum Verzweifeln, da könnten diese wunderschönen Gebäude gerettet werden, dabei würden Arbeitsplätze entstehen und diese alten Orte würden endlich wieder – auch mit jüngeren Leuten – zum Leben erweckt werden, aber irgendwie scheint die Politik nicht auf die Idee zu kommen, dass das alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Ob es daran liegt, dass Politiker vom rechten Weg abgekommen sind? Also die falschen Wege benutzen und nicht mehr mitbekommen, was hier abgeht?

Vielleicht sollten Sie auch mal ein paar Tage durch die Gegend fahren, ohne Chauffeur, ohne Bodyguard, hier im Osten, wo die Menschen – wie sagen die Medien so schön? – sich abgehängt fühlen. Und ein paar Tage im Kloster würden Ihnen auch nicht schaden! Zeit, sich mal Gedanken zu machen, was hier im Land schief läuft, was man ganz leicht ändern könnte und hinter den dicken Mauern würde vielleicht – bei innerer Einkehr – auch ein bisschen Selbstkritik hochkommen! Aber ach, wem sage ich das!!!

(Original: https://www.facebook.com/inge.steinmetz.54/posts/1834509826576424)

www.conservo.wordpress.com   3.11.2017

2 Kommentare

  1. “meine Stadt” hat sich verändert: Richtung Gigantismus. Elb- viel- “Harmonie”? Die Stadt, in welcher demnächst der “Mobilitäts-Kongress” ausgerichtet wird. Dass ich nicht lache! In der Stadt der BELASTENDEN Baustellen und meisten Staus Deutschlands, der temprär längsten Arbeitswege und schlechtesten Radfahrerbedingungen. Der teuersten (oder nicht vorhandenen resp. vergammelnden ) Wohnungen sowieso. (siehe Panorama 3, NDR) Dafür massenweise durch die Straßen ziehende und grölende Touris und deren Müll…. sowie der angelockten Obdachlosen unter den Brücken anderer Herren Länder. Was die einen zu viel haben, haben die anderen zu wenig.

    1. BTW:
      in den 70er Jahren war ich gern in HH unterwegs: WOW! Ein Tor zur Welt! (aber eben nur ein Tor, wie Lagerfeld konstatierte)
      Großzügig, offen, tolerant, hip :- ) Flowerpower und Peace, Interrail im Hinterkopf. Aber höchstens Folklorerock und Cowboystiefel in realita.
      Ich war noch niemals in New York.
      Neulich lag eine fette tote Kanalratte mitten auf dem Radweg….
      Habe die letzten Jahre Strom gespart, Licht ausgemacht, nichts weggeworfen, Heizung runter, kein Wasser verschwendet usw.. Zwieback, Toast und Pommes….statt “gesunde Ernährung”, geschw. denn Naturkost…,. Der teuerste Fisch: Gefrier von L. Klamotten? Alte werden aufgetragen. Neu: höchstens mal ein Cappu im Cafe! Freiheit :-)! Nix Kino, nix Amusement. Und zwar: im Westen! Wohnen im Renovierungsstau. Und der Großteil meines Lebens war kontemplativ genug, da brauche ich in kein Kloster reisen. 5 “Ratten”-Kinder, 5 EFH bis 18….alles ohne soziales Netz (Kita) oder Hängematte! und dann: nächste Runde.
      Versuch macht kluch. Habe nun die “alternativen” Ladies meines Alters getroffen in den verschiedensten Zirkeln ( Kreisen) . Altfeministisch, Karriere and so on. Etiketten bis lesbisch in der Kirche. Und wie sie sich übertrumpfen! Alleinerziehend oder Golf? NEIN DANKE! Meine Freunde?
      Manchmal sehnt man sich nach der “Leere des Ostens” :- ) ; aber wohl kaum nach “sozialistischer Verbundenheit”.

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