Van der Bellen, Nasreddin Hodscha und der Antisemitismus

(www.conservo.wordpress.com)

Von ARMIN LANGROUDI *)

Wenn man im Orient die Geschichten von Nasreddin Hodscha zu erzählen beginnt, weiß jeder, dass es sich dabei um eine Satire auf ein absurdes Tagesereignis handelt. Mit der Erwähnung des Namens dieser orientalischen Figur ist klar, was nun folgt. Dass ich immer wieder an Hodscha denken muss, wenn ich den österreichischen Bundespräsidenten reden höre, hat mit zwei Faktoren zu tun: mit meiner Abstammung und dem Inhalt seiner Botschaften.

So war es auch, als die jüngsten Ereignisse in Österreich mit «Antisemitismus» und «Vergangenheitsbewältigung« in Zusammenhang gebracht wurden. Nun denn: Eines Tages kommt ein Nachbar zu Nasreddin Hodscha und bittet ihn um seinen Esel. »Ich will in die Stadt reiten. Dafür möchte ich mir deinen Esel ausborgen.« «Du kannst nicht auf meinem Esel reiten»! antwortet Hodscha. »Warum nicht?« fragt der Nachbar.. »Weil mein Esel schwarz ist!« erwiderte Hodscha. «Was hat denn die Farbe deines Esels mit meiner Reitkunst zu tun?“ fragt der verwirrte Nachbar. »Für dich, der meinen Esel haben möchte, nichts, aber für mich, der ich meinen Esel nicht hergeben möchte, viel!« antwortet Hodscha.Im Verlauf der niederösterreichischen Wahlen im Januar 2018 hat eine Wiener Stadtzeitschrift entdeckt, dass der FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer als stellvertretender Vorsitzender eines Burschenschaftsvereins namens »Germania zu Wiener Neustadt« amtiert. Diese Entdeckung allein wäre noch nicht aufregend gewesen, wenn sie nicht durch das folgende Zitat aus einem Liederbuch dieses Vereins – dessen Illustration übrigens aus der Feder eines österreichischen Sozialdemokraten stammt – ins Anrüchige gedriftet wäre: »Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.«

Die »österreichische Geschichtsaufarbeitung» hat – wie schon der Begriff besagt – einen geschichtlichen und einen österreichischen Aspekt. Aber sie vollzieht sich nur unter stillschweigenden Voraussetzungen. Natürlich kann in einem Land, in dem es ein Verbots- und Wiederbetätigungs-Gesetz für NS-Gedankengut gibt, der stellvertretende Vorsitzende einer Burschenschaft nicht als Spitzenkandidat einer politischen Partei in einer Landtagswahl geduldet werden. Nach der Aufdeckung dieses Skandals und ihrer sensationell passenden Merkmale begann eine Mobilisierung aller österreichischen Medien, die alle weiteren Weltgeschehnisse sechs Wochen lang ins Abseits stellte. Bis zum Zeitpunkt des Rücktritts des FPÖ-Kandidaten war nichts wichtiger als das.

Der Höhepunkt dieses Spektakels war aber die Stellungnahme des österreichischen Bundespräsidenten, als er predigend zur Ablösung von Herrn Landbauer aufrief und dies mit der Entschlossenheit, den «Antisemitismus im Keim zu ersticken,» begründete. Diese Verlautbarung verließ die Sphäre der politischen Auseinandersetzung und gewann den Charakter einer rechtsgutachtlichen Fatwa. Man hat die Affäre Landbauer natürlich im Sinne des Präsidenten beenden wollen, im Sinne der Antisemitismusbekämpfung! Natürlich liegt dem ehemaligen Politiker der Grünen und jetzigem unabhängigem Bundespräsidenten die Bekämpfung des Antisemitismus in Österreich am Herzen.

So hatte er auch im Oktober letztes Jahres beim Empfang einiger vertriebener jüdischer Ex-Österreicher/innen betont:

»Ich versichere Ihnen: Wir leben heute in einem anderen, einem demokratischen, sozial und  politisch stabilen Österreich. Einem Österreich, in dem es absolut keinen Platz und keine Toleranz für Antisemitismus gibt.«

Hier und heute reitet Van der Bellen auf dem weißen Esel gegen die „rechte“ Szene. Erwartet man aber von ihm dieselbe Entschlossenheit hinsichtlich des islamischen Antisemitismus, basierend auf heiligen Schriften, in denen die Judenfeindschaft geradezu als Gottesgebot erscheint, dann wird der Esel schwarz, und der Präsident kann nicht auf ihm reiten. Warum er dieselbe «Vergangenheitsbewältigung« nicht auch den islamischen Verbänden in Österreich abfordert und von ihnen nicht verlangt, in ihren Statuten den islamischen Glauben entsprechend auszudeuten, hat mit den oben erwähnten stillschweigenden Voraussetzungen zu tun: Die Muslime sind ausschließlich Migranten, und gegen Migranten redet ein Präsident mit einer grünen Vergangenheit nicht.

Antisemitismus scheint für den österreichischen Bundespräsidenten ein Esel zu sein, auf dem er je nach Farbe seiner Adressaten reiten möchte oder auch nicht. Er muss wahrscheinlich noch einmal die vertriebenen jüdischen Ex-Österreicher/innen zu sich rufen und ihnen erklären, warum der eine «Antisemitismus« ein verbrecherischer nationalsozialistischer Akt ist und der andere zu tolerieren ist. Diese Doppelmoral zeigt sich bei ihm in einem anderen Zusammenhang noch deutlicher: In einer in Österreich geführten Kopftuchdiskussion überraschte Van der Bellen alle vernünftigen Bürger/innen mit der Aussage: «Wir werden alle Frauen bitten müssen, aus Solidarität (mit muslimischen Frauen!) ein Kopftuch zu tragen.» (Die Presse, 26.04.2017)

Dass er mit dieser Aussage den Widerstand der mutigen Frauen im Iran, in Saudi-Arabien und in anderen islamischen Ländern verhöhnt, die unter dem Einsatz ihres Lebens und schweren Repressalien zum Trotz für eine Freiheitsbrise in ihren vom Kopftuch befreiten Haaren kämpfen, fällt ihm nicht auf. Würde er auch einmal auf die Idee kommen, die «freiwilligen» Kopftuchträgerinnen in Österreich aufzufordern, aus demselben Solidaritätsgrund, zur Unterstützung der zum Zwangsschleier verdammten Frauen für einige Stunden öffentlich das Kopftuch abzulegen? Dieser Esel ist zu schwarz für ihn! Und der Antisemitismus, den er zu bekämpfen scheint, ist offensichtlich nichts anderes als eine Windmühle, gegen die er nur auf einem weißen Esel anreiten kann.

Van der Bellen ist scheinbar der Meinung, dass Integration nur gelingen kann, wenn die Europäer sich den Migranten anzupassen lernen. Aber mit dieser Vorstellung kommt er seinem Ziel nicht näher. Auf diesem Terrain kommt er bekanntlich zu «kurz«, und wo er zu kurz kommt, kommt danach der «Kurz«.

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*) Armin Langroudi (iranische Herkunft) ist Autor und Publizist im Feld der frühen christlichen und islamischen Geschichte. Viele Veröffentlichungen von Herrn Langroudi in deutscher und persischer Sprache findet man auf https://independent.academia.edu/ArminLangroudi
www.conservo.wordpress.com          26.01.2020

3 Kommentare

  1. Die linksgrünen Gutmenschen haben schon immer mit Doppelmoral gearbeitet. Außerdem sind sie die schlimmsten Rassisten überhaupt, weil sie sogar gegen die eigene Gemeinschaft arbeiten. Für sie hat die eigene Gemeinschaft keine Menschenrechte, sondern höchstens die Rechte einer ausgequetschten Zitrone, also Zitronenrechte. Sie machen aus der christlichen Nächstenliebe, aus der Liebe zum Nächsten, zur eigenen Gemeinschaft die Versklavung des Nächsten. Für Fremde, die offensichtlich unfähig sind, sich selbst zu Hause in ihrem eigenen Land ein gutes Land aufzubauen und hier in Deutschland oder Österreich sich ins gemachte Nest setzen.
    Die Sklaverei am eigenen Volk, an der eigenen Gemeinschaft, die für alle Bürger dieser Erde gezwungen werden, ein gutes Land aufzubauen, das ist der eigentliche Rassismus.

  2. Es hat sich in ganz Europa durchgesetzt, am Islam null Kritik zu üben.
    Van der Bellen ist ein Grüner und Kurz ist genauso grün wie er. Kurz ist ein Blender und er hat sein Ziel erreicht und er fühlt sich als Sieger und die Grünen werden aus dieser Koalition eher gestärkt rausgehen.
    Jeder Aufrechte weiß, dass die Grünen überall in Europa hinter dem Islam herlaufen, wie einst ein gewisser Ad… aus Österreich, dem hat auch die ganze islamische Unterdrückung sehr gefallen, das lag dem auch viel näher als die Demokratie.

  3. …und immer, bitteschön, vor Augen halten…
    Der Autor ist Iraner, ist höchstwahrscheinlich von muslimischen Lehren umgeben aufgewachsen.
    Ich weise scharf darauf hin nicht deswegen, weil auf diesem Blog etwa irgendwelcher Extremismus zu riechen wäre, sondern ich weise darauf hin, weil wir alle, mich eingeschlossen, Verallgemeinerungen als Instrument der Verblödung und Fanatisierung erkennen und meiden sollen.
    Beispiel. Wer ist Autor von “Tell the trouth and shame the devil”, darin ein gewisses Ereignis in Deutschland, es geht um sechs Millionen, sauber geklärt dargestellt wird? Er ist jüdischer Abstammung und heisst Menuhin, Sohn des berühmten Geigers.

    Ich ich muss schon sagen, immer und immer stösst es mir sauer auf, wenn mit Antisemitismus Antijudentum gemeint wird. Meines Wissens sind Jüdischstämmige keine Semiten, einige arabische Völker hingegen schon. Es gehört zum allgemeinen Wirrspiel.

    Ich betrachte dien Artikel des Armin Langroudi als Darlegung, darin persönliche Meinungsäusserung auf klarer Sicht beruht.

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