Parforceritt durch den Gemüsegarten: Anne Will: „Raus aus dem Corona-Stillstand – hat die Regierung hierfür den richtigen Plan“? (ARD, 03.05.20, 21:45 h)

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Kommentar von Hans-Rolf Vetter *)

Die Anne Will hat`s einfach drauf. Vorige Woche noch niedrig strukturierte mediale Einfaltskost, jetzt ein wahrer Parforceritt durch den system-deutschen Gemüsegarten. Die These so mancher Kritiker, Covid-19 greife bei entsprechender Vorerkrankung auch wesentliche Gehirnareale an, drängt sich da mehr und mehr auf und scheint sich zu verifizieren… Aber das wissen #wir, die wir dabei sind, eigentlich ja schon lange, und können insofern ganz beruhigt sein, dass sich daran auch nicht wirklich etwas ändern wird – zumindest nicht in den ÖRM.

Einen weiteren Beweis für die Wandlungsfähigkeit „system-relevanter“ Moderatorinnen lieferte am Sonntagabend insofern einmal mehr unser aller Medienliebling Anne. Hatte man bis dato des Öfteren den Eindruck, die nahezu beispiellose Komplexität der Corona-Thematik werde in der Reihe „Anne Will“ auch nicht nur annäherungsweise repräsentiert, so wurde diesmal ein wahres Feuerwerk an Themen abgeschossen, so dass es einem fast schon schwindelig wurde. Da war nun wirklich fast für jeden Geschmack bzw. für fast jede „Meinung“, für nahezu jedwede „Gesinnung und – heutzutage schon essentiell – für nahezu jedwedes persönliche Gefühl etwas dabei. Ausgenommen selbstverständlich die 40 Prozent „Neonazis“ in unserer Bevölkerung, die sich für wirklich relevante Themen interessieren wie z.B. für die Frage, wie es wirtschaftlich etwa in einem Jahr aussehen dürfte oder ob die Steuerlasten bald explodieren werden. Aber die Ausschaltung derartig nutzloser Fragen versteht sich für die ÖRM und ihre gleichgeschalteten Freunde von der „freien“ Presse (etwa für „Der Westen“, siehe dazu später) zum Glück von selbst.

Wichtig ist vielmehr, dass aus der Pippi-Langstrumpf-Mal-und-Spielecke für Erwachsene die üblichen „Haltungsphrasen“ an den kunterbunten Himmel öffentlich-rechtlicher Massenbeschallung gezaubert wurden.

Und so reicht das Themenspektrum von diesem üblen grün-braunen, äh braun-grünen Boris aus Tübingen über Feminismus und den hässlichen Kapitalismus bis hin zur wunderbaren Weisheit unserer aller Regierenden in Bund und Ländern und die Wiederbelebung des Klimawandels – jaja, letzterer lässt sich doch durch einen klitzekleines Corona-Virus nicht aufhalten. Kurz, es war nahezu alles dabei, was dieses Land seit Jahren bewegt und als Pflänzchen des öffentlichen Diskurses wieder und wieder thematisch sorgsam eingehegt und „kultiviert“ wird. Lediglich die Flüchtlingskrise, die ja in Wahrheit eine Migrationskrise darstellt, blieb da außen vor.

Aber saubere, differenzierte Kategorienbildung und Wirklichkeitsbeschreibung war noch nie das Ding von den ÖRM, und außerdem zeigt hier die ARD, dass sie durchaus lernfähig ist, wenn sie denn „will“. Mit anderen Worten: Im Moment wird es vom öffentlich-rechtlichen Framing-Ansatz her betrachtet offenbar für wenig opportun gehalten, angesichts der Repressionen und des Elends, die sich im Schatten von Covid-19 im Alltag von System-Deutschland etabliert haben, über solche irritierenden weiteren Problematiken ernsthaft diskutieren zu sollen. Womöglich würden da auch noch schlafende Hunde geweckt. Außerdem: mit dem allmählichen Ende des Shutdowns wird der Krisenimport für das Weltsozialamt ohnehin bald wieder ungestört weiter laufen. Also lieber einfach mal die Klappe halten und die Problematik aussitzen!

Nun denn: Da traf sich also am Abend des 3. Mai eine allseits bekannte „illustre“ Runde aus den „Elite-Sphären“ der vermerkelten Berliner Republik. Was wiederum heißt, dass zum einen nur Repräsentanten der seit 2015 etablierten üblichen 55-Prozent-Blockparteinen-Gesellschaft und ihrer Statthalter in Wissenschaft und Lobbyverbänden eingeladen worden waren –endlich auch wieder unter Einschluss der Oppositionsdarsteller, den Grüninnen, die faktisch, wie bekannt, längst zu den übereifrigen Mitkoalitionären der GroKo Plus aufgestiegen sind. Zum anderen, dass dadurch von vornherein sichergestellt war, dass da keine ernsthafte Kritik bei welchem Thema bzw. Gemüsepflänzchen auch immer die neue Systemkohäsion nach dem Merkel-Motto „Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch systemdeutsche Mitläuferinnen“ den netten Verlauf des „Showdowns“ zum „Shutdown“ hätte irritieren können. Tja man hat bei den ÖRM in Webinaren inzwischen viel von „Russia Today“ und „China Today“ gelernt und frau muss sich auch deshalb nicht mehr schämen, wenn sie mit dem Brustton der Überzeugung für das Grundrecht auf objektive Berichterstattung und freie Meinungsäußerung eintritt; und dabei auch noch vorgibt, die beiden eigentlichen Vorbilder des eigenen Formats zu „bekämpfen“, ohne selbst dabei rot zu werden. Denn Framing und Camouflage must go on!

Die Hauptdarsteller:

  • Olaf Scholz, der wundersame Geldvermehrer bzw. Dukatenesel, weil #wir, die wir dabei sind, in der Vergangenheit „gut gewirtschaftet“ haben bzw. steuer- und finanzpolitisch ausgeplündert worden sind; oder ist er gar ein Geldvernichter? – wer weiß;
  • Markus Söder, der harte Hund aus Bayern und nunmehr zum Merkelianer mutiert (zugeschaltet aus München); er gibt den besonnenen Landesvater;
  • Robert Habeck, der grüne Co-Vorsitzende, immer wieder und wohl bis in alle Ewigkeiten ein begnadeter Märchenerzähler und der Lieblingsschwiegersohn der „Omas for Future“;
  • Jutta Allmendinger, ihres Zeichens Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) für Sozial“wissenschaften“, eine der Allzweckwaffen des bundesdeutschen Feminismus – von ihr werden wir übrigens – zudem gänzlich am Thema vorbei – die absurdeste These des Abends hören (müssen);
  • Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VdA), einst Merkel-Zögling, heute ökonomisch rational denkende, taffe Lobbyistin von der „Titanic“ namens Deutscher Maschinenbau, sprich: die Frau wird in nicht mehr allzu ferner Zeit zusammen mit Branche und Verband in Würde und Anstand untergehen.

Wie man an der Besetzung des Abends unschwer erkennen kann, sind diesmal nicht die Virologen gefragt – wer mag die auch noch zum gefühlt 150ten Mal hören – sondern die Rückkehr zur „Normalität“ deutet sich hintergründig dadurch an, dass Anne wieder zu dem bis Ende Februar 2020 ohnehin schon Framing-bewährten Mix aus „Willigen“, Politikern und „Wirrologen“ (eine herrliche „Expertenschöpfung“ von Stephan Paetow in TE vom 04.05.20) zurückzukehren beginnt. Das heißt wahrlich für die Zukunft des Landes eigentlich nichts Gutes, aber als ÖRM-Publikum muss man halt das nehmen, was für die klitzekleine Zwangs-Gebühr, äh „Demokratieabgabe“, von 17,50 € monatlich so angeboten wird. Außerdem: Wem das zu viel an gelebtem Sado-Masochismus in System-Deutschland bedeutet, der muss ja nicht gucken und sich den Sonntagabend nicht auch noch verderben lassen. Sollen #wir, die wir dabei sind, nicht ohnehin „Distancing“ betreiben?!

Die Story der Sendung ist wieder einmal schnellstens erzählt, weil es – siehe die Protagonisten Scholz und Habeck etwa – ja nun wirklich Null-komma-Null neuen Erkenntniswert gibt. Und auch gar nicht geben soll.

Der Habeck Robert „überrascht“ am Anfang zwar mit dem Satz: „Meine Geduld ist erschöpft!“, womit er den „Partei-Schädling“ Palmer meint, aber schon recht bald ist die grüne Weltordnung wieder formiert. Kein Geld für die Aktiengesellschaften von Benzinern, Dieselfahrern und weiteren Schmutzfinken, denn die sind an ihrem Unglück ja selbst schuld, weil sie nicht rechtzeitig auf „E-Mobilität“ gesetzt haben. Da kennt der Ökonomie- und Technologieschlauberger Habeck kein Pardon. Ach ja, und übrigens: „Alleinerziehende, Kinder und Frauen haben keine Lobby!“

Alles wie gehabt also. Faselei vom Allgemeinsten ohne irgendeine schwache Ahnung davon, wie eine komplexe Gesellschaft tickt; und warum gerade die Bundesrepublik bislang eines der führenden Wohlstandssysteme weltweit repräsentiert. Habeck zuzuhören ist einfach vertane Zeit.

Und eigentlich müsste er jedem Zuhörer ein paar Cent „Hörergeld“ in die Hand drücken dafür, dass der ihm überhaupt sein Ohr leiht. Außer den Omas von „Freie Tage für die Fjutscha“ selbstverständlich oder neuerdings außer den Omis bei Greenpeace, der SA der Grüninnen, die sich für ihr bisheriges Leben so wollüstig schämen und den Ablasshandel wieder in Erinnerung bringen. Doppelzählungen in beiden Gruppen allerdings höchstwahrscheinlich!

Mensch dagegen nun der Olaf! Hat der doch so ganz nebenbei 500 Mio. Euro locker gemacht, um Tablets für zurückgebliebene Schüler und Schülerinnen anzuschaffen. Von wegen Bildungskatastrophe, wenn wir mal die marode Schulinfrastruktur ausblenden. Wir schaffen das, Leute! Und es sei zum x-ten Mal wiederholt, dass der Staat keine Konzerne unterstützt, die auch noch Boni und Dividenden auszahlen. Die beziehen sich zwar auf die vergangenen Monate und Jahre, aber wer will bei dieser hässlichen Investoren- und Managerbrut ernsthaft differenzieren. Außer vielleicht die anwesende Frau Müller. Aber deren professionelles Wirtschaftswissen ist bei einer solchen Runde vollkommen fehl am Platz! Und eigentlich müsste der Olaf nach seiner Logik, recht besehen, auch seine eigenen Bezüge in 2020 gewaltig kürzen, aber so viel Selbsteinsicht würde unseren Vize-Merkel absolut überfordern. Da könnte man schon mal über die viel gepriesene hanseatische Kaufmannsehre nachdenken, aber lieber doch eher darauf verzichten. Hauptsache das Gesagt liegt im Trend des grün-sozialistischen Zeitgeistes.

Hinweise auf eine gewisse Hildegard Müller könnte man sich eigentlich sparen. Denn die liegt derart im Anti-Trend solcher „Willigen-Formate“, dass auch ihre professionelle Sichtweise absolut vernachlässigbar ist. Hat die doch tatsächlich die Frechheit, darauf hinzuweisen, dass der Umsatz der Automobilindustrie in der Bundesrepublik jährlich bei 400 Milliarden € liegt, was dem Fiskus – also momentan dem Olaf – ca. 97 Milliarden Steueraufkommen beschert. Von den Arbeitseinkommen und Arbeitsplätzen ganz zu schweigen.

Aber das eben leider mit Verbrennungsmotoren, gell Robert, und daher absolut daneben. Auch das Kurzarbeitergeld ist – so weiß Frau Müller – kein Gnadenakt der Regierung, auch wenn die das so aussehen lassen möchte, sondern aus eigener Schatulle durch die Industrie bezahlt. Und man könnte auch mal über den Sinn von Dividenden nachdenken, denn die Investoren wollen für ihre Investitionen ja auch hin und wieder Geld sehen und müssen daher bei Laune gehalten werden…Aber wen, bitteschön liebe Frau Müller, sollen solche Grundsätze aus der Volkswirtschaftslehre für Erstsemester in dieser Runde ernsthaft interessieren?

Den Söder vielleicht? Ja, den hätte das bis Anfang 2019 brennend interessiert, nun aber gibt er den Ober-Merkelianer und möchte den Laschet von diesem Posten konsequent verdrängen.

Da darf man fachlich bitte nicht anstrengend werden und die ARD verprellen. Eben ein schlauer Fuchs, dieser Bayer! Außerdem schwadroniert der jetzt auch nur so „grün“ daher. „Das ist schon skurril: Söder spielt den Habeck, während der dabei sitzt“ (Stephan Paetow in TE vom 04.05.20). Aber alle sind sich dann nach dem doch noch vollzogenen Kotau von Frau Müller wieder einig. Denn die Hildegard hat endlich noch geschnallt, was hier bei Anne Will „eigentlich“ unabhängig vom Thema abgeht, und verkündet in die inquisitorische Runde: „Wir stehen zu den Pariser Klimaschutzzielen!“ Das haben vorher der Herbert Diess von VW und der unterwürfige Ola Källenius von Daimler auch schon gesagt. Also alles paletti.

Rückgrat gegenüber diesem system-deutschen Gesinnungsstaat zu zeigen, der einen in mehrfacher Hinsicht in das wirtschafts- und technologiepolitische Schlamassel so richtig reingeritten hat, wo man doch auch gegenüber der VR China nur noch kuscht, das muss dann doch nun wirklich nicht sein. Überhaupt Harakiri zu begehen, wo man üppige Finanzspritzen bei eigenem Lakaienverhalten wittert, steht nun wirklich nicht auf der Agenda. Und hört mir auf über „Würde“ und „Selbstbewusstsein“ zu faseln, wo es doch um historische Verantwortung für heute Deutschland und morgen die ganze Welt geht.

Bleibt noch die „Wissenschafts“-Aktivistin (wieder so eine schöne Kategorisierung von Paetow) Jutta Allmendinger. Was da bei Will – außer vom Robert vielleicht – so alles von sich gegeben wird, das ist für Jutta nun wirklich nicht die Hauptproblematik dieser Tage und Wochen, schon gar nicht die der Zukunft. Denn wissen Sie, was das echte Hauptproblem der Corona-Krise ist: Die „Re-Traditionalisierung“ der Frauen! So sieht`s nun mal aus. „Die“ Frauen sind die wahren Verliererinnen zwischen Haushalt, Job und Kinder. Und wo bleibt der KiTa-Gipfel? Na? Überhaupt schlägt das Patriarchat rücksichtslos zu und wirft die Frauen um mindestens drei Jahrzehnte(!) zurück.

Leute, Leute. Da ist die Anne zum ersten Mal an diesem Abend denn auch wirklich geschockt, und „Der Westen“ (Dominik Göttker vom 06.05.20) lässt in seiner Berichterstattung über diese Sendung ob solcher Ungeheuerlichkeiten an Ungerechtigkeit und „erschreckender Prognose“ mitten in Deutschland alle anderen Beiträge denn auch folgerichtig einfach unter den Tisch fallen. Muss ja so sein bei „breaking news“! Da hat man zudem mal Greifbares, wo man wieder mitschwadronieren und trefflich spekulieren kann. Seichtes also. Und die Jutta A. weiß einfach, dass man lediglich mit „steilen“ Thesen heute noch Aufmerksamkeit erzielen kann. Egal wie plausibel sie sind.

50 Jahre Aufbauarbeit innerhalb weniger Wochen zunichte gemacht. Vielleicht würde da ein Faktencheck weiterhelfen? Wozu? Belastbare Zahlen anzuführen ist einfach im Land der „Gläubigen“ und „Gesinnungsgenossinnen“ nachgerade Mumpitz. Ich dachte zwar dieser Tage erst, dass gerade die männlichen Industriearbeiter und die kleinen Selbständigen die eigentlichen Gelackmeierten der Corona-Krise und der systemischen Regulierungsmaßnahmen sind – und das lässt sich auch empirisch beweisen – aber wenn die Fakten einfach nicht stimmen wollen, dann reicht es inzwischen, wenn es eben „gefühlt“ so ist. Und darauf, auf Gefühl, Gesinnung, Parteilichkeit, darauf kommt es nun mal aktuell allem voran an! Oder? Da fällt einem doch gleich auch wieder der alte Lazarsfeld ein: Wenn etwas für real gehalten wird, dann ist es real in seinen Konsequenzen! Das ist ja quasi der Ausgangspunkt des „Framings“ in den ÖRM. Aber dafür kann Lazarsfeld nun wirklich nichts. Im Gegenteil, solche klugen sozialpsychologischen Studien klären uns 40 bis 45 Prozent politisch unbetreuter Restgesellschaft über die Machenschaften der Mehrheitspropaganda wenigstens auf.

Was bleibt von einem solchen Abend zurück? Nichts außer purer Resignation! Außerdem Beschämung, dass man sich wieder einmal so einen Quatsch angetan hat. Drei sich in längst bekannten Leerplätzen äußernde Politiker besetzen wertvolle Sendeplätze mit ihren selbstgefälligen Phrasen, die keinerlei neuen Erkenntniswert bringen, dafür aber erneut eine Endlosschleife der Demütigung und Verachtung für das doofe System-Volk bekunden.

Man hat das als aufmerksamer Leser und Zuschauer bereits x-mal gehört, x-mal kommentiert bekommen und sich selbst so seine Gedanken gemacht, aber bei „Anne Will“ muss alles nochmal auf niedrigstem Niveau wiedergekaut und propagandistisch aufbereitet werden. Widerstand wird da notwendig gegen die GEZ, die uns diesen Mist einbrockt, weil es für die ÖRM ökonomisch vollkommen egal ist, wer was sieht bzw. sehen will oder eben nicht. Es ist immer genügend Geld vorhanden, Ideologiearbeit über die Köpfe der Leute hinweg auszustrahlen. Dem muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Durch Gebührenentzug! Das wäre ganz im Sinne der GG-Idee von Pressefreiheit und i.S. von politischen Diskursen, die diesen Namen verdienen.

Neben den drei Phrasendreschern ist sich zudem eine Präsidentin eines an sich „renommierten“ Forschungszentrums nicht zu schade, ihre Expertise, die sie zweifellos hat, zu 100 Prozent zu verleugnen und absoluten, von willkürlicher Spekulation diktierten Unsinn zu verbreiten. Nein, nein, die Allmendingers sind nicht gekauft – ernsthaft nicht! – aber sie wissen halt, woher der Wind weht. Und Sie sagen sich: Nach uns die Sintflut! Auf Basis derartiger „Gesinnung“ darf frau selbstverständlich auch nicht nur eine Sekunde lang auf das „Wissenschaftsethos“ Wert legen. Und so ganz nebenbei verdeutlicht ein solches Gebaren auch, dass Soziologie, Sozialpsychologie, Pädagogik und Politologie heutzutage zurecht verachtet werden, da von ihnen außer Ideologiebausteinen – wie oben gezeigt – wahrlich überhaupt nichts mehr an weiterführenden Beiträgen zu einer wissensbasierten Gesellschaftspolitik zu erwarten ist. Die Gender-Fetischistinnen weisen längst nach, dass „Sozialwissenschaften“ dieser Provenienz inzwischen sämtlichst überflüssig geworden sind; und man schämt sich mehr und mehr seiner eigenen wissenschaftlichen Herkunft.

Frau Müller schließlich verkörpert einen ganz anderen, den modernen, selbstbewussten, aus sich selbst heraus erfolgreichen Frauentyp, nämlich den der professionell aufgestellten Top-Managerin mitten in einer historisch von Männern dominierter Kernbranche der Sozialen Marktwirtschaft. Schade, dass es nicht mehr von diesen Frauen gibt, und dass sie die ideologische „Emanzipationsfrage“ ihren „Kolleginnen“ überlassen, die im politischen Mainstream, getragen von gepamperten Karrierestrukturen, häufig im Öffentlichen Dienst, groß geworden sind. Dass Karrierewege wie der von Hildegard Müller steinig sind, gegen Männer ebenso wie gegenüber den „Schwestern“ durchgesetzt werden wollen, sowie immer wieder unbedingte Disziplin und Selbstverleugnung voraussetzen, das hat dieser Abend als den eigentlich einzigen wichtigen Erkenntniswert nachhaltig unterstrichen.

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(Neues Format: FFF-Framing4Follower)

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*) zum Autor:
Univ.-Prof. i.R. Dr. Hans-Rolf Vetter, Jahrgang 1943, Leonberg/BW, Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftliche Sozialpolitik, Moderne Erwerbsbiographien, Soziale Systeme und Mediation; siehe auch: hans-rolf vetter.com
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