IN DULCI JUBILO – ein fröhliches Gesänglein über das Kindlein Jesus

Er gehört zu den ältesten Weihnachtsliedern des deutschen Sprachraums: der aus dem 14.Jahrhundert stammende Mischgesang in Latein und Deutsch

Von Dr. Juliana Bauer

In dulci jubilo im Klug’schen Gesangbuch (1533)

Die frühesten Zeugnisse weihnachtlicher Lieder aus dem deutschen Sprachraum stammen aus dem Mittelalter. Der Geburt Christi huldigend entstanden sie im kirchlichen Raum und entfalteten sich in den drei Weihnachtsmessen, die auf Papst Gregor den Großen (Regierungszeit 590-604) zurückgehen, als Teil der Liturgie; ursprünglich stellten sie vor allem feierliche Elemente der Mitternachtsmesse dar.

Zunächst noch in lateinischer Sprache gehalten wichen diese allmählich Mischtexten aus Latein und Deutsch, bis dann auch Lieder in deutscher Sprache ihren Platz in den Festtagsmessen fanden. Das älteste Weihnachtslied, das einen rein deutschen Text aufweist, ist der Willkommensgruß „Nun sei uns willkommen Herre Christ“, ein Lied, dessen Ursprung bis ins 11. Jh. reicht und das sich ab dem 14.Jh. verbreitete.

Wurde in den hochmittelalterlichen Gesängen Christus noch als der erwartete machtvolle Herrscher der Welt ehrerbietig auf Erden begrüßt, so wandelte sich zum Spätmittelalter hin sein Bild in der weihnachtlichen Poesie – nun heißt man das Kind Jesus willkommen, das Kind Gottes, des Vaters und der Jungfrau Maria. Somit begann der Siegeszug der unzähligen Weihnachtslieder, in denen das göttliche Kind den Mittelpunkt bildet, das liebliche (süße) Kind in der Krippe, dem man im Staunen über das Wunder seine Zuneigung und Zärtlichkeit entgegenbrachte.

Eines der ältesten Gesänge dieser Gattung ist das uns allen bekannte und von vielen Christen geliebte Lied „In dulci jubilo“ d.h. „In süßem Jubel“, für das man als heutigen deutschen Titel Zeile 2 „Nun singet und seid froh“ wählte (siehe Gotteslob). Gleichzeitig veranschaulicht das Lied das lebendige Beispiel eines typischen spätmittelalterlichen Mischgesangs: der Text stellt sich in Zeilenwechseln von Latein und Deutsch dar und diente in dieser Weise auch als Dialoggesang zwischen Priester und Gemeinde, die mit Wechselgesängen solcher Art mehr in das gottesdienstliche Geschehen eingebunden werden sollte.

Allem Anschein nach entstand das Lied im 14.Jh.; seine erste Strophe soll auf den Konstanzer Dominikaner und Mystiker Heinrich Seuse (Suso, + 1366) zurückgehen, der in einer Schau, wie eine Lebensbeschreibung über ihn berichtet, von Engeln zum himmlischen Tanz eingeladen wurde. Diese erzählt von seiner freudigen Begegnung mit den himmlischen Wesen wie folgt:

„Sie zogen (ihn) bei der Hand an den Tanz, und der Jüngling (ein Engel) fing an ein fröhliches Gesänglein an dem Kindlein Jesus, das spricht also In dulci jubilo… Da …Seuse… den geminnten (geliebten) Namen Jesus also süßiglich erklingen hörte, da waren sein Herz und seine Sinne so recht wohlgemut … Nun sah er mit Freuden, daß sie … sangen und tanzten mit jubilierenden Herzen.“

Das „Gesänglein“, ursprünglich als Reigenlied geschrieben, erfreute sich bereits in seinen ersten Jahrzehnten großer Beliebtheit. Es drückt die jubelnde Freude über die Geburt Jesu aus, über das in der Krippe liegende göttliche Kind und seine Mutter, die den Menschen den Himmel wieder erschlossen (je nach Fassung zu finden in Strophe 3 oder 4):

Die Kinder tanzten beim Singen des Liedes, wie es im Mittelalter und in den unmittelbar folgenden Jahrhunderten der Brauch war, freudig um die in der Kirche aufgestellte Wiege mit dem Jesuskind herum.

Der ersten und ältesten Strophe wurden schon bald weitere hinzugefügt. In frühesten Handschriften, die dem ausgehenden 14. und dem beginnenden 15.Jh. entstammen und die sich in der Universitätsbibliothek Leipzig sowie in Breslau und München befinden, sind Text und Melodie verzeichnet. Im Lauf des 16.Jahrhunderts fand das Lied Eingang in alle katholischen Gesangbücher.

Martin Luther ließ es 1545 in das evangelische, so genannte Babstsche Gesangbuch in Leipzig aufnehmen. Er änderte hingegen die letzten beiden Strophen ganz im Sinn der Reformation: den Text des letzten, auf die Gottesmutter bezogenen Verses, wandelte er, obwohl ein Verehrer der Mutter Jesu, inhaltlich durch den alleinigen Bezug auf Gottvater und Christus und dessen Erlösungstat. Diesen Vers tauschte er darüber hinaus mit dem dritten und setzte diesen als Strophe 4 an den Schluss.

Ab der Mitte des 17.Jahrhunderts wurde der Choral mit der Textfassung aus dem Hannoverschen Gesangbuch von 1646, in der auch die zweite Strophe leicht verändert und die „Güte“ Mariens mit der „Güte“ Jesu ausgetauscht wurde, in alle evangelischen Gesangbücher aufgenommen. In gleicher Fassung findet er sich im Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach unter dem BWV 368.

Die beiden Fassungen seien hier im Gesamten vor- und einander gegenübergestellt: die lutherische bzw. die bachsche Fassung sowie eine der ältesten, katholischen Texte des Liedes aus dem Beginn des 15.Jahrhunderts.

Aus dem Orgelbüchlein Johann Sebastian Bachs
In dulci jubilo,
Nun singet und seid froh!
Unsers Herzens Wonne liegt
in praesepio,
Und leuchtet als die Sonne
Matris in gremio,
Alpha es et O!

O Jesu parvule
Nach dir ist mir so weh!
Tröst’ mir mein Gemüte
O puer optime
Durch alle deine Güte
O princeps gloriae.
Trahe me post te!

O Patris caritas!
O Nati lenitas!
Wir wären all verloren (verdorben)
Per nostra crimina
So hat er uns erworben
Coelorum gaudia
Eia, wären wir da!

Ubi sunt gaudia
Nirgend mehr denn da!
Da die Engel singen
Nova cantica,
Und die Schellen klingen
In regis curia.

Aus einem Manuskript und Gesangbuch vom Anfang des 15.Jahrhunderts, Leipzig
In dulci jubilo
Singet und seid froh!
Aller unser Wonne
leit in praesepio
Sie leuchtet als die Sonne
matris in gremio
Qui Alpha es et O!

O Jesu parvule
nach Dir ist mir so weh.
Tröst mir mein Gemüte
o puer optime,
durch aller Jungfraun Güte
princeps gloriae.
Trahe me post te

Ubi sunt gaudia ?
Nirgend mehr denn da
Do die Englein singen (auch: Do die Vöglein singen)
Nova cantica
Und die Schellchen klingen
In regis curia

Mater et filia
Ist Jungfrau Maria
Wir waren gar verdorben
per nostra crimina
Nun hat sie uns erworben
Celorum gaudia –
Quanta gracia !

10 Kommentare

  1. Türkei: Christen sind im Land des Hl. Nikolaus nicht willkommen
    https://unser-mitteleuropa.com/tuerkei-christen-sind-im-land-des-hl-nikolaus-nicht-willkommen/

    In der Türkei nimmt die Christenverfolgung dramatsich zu, nicht zuletzt durch das autokratisch-islamische Regime von Staatspräsident Erdogan. Anlässlich des Feiertages für den heiligen Nikolaus eine traurige Bestandsaufnahme von Open Doors für die letzten verbliebenen Christen in einem Land, dass früher einmal von diesen dicht besiedelt war.

    Christliche Minderheit unter Druck

    Am 6. Dezember wird der Nikolaus-Tag gefeiert, der Tag geht zurück auf Nikolaus von Myra. Er wurde Priester, das Vermögen, das er geerbt hatte, verteilte er an die Armen. Während der Christenverfolgung im Jahr 310 wurde er selbst gefangen genommen und gefoltert.

    Heute steht die christliche Minderheiten in der Türkei erneut unter großem Druck. Auf dem Weltverfolgungsindex rutschte die Nation von Rang 36 auf Position 25 vor. Die Türkei verändert sich von einem säkularen Staat zu einem Land, das immer mehr auf islamischen Normen und Werten aufbaut. Die Türkei gilt als das Land mit der größten Zahl von Journalisten im Gefängnis. Es gibt eine zunehmende Tendenz zu einem religiösen Nationalismus, der wachsenden Druck auf Christen ausübt.

    Haft statt Aufenthaltsgenehmigung

    Ein Zeitzeuge ist Pastor Andrew Brunson, der kürzlich auf Einladung von Open Doors in der Schweiz Vorträge über seine Erlebnisse in der Türkei hielt. Er galt als »diplomatische Geisel«, die zwei Jahre lang in den Kerkern von Recep Tayyip Erdogan gefangen gehalten wurde.

    Am 7. Oktober 2016 wurde Brunson, Pastor der Auferstehungskirche in Izmir, zusammen mit seiner Frau Norine von den türkischen Behörden festgenommen, als sie gerade bei den Behörden waren, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Das Ehepaar lebte bereits seit 23 Jahren im Land.

    Andrew Brunson verbrachte anschließend mehr als zwei Jahre in türkischen Gefängnissen und wurde danach noch unter Hausarrest gesetzt. 735 Tage, um genau zu sein.

  2. Freichrist343 aus was für ‘ner Gruft stammt deine Sekte und deine krude Ideologie? “Éblouie par la nuit”? Das ist für dich Musik? Hier mal die Wirklichkeit der christlich- katholischen Realität: Gott schuf uns in sieben Tagen, sieben Grundfarben hat das Licht und aus sieben Tönen besteht die Tonleiter der Musik. Hast du dieses Geplärr “Éblouie par la nuit” schon mal übersetzt. Dann sollte dir aufgefallen sein, daß Dekadenz genau dieser antichristliche Dreck ist. Du nennst dich scheinheilig “Freichrist”? Genau das bist du frei von Christus! Conservo war früher christlich katholisch. Irgendwas stimmt hier nicht mehr…

    1. Richtig!
      Esotheriker haben hier in letzer Zeit einen fruchtbaren Acker vorgefunden.
      Reklame/Gastbeiträge/Kommentare.
      Fehlen nur noch “Medien” (Channeling) mit Jenseitsbotschaften!

      Theosophische Gesellschaft
      …………………………………………….
      Helena Petrovna Blavatsky: Praktischer Okkultismus

      Webseite der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland e.V. – Gegründet 1897 von Dr. Franz Hartmann auf der Grundlage der von H. P. Blavatsky, H. S. Olcott, W. Q. Judge im Jahre 1875 in New York gegründeten Theosophischen Gesellschaft.

      https://theosophische-gesellschaft.org/de/events/detail/108/helena-petrovna-blavatsky-praktischer-okkultismus.htm

      ..eine wesentlicher Punkt (neben der “Russenhetze”) der mich hier mehr und mehr anwidert!

      1. Lieber Semenchkarre,

        ich bin über die Theosophische Gesellschaft informiert und lehne sie ab. Gleichermaßen das Channeling.
        Die Beiträge einmal die Woche mit Tesla etc. (ohne jegliche Theosophie) dienen der Finanzierung des Blogs.
        Mit Russenbashing weiss ich nicht genau, was Du meinst. Die Artikel von den pensionierten Armeeangehörigen?
        Ich stelle Artikel mit unterschiedlichsten Meinungen ein, um Austausch zu ermöglichen.
        Zu Russland habe ich beipielsweise eine andere Meinung. Putin wurde m.E gegen die Vereinbarung durch der NATO eingekreist.

        Zum Freikirchler: Wir hatten hier ja schon vorher einen Foristen, der stark Jakob Lorber propagiert hat. Ich schaue mir jeden eine Weile an und ergreife dann entsprechende Massnahmen.

        Wir haben hier weiterhin und sogar vermehrt viele christliche Beiträge von Juliana Bauer, von Udo Hildenbrand, von mir, von Wolfgang van der Rydt usw.

        Liebe Grüße von Maria

      2. Liebe Maria,
        Tesla, also Elektrik und Elektronik ist umgesetzte Physik in reale technische Objekte. Nix dran zu deuteln.

        Aber esotherische Spinner, die mit Beutelschneiderei ihr Geld verdienen sollte man nicht unterstützen. Übrigends, durch solche Pseudomedizin sind Menschen gestorben!

        *ttps://www.psiram.com/de/index.php/Hauptseite
        ………………

        Beispiel: langer Text
        ……………………………………

        Wasserbelebung

        Die Begriffe Wasserbelebung, Wasseraktivierung und Wasservitalisierung bezeichnen verschiedene esoterisch inspirierte Verfahren, mit denen man herkömmliches Wasser auf eine nicht plausibel erklärte Weise so verändern könne, dass es nach Genuss zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, der Stimmungslage oder zu anderen Vorteilen für den Konsumenten kommen soll. Entsprechende Produkte werden unter verschiedenen Bezeichnungen in Umlauf gebracht. Viele Anbieter geben an, dass dadurch das Wasser im Sinne einer Belebung “energetisiert” werde. Ernstzunehmende, neutrale Hinweise für die Wirksamkeit der von den Herstellern genutzten Methoden gibt es nicht.

        Keine der behaupteten Wirkungen auf Wasser konnte je wissenschaftlich nachgewiesen werden. ….

        https://www.psiram.com/de/index.php/Wasserbelebung

        …ansonsten d’accord !

        liebe Grüße
        Semenchkare

      3. Lieber Semenchkare,
        vorsicht mit Psiram. Trotz intensiver Bemühungen weiß man bis heute nicht, wer dahintersteckt und Menschen verunglimpft. Ich kenne einige Personen, über die dort Dossiers angelegt wurden, persönlich. Daher weiss ich dass sehr viele Behauptungen dort nicht stimmen.

        Zum Wasser. In der Tat – auch hier wird Geldschneiderei betrieben. Leider ist das jedoch bei fast jeder Werbung der Fall.

        Ich muss die Kosten decken – überließ doch einfach die Texte.

        Liebe Grüße von Maria

  3. Die Deutschen schaffen die einzig wahre Religion (das Christentum) ab, verleugnen ihren Heiland Jesus Christus. Beschmutzen die Trinität in übelster blasphemischer Weise als GOTT IN DREI PERSONEN während sie zulassen, dass ein blutiger Götze seine Tempel hier errichten darf, dessen Diener ihr Geschrei plärrt und verkünden darf daß dieser Götze der ALLEINIGE ist?? Da hilft auch keine Musik mehr, denn Menschen die sich soweit vom wahren Gott distanzieren bekommen halt die schweflige Alternative

  4. Fast die gesamte Musik war (oder ist) dekadent. Nicht dekadent ist z. B. “Eblouie par la nuit” instrumental. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

  5. So hört es sich an:
    ……………………………..

    In Dulci Jubilo – Weihnachtslieder zum Mitsingen | Sing Kinderlieder

    602.843 Aufrufe
    Premiere am 06.12.2019 • In Dulci Jubilo – An Weihnachten gehen viele Menschen in die Kirche, um gemeinsam zu singen und die Geburt Jesu zu feiern.
    Schaut Euch an, wie schön es dort ist!
    ► Folge SING KINDERLIEDER auf: ->= div. webadressen

    ca 3 min.

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