Michael van Laack

Olaf Scholz dürfte sich im stillen Kämmerlein ins Fäustchen lachen. Denn Frankreichs Staatspräsident Macron sprach aus, was Scholz denkt und nur nicht zu sagen wagt, weil dann die bösen Journalisten wieder mit der alten Leier vom Russland-Netzwerk innerhalb der SPD kommen würden.

“Wir dürfen Russland nicht demütigen, damit wir an dem Tag, an dem die Kämpfe aufhören, mit diplomatischen Mitteln eine Startrampe bauen können.“ und “Ich bin davon überzeugt, dass es die Rolle Frankreichs ist, eine vermittelnde Macht zu sein.”, verkündete Macron vorgestern im Plauderton.

Man muss Russland auch was gönnen können

Der Tag, „an dem die Kämpfe aufhören” soll wohl heißen: ‚Der Tag, an dem Putin der Ansicht ist, er habe jetzt genug Städte dem Erdboden gleich gemacht und ausreichend Fläche des ukrainischen Staatsgebiets erobert. Wann dieser Tag erreicht ist, müssen wir selbstverständlich ihm überlassen. Alles andere könnte er als Demütigung empfinden‘.

“Ich will 50 %, mein guter Emanuel. Falls ihr mir weniger zugestehen wollen würdet, käme das einer Demütigung gleich. Und ihr wisst ja: den Begriff ‘taktische Atomschläge’ muss ich nicht eigens googeln.”, könnte Putin Macron im gefühlt tausendsten Telefongespräch erklären. “Alles gut, Wladimir!” würde der Franzose dann vermutlich antworten. “Es ist ja die Rolle Frankreichs, eine vermittelnde Macht zu sein. Das werde ich dem Selenskji schon schmackhaft machen wie eine Quiche Lorraine”.

Wir werden Putin viel zu verzeihen haben

Macrons Botschaften sind ist klar: Die Ukraine darf diesen Krieg nicht gewinnen; mit dem Text der Römischen Verträge und dem Völkerrecht im Allgemeinen können wir uns auch den Popo abwischen; wieviel Landgewinn Russland macht, bestimmt Frankreich in Absprache mit Putin und der grauen Eminenz Deutschland. Die Ukraine soll dankbar sein dafür, dass wir den verbliebenen Torso als neutralen Puffer zu teilen der NATO-Ostgrenze benötigen. Notfalls könnten wir auch, um jegliche Provokation des Kriegsverbrechers und Völkermord-Auftraggebers, im Minsk 3-Vertrag die Zerschlagung der Restukraine verhandeln.

Wichtig ist nur, dass wir asap wieder mit Russland Geschäfte machen können. Oder – um es mit Jens Spahn zu sagen. “Wir werden uns viel zu verzeihen haben.” Dazu hat Macron mit seinem fast überall (außer in der EU ohne Bundeskanzleramt und Willy-Brandt-Haus, den USA, Kanada und der Ukraine) äußerst positiv aufgenommenen Vorschlag mit seinem Anti-Demütigungsappell einen wertvollen Beitrag geleistet.

Putin wird das mit großer Freude vernommen haben, ist ihm doch alles daran gelegen, EU und NATO so zeitnah und massiv wie möglich zu fragmentieren. Denn sonst klappt das nie mit seinem Plan, die NATO auf die Grenzen von 1992 zurückzuwerfen. Und eine solche Demütigung wollen wir dem guten Wladimir doch nicht zumuten, oder?

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