Michael van Laack

Am 31. Juli feiert die römisch-katholische Kirche das Fest des hl. Ignatius von Loyola, der heute ein wenig untergeht, weil die Liturgie vom Sonntag das Gedächtnis verdrängt. Ich möchte den Gedenktag zum Anlass nehmen, darauf hinzuweisen, dass all das schon mal dagewesen ist, all diese Forderungen des Synodalen Weg älter sind als Luther; vor allem aber darauf, dass in früheren Jahrhunderten (letztendlich noch bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts der sensus fidei noch nicht verschüttet war und die meisten Ordensgeistlichen und Weltpriester sich noch jenem Rom verpflichtet fühlten, das Sitz des Nachfolgers Petri und Stellvertreter Christi ist.

Das Gedenken an Ignatius geht aber nicht nur heute und wegen der liturgischen Rangfolge unter, sondern bereits seit mehreren Jahrzehnten, weil dieser Heilige schon früh als Feind jenes Ökumene genannten Irenismus erkannt wurde, der seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die römisch-katholische Kirche mehr und mehr erfasst hat, um sie zu dem zu machen, was weder Deutschland noch die Welt nach Ansicht von Papst Franziskus benötigt: zu einer zweiten evangelischen Kirche.

Synodaler Weg: Aufgewärmtes Luthersüppchen als Reform-Filetsteak verkauft

Liest man sich ein wenig in die Gedankenwelt und das Tun des Mitbegründers der Jesuiten ein, wird schnell klar, warum das so ist. Und so werden ihm auch die meisten Mitglieder des “Synodalen Weges” nichts abgewinnen können. Denn er – würde er heute leben – hätte einen medialen Predigtkreuzzug gegen diese dem Sozialismus zugeneigten Häretiker initiiert. er hätte nicht geschwiegen, wie es heute die meisten Bischöfe w selbst dann tun, wenn z. B. die Vorsitzende des ZDK flächendeckende Abtreibungsangebote fordert; er hätte sich nicht weggeduckt beim Angriff auf das Zölibat und das Ehesakrament.

Es sind die Wegducker und Mitläufer, die der “Synodale Weg“ und die modernistische Theologie lieben. Seit uns gehorsam und deshalb gegenüber Rom ungehorsam. Von Christus reden diese Leute ohnehin kaum noch. Ihnen geht es nicht um Glaubensverkündigung und Mission, ihnen geht es nur um die Sicherung bzw. den Ausbau ihrer ganz persönlichen Macht. Ihre “Lebenswirklichkeit“ wollen sie – wenn möglich – einer Milliarde Christen als die einzig legitime Sicht- und Handlungsweise aufpfropfen.

Lesen wir nun aus dem vierten Kapitel des dritten Teils des Werkes “Ignatius von Loyola – Beiträge zu seinem Charakterbild” (Anton Huonder SJ, Köln, 1932 – posthum hrsg. v. Balthasar Wilhelm SJ) den Abschnitt zur kirchlichen Gesinnung des Heiligen, der seine Treue zur Kirche dokumentiert. Antiquarisch ist das Buch hin und wieder noch zu erreichen und kostet zwischen 18 und 30 Euro.

Beginn des Textauszugs

lgnatius wollte nicht auf eigene Faust, sondern nur in und mit der Kirche Gottes am Seelenheil arbeiten. Seine Anschauungen hierüber spricht er klar und prägnant in den ,,RegeIn mit der Kirche zu denken und zu fühlen” aus. Schärfer läßt sich die echte kirchliche Gesinnung kaum wieder­geben.

Man lese die erste Regel:

„Indem wir jedes eigene Urteil beiseite segen, müssen wir unsern Geist bereit und willig halten, in allem der wahren Braut Christi Unseres Herrn zu gehorchen, die da ist unsere heilige Mutter, die hierarchische Kirche.”

Und die 13. Regel:

,,Wir müssen, um in allem sicher zu gehen, stets festhalten: wo, meinen Augen weiß erscheint, von dem glaube ich, dass es schwarz sei, wenn die hierarchische Kirche so entscheidet, überzeugt, dass zwischen Christus Unserem Herrn, dem Bräutigam, und der Kirche, seiner Braut, derselbe Geist waltet, der uns zum Heile unserer Seelen leitet und lenkt; denn durch denselben Geist und unsern Herrn, der die zehn Gebote gab, wird auch unsere heilige Mutter, die Kirche, gelenkt und geleitet.”

Entsprechend diesen Grundsätzen wies der Heilige alles entschieden von sich, was nicht streng kirchliche Gesinnung atmete. Instinktiv fühlte er dies heraus. Beispielsweise duldete er nicht, dass die Schriften Savonarolas im Hause aufbewahrt würden und ließ sie verbrennen, weil, wie Polanco schreibt, dessen rebellischer Geist gegen den apostolischen Stuhl ihm zuwider war, wenn sich auch sonst manches Gute und Schöne in den Schriften fand.

Überhaupt hatte der Heilige in Bezug auf die Lesung und den Gebrauch irgendwie verdächtiger, zumal aber häretischer Schriften sehr strenge Ansichten. Sie sollten ohne wirkliche Not weder gelesen noch öffentlich zitiert werden.

Prüfet alles, das Schlechte verwerft!

Die Kommentare von Philipp Melanchthon, so lässt er 1553 an P. Caesar Helmius in Venedig schreiben, dürfen nicht gebraucht werden, ehe sie purgiert* und mit Anmerkungen versehen sind. Verboten Bücher sollen entfernt, anrüchige Autoren wenigstens nicht mit Namen zitiert werden.

Besonderen Widerwillen hatte lgnatius gegen die Schriften des Erasmus. Bereits in Barcelona war ihm dessen Enchiridion selbst von seinem damaligen Beichtvater wegen des feinen Stiles empfohlen worden. Aber als er merkte, dass bei dieser Lesung sein Eifer erkalte und auch hörte, dass gewisse Zweifel über die Rechtgläubigkeit des Autors bestünden, legte er das Buch beiseite; es gäbe genug gute Bücher, deren Verfasser betreffs ihrer Rechtgläubigkeit über jeden Zweifel erhaben seien.

Ähnlich wünschte er, dass alle sittlich anrüchigen und zweifelhaft Schriftsteller (wie Terenz und der Neulateiner Ludovicus Vives) aus den Häusern und Kollegien der Gesellschaft verbannt oder doch nur in purgierten Ausgaben gelesen würden. So lobte er den P. Benedikt Pereira, weil er des Vives Schriften in der Schule ordentlich durch die Hechel gezogen hatte.

Erdreistet Euch nicht, gegen Rom zu entscheiden

In Bezug auf die Beibehaltung alter Traditionen vertrat lgnatius den konservativen Standpunkt der Kirche selbst. Als einst Don Pedro de Zarate, Ritter vom hl. Grabe und großer Freund der Gesellschaft, mit ihm zu Tische saß, kam das Gespräch auf die Geißelsäule Unseres Herrn, deren eine Hälfte in Jerusalem, die andere in Rom gezeigt werde. Zarate, der beide gesehen hatte, bemerkte, dass das Heiligtum in Rom ihm nicht ein Teil der wahren Geißelsäule zu sein scheine, denn die in Jerusalem sei schlanker und von anderer Form und Gestalt.

lgnatius erwiderte mit großem Ernst und Nachdruck, dass auch er beide gesehen, sich aber nicht erdreiste, über den Unterschied der beiden ein Urteil abzugeben. Falls er einen solchen bemerkte, würde er den Teil von Rom für echt halten, weil die Kirche diesen approbiere und nicht den in Jerusalem, der sich in den Händen der Türken befände. Das war die Weise, wie er in solchen Dingen urteilte.

Nähert euch niemals Luther und den ihm folgenden Irrlehrern an

Bezeichnend in dieser Hinsicht sind die Instruktionen, die lgnatius den als päpstliche Theologen am Konzil von Trient teilnehmenden Patres Salmeron und Laynez mitgab und durch weitere Zuschriften ergänzte. „Unter den Prälaten des Konzils,” berichtet Polanco „brachte jemand Ansichten vor, die zwar gut begründet und annehmbar schienen, aber doch neu und ungewöhnlich waren. Unser Vater verfehlte nicht, sich darüber auszusprechen. Er gab den beiden Patres die Weisung, sie sollten auch da, wo sich die Gründe für und wider die Waagschale hielten, doch keine Ansicht vertreten, die den Anschauungen der Irrgläubigen und Neuerer sich nähere, sondern an der herkömmlichen festhalten, bis die Kirche selbst sich für die andere Anschauung ausgesprochen habe.

Ignatius hatte große Abneigung gegen alle Prophezeiungen, die nicht von der Kirche approbiert waren, und wollte nichts von der­gleichen Dingen wissen. Von seiner nüchternen Zurückhaltung gewissen mystischen Erscheinungen, ekstatischen Zuständen und dergleichen gegenüber wird später die Rede sein. Hier wie in allem galt ihm aber der Spruch: Roma locuta, causa 6nita (Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt).

Ende des Textauszugs

*Purgieren meint hier im Sinn kirchlicher Lehreinheit von irrigen Aussagen säubern.

Der Text wurde behutsam der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Zwischenüberschriften und Hervorhebungen von der Conservo-Redaktion.

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