Bildung, Bildungspolitik, Bildungswüste Deutschland

Deutschlands Bildungspolitik verdient ihren Namen nicht mehr. Es geht rasant abwärts, und es geht um die systematische Zerstörung einer einst blühenden deutschen Schullandschaft durch eine Schulpolitik, die von der Ganzheitsmethode über die Mengenlehre und die sog. Rechtschreibreform bis hin zur phonetischen Schreibweise und der derzeit drohenden Abschaffung (!) der Schreibschrift bedenkenlos jeden auch noch so hirnrissigen Unfug mitmacht. Diese neue Schulpolitik wird ihr von einer angeblich wissenschaftlichen, in Wirklichkeit aber verantwortungslosen Didaktik aufgeschwätzt. Keine der Neuerungen, die auf diese Weise über die Grundschulen, deren Schüler und deren Eltern hereingebrochen sind, hat sich auch nur annähernd als besser bewiesen als das, was von ihnen verdrängt wurde. Aber die Schulpolitik aller Parteicouleur, auch der Schavan-CDU, reformiert unverdrossen weiter – statt auf Gedeih wohl eher nur auf Verderb. Daß dabei unsere Zukunft vor die Hunde geht – siehe das Folgende – kümmert sie nicht. So betreibt man die lautlose, aber effektive Liquidierung dessen, was in Deutschland früher einmal Bildung hieß und ein gewisses Grundmaß an Allgemeinbildung garantierte. Wenn z. B. scheinbar harmlos gefragt wird, welche „Information“ ein Text enthalte oder welcher Epoche ein Text zuzuordnen sei, dann wird die Literatur ihrer Form und damit ihrer Wirkung beraubt. Wir alle wissen noch von früher, daß es bei klassischer Literatur keineswegs um „Informationen“ ging, sondern um den Geist, den Stil, den Charakter etc. eines Werkes. Eine Speisekarte enthält selbstredend Informationen, ein Roman kann darauf verzichten.

„Sachlesen“ versus „Erbauungslesen“ Heute wird in der Schule das Lesen-Können von Literatur gegen das Lesen-Können von Banküberweisungen oder Gebrauchsanleitungen ausgespielt. „Sachlesen“ erscheint wichtiger als „Erbauungs-Lesen“. Die Beschäftigung mit Literatur dient aber der Persönlichkeitsbildung durch Förderung der ästhetischen und sprachlichen Sensibilität und der Entwicklung moralischer Fähigkeiten, die eben ein „Sachlesen“ nicht vermitteln kann. Daß hier eine ganze Jugendgeneration um die Möglichkeiten emotionaler und moralischer Bildung gebracht wird, interessiert die behördlich hochalimentierten Schul-Experten offensichtlich nicht. Eine solchermaßen um die eigene Jugend betrogene Jugend wird sich irgendwann rächen.

Heinrich Heine verdanken wir eine bemerkenswerte Beobachtung dieses „Gelichters“, das für den Niedergang der sprachlichen Kultur verantwortlich ist. In seiner „Vorrede der französischen Ausgabe der Lutezia“ (1855) schreibt Heine über die Kulturzerstörer:

„In der Tat, nur mit Grauen und Schrecken denke ich an die Zeit, wo jene dunklen Ikonoklasten (gemeint sind die Kommunisten) zur Herrschaft gelangen werden. (…) Sie zertrümmern all jene phantastischen Schnurrpfeifereien, die dem Poeten so lieb waren; sie hacken mir meine Lorbeerwälder um und pflanzen darauf Kartoffeln; die Lilien, welche nicht spannen und arbeiteten und doch so schön gekleidet waren wie König Salomon, werden ausgerauft aus dem Boden der Gesellschaft. (…) Die Nachtigallen, die unnützen Sänger, werden fortgejagt und ach! Mein Buch der Lieder wird der Krautkrämer zu Düten verwenden…“.

Was Heine vom entfesselten Kommunismus befürchtete, erledigen heute – mephistophelisch elegant und effektiv – die willigen Helfer von der pädagogischen Pisa-Front.

„Lesen durch Schreiben“ – ein Irrsinn! Was sollen unsere Kinder denn noch tun, um in der Schule für das spätere Leben zu lernen?

Gerade wird ein weiterer Sargnagel in unsere Bildungsrepublik getrieben: In den ersten drei Jahren der Grundschule sollen die Kinder lernen, zu schreiben, wie sie hören. Also nicht orthographisch richtig, sondern nach Gehör. „Ahbent“ oder „sex Richtige“ oder Gachten (Garten) oder, oder… Es drohen irreparable Schäden an den kleinen hilflosen Wesen. Aber das hatten wir ja schon bei der Mengenlehre.

Diese „reformpädagogische“ (man kann das Wort nicht mehr hören) Methode „Lesen durch Schreiben“ erscheint schon im Titel unlogisch; denn beide Kulturtechniken müssen gleichermaßen erworben werden und sind nicht austauschbar. Ach, hieß es gerade „gleichermaßen“? Neudeutsch muß es doch wohl richtiger heißen: „gleicher massen“!?

Es ist doch schließlich egal, ob der Arzt zum Patienten sagt: „Alkohol in Maßen!“ oder „Alkohol in Massen“. Von wegen „Reformpädagogik“ und „Rechtschreibreform“!

Das Problem mit den Reformern ist, daß sie allezeit aus den Fehlern ihrer Vorgänger nichts lernen oder schlicht nicht wissen, welche Reformversuche es vor ihnen bereits gegeben hat und mit welchen Ergebnissen. Nachdenken lohnt nicht. „Reformiert“ bloß weiter! zukunfts-weisend ist ja schließlich, daß man im Internet, bei Google oder Wikipedia ezettera mit kleinschreibung genauso zum ziel kommt wie mit großschreibung es kommt eben nicht auf die form sondern auf den sachlichen inhalt an – deutsch hin oder her, gell?

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