Frankreichs Hollande und die Steuer

Ein alter Blödelspruch enthält ein Körnchen Wahrheit: „Was passiert, wenn Du den Sozis eine Wüste schenkst?“ Antwort: „Nach spätestens vier Jahren gibt es keinen Sand mehr.“

Der Spitzenkandidat der französischen Sozialisten, Francois Hollande, bemüht sich redlich, diesem Spruch gerecht zu werden. Er plant, so er zum Präsidenten gewählt wird, den Spitzensteuersatz von derzeit 46,8 Prozent auf 75 % anzuheben. Wir erinnern uns: Vor zehn, fünfzehn Jahren belegte Deutschland einen der schlechtesten Plätze bei Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit. Darauf beschloß die deutsche Politik (unter dem SPD-Kanzler Schröder!) u. a. eine bedeutende Einkommensteuersenkung. Und wie weiland bei Ronald Reagan: Deutschlands Wirtschaft wuchs daraufhin rasant, und die Steuereinnahmen sprudeln kräftig.

Genau das Gegenteil wird Hollande ereilen. Die höheren Steuern werden dazu führen, daß viele französische Gutverdiener auswandern. Aus sozialistischer Sicht hätte das aber einen „lustigen“ Nebeneffekt: Durch die Abwanderung von Kapital sinkt logischerweise das Durchschnittseinkommen. Was bedeutet: Wer in der EU weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient, gilt als „arm“. Nach Hollande erzielte Frankreich also weniger Menschen in relativer Armut, ohne daß das Einkommen der Armen erhöht würde. Einfach ausgedrückt: Statistisch gäbe es weniger Arme. Eine tolle Rechnung, eine großartige Idee. Lang lebe Hollande!