Die Kinder von Auschwitz und Heiko Maas

Auschwitz“Vergiß Deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz”

Ausstellungseröffnung am 22.01.2015 // Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Gastkommentar von M. Sachse, Berlin

Sie waren als Kinder mit ihren Familien nach Auschwitz deportiert worden und wurden noch als Kinder oder Jugendliche – allein geblieben – befreit.

In beeindruckenden Gesprächsprotokollen dokumentiert die Ausstellung “Vergiss deinen Namen nicht” das Schicksal von nach Auschwitz deportierten Kindern und ihren Familien, die nach der Befreiung allein blieben. Diese Ausstellung ist auch Mahnung an die heute lebenden Menschen und ihre Auseinandersetzung mit totalitären Systemen.

Die Ausstellung wurde u.a. vom Bundesminister für Justiz, Heiko Maas eröffnet. Dazu schreibt die “Jüdische Allgemeine” vom 23.01.2015: “Maas rief dazu auf, die Ausstellung »Vergiss Deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz« über die Kinder des Konzentrationslagers zu besuchen. »Ich wünsche mir, dass all jene in die Ausstellung kommen, die am Montag wieder hinter den Parolen von ›Pegida‹ mitgelaufen sind.« Er wünsche sich auch, dass »viele junge Muslime kommen«.” (Quelle: Jüdische Allgemeine vom 23.01.2015)

Unglücklicher Bezug auf Pegida durch Heike Maas

Dabei ist der erneute verallgemeinernde Bezug von Herrn Maas zu Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen ähnlich “unglücklich” wie schon bereits getätigte Aussagen zu Pegida, die hier nicht repetiert werden sollen. Gerade der Respekt vor dem furchtbaren Leid Verfolgter der NS-Diktatur wie auch anderen Diktaturen gebietet es, unsachliche Vergleiche zu vermeiden. Denn es ist natürlich wünschenswert, dass viele die Ausstellung besuchen – nur impliziert die Formulierung “hinter den Parolen von ›Pegida‹ mitgelaufen sind” eben auch eine Vorverurteilung.

Diffamierungen durch Maas

Hier sollte der Minister nicht Ursache und Wirkung verwechseln, denn viele der Bedenken und Sorgen von Pegida-Teilnehmern erinnern gerade an Parallelen zur Weimarer Republik. Dazu gehörte auch der aufkeimende Hass zwischen politisch verfeindeten Gruppen und die Eskalation von Gewalt an Stelle des Dialogs. Die Weimarer Republik hatte als Demokratie versagt und die Machtergreifung Hitlers ermöglicht. Gespräche mit Teilnehmern von Pegida ergeben das Bild einer großen Enttäuschung in Bezug auf Politik und Medien. Sicher muss die Pegida-Bewegung aufpassen, nicht instrumentalisiert zu werden. Das können die Initiatoren nur gemeinsam mit den Teilnehmern leisten. Die Erinnerung an die Diktaturen wachzuhalten und aufgeklärten Bürgern zu vermitteln, ist deshalb besonders wichtig. Diffamierungen und Verallgemeinerungen, wie sie auch von Herrn Maas zu vernehmen waren, fördern den Dialog nicht.

Das sind wir den Opfern und Kindern von Auschwitz schuldig. Der Justizminister mahnte auch eine weitere Aufarbeitung der NS-Verbrechen an. Ja, Aufklärung sollte konsequent sein – auch die Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur, damit sich die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte nicht wiederholen. Gerade bei der Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur hat die Politik noch viel zu leisten.

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