Peterchens (Tauber) Mondfahrt

(www.conservo.wordpress.com)

Von altmod *)

Peter Tauber: Wir sind Christdemokraten

Peter Tauber
Peter Tauber

Peter Tauber – wer? Gibt es den noch?

Wenn man sich zurückerinnert, wie nervtötend und zumutend die hartnäckigen Auftritte von diversen Generalsekretären der buntdeutschen Parteien im Fernsehen sich uns darstellten, muss man dankbar sein, wenn sich da einer mal richtig rar macht.

Aber, fragt man sich dann, darf der nicht mehr? Kann er vielleicht nicht mehr?

Da mache ich mir nun schon Sorgen um meinen ehemaligen Partei- und Fraktionskollegen Peter Tauber.

Zuletzt am 19. April hatte er noch enthusiastisch auf Facebook „gepostet“: „Heute früh war ich im ARD Morgenmagazin …“.

Es ging ihm seinerzeit um die Abgrenzung zur AfD. Seither Funkstille im Äther: Man kann keinen bedeutsamen Auftritt mit etwaigen bedeutsamen Aussagen mehr von ihm im Staatsfunk entdecken.

Ist der „General“ vielleicht wieder im ursprünglichen Mannschaftsdienstgrad angelangt – degradiert worden?

Noch ist er wohl auch für die CDU-Netzseite verantwortlich, und so kann man denn dort ausmachen, was er für die Welt zum Besten gibt.

Nur, wen interessiert aber das, was Peterchen bei „Huffington Post“ zum „Brexit“ sagen wollte?

Nun hat ihm der Berliner „Tagesspiegel“ Gelegenheit gegeben, sich wieder mal zu Grundsätzlichem – fernab schnöder Tagespolitik – zu äußern.

Und so teilt die Pressestelle der CDU Deutschlands mit: Im „Tagesspiegel am Sonntag“ (Ausgabe vom 10. Juli 2016) wurde ein Gastbeitrag von CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber veröffentlicht, mit dem Titel „Dem Konservativen auf der Spur“.

Da war ich dieserfalls schon gespannt, welche tiefschürfenden Erkenntnisse uns da kundgetan werden.

Peter Tauber lässt uns wissen, es sei ein „beliebtes Lamento, dass das Konservative als eine der drei Wurzeln der CDU derzeit in der Partei nicht den Stellenwert einnehme, den es einst – vertreten durch Köpfe wie Alfred Dregger – innehatte.“ Er hält diese Behauptung – das Lamento – für falsch.

Er kokettiert auch damit, dass man ihn seinerzeit bei seiner Generalsbeförderung als Konservativen ausgemacht hätte:

„Dies war nicht nur manchen Überzeugungen, die ich vertrete, geschuldet, sondern wurde auch damit begründet, dass ich aus Hessen komme. Man bezeichnet die hessische CDU gerne als konservativ und schreibt ihr gewisse Eigenschaften zu: Zuverlässigkeit und Geschlossenheit zum Beispiel …“

Erstaunlich, wie er dann den Bogen findet, daß Volker Bouffier, auch ein „profilierter Konservativer“, die erste funktionierende schwarz-grüne Koalition instituierte.

Die folgenden Sätze des „Generalsekretärs“ der Merkel-CDU muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

„Erstens zeigt schon dieses Beispiel, dass in der Theorie die Verortung des Konservativen heute so leicht nicht ist. Und zweitens braucht es für ein schwarz-grünes Bündnis ganz praktisch gerade die Konservativen in der CDU. Inhaltlich sind Grüne und Schwarze in vielen Fragen nach wie vor weit auseinander. Umso wichtiger ist eine Haltung, die dem Konservativem zu eigen ist, wenn es um den Blick auf die Welt geht. Denn während der Zeitgeist vielfach eine Unterscheidbarkeit von verschiedenen Positionen verhindert und eine falsche political correctness zur Sprachlosigkeit führt, hat der Konservative einen eigenen Standpunkt. Konservative verabsolutieren im Gegensatz zu Sozialisten und anderen, die in geschlossenen Weltbildern denken, ihre Haltung aber nicht. … Im Großen ist die Freiheit der entscheidende Wert für Konservative, aber keine Freiheit von etwas, sondern eine Freiheit, die zur Verantwortung befähigt: für sich selbst, für andere und für das eigene Vaterland. Im Kleinen ist es der Satz, den viele noch von ihren Eltern lernen: „Das macht man nicht.“ Eine Haltung; nicht nur die Akzeptanz von Regeln, sondern die Einsicht in deren Notwendigkeit und das Einhalten solcher auch dann, wenn kein anderer sieht, dass man sie bricht; Rücksicht und Respekt; die Bereitschaft, sich zurückzunehmen, Entscheidungen und Veränderungen zu akzeptieren, auch wenn sie nicht der eigenen Überzeugung entsprechen; die Bereitschaft zu dienen: das ist konservativ.“

Wenn ich mich da an so manche Ansichten des jungen Peter Tauber erinnere, muss er wohl doch ein „Konservativer“ sein, musste er doch etliches in seinen Ansichten inzwischen außer Kraft setzen, „Entscheidungen und Veränderungen … akzeptieren“, die nicht seinen (einstigen?) eigenen Überzeugung entsprechen. Hat er Kröten geschluckt oder ist er, wie schon viele in seinem Umfeld vermuteten, nur ein kaltblütiger Opportunist, wenn es um Posten geht. In dieser Relation ist er ja doch zu den „richtigen Politikern“ zu zählen.

Peter führt weiter aus, dass die „Leitkultur“ sich die CDU schon 2007 in ihr Grundsatzprogramm geschrieben habe und „alle Entscheidungen zum Asylrecht, zur inneren Sicherheit und zur Integration fußen darauf.“ Für Christdemokraten sei klar, „dass wir unser Land lieben, stolz auf Deutschland sind, aber dass das C eine klare Grenze nach rechts setzt. Auch diese Standortbestimmung verdankt die Partei den Konservativen.“

Die abschließende Botschaft lautet:

„Die CDU ist deshalb eben nicht nur eine konservative Partei. Wir sind Christdemokraten. Das christliche Menschenbild ist die Grundlage unserer politischen Überzeugungen und speist unsere drei Wurzeln: die christlich-soziale, die liberale und die konservative. Alle drei sind gleichermaßen wichtig. Alle drei müssen gleichermaßen gepflegt werden. Und darum haben Konservative nicht nur ihren Platz in der Union. Es braucht sie.

Der Mut, das Notwendige zu tun, um das zu bewahren, was einem lieb und teuer ist, also auch zu Veränderungen bereit zu sein, ja sie sogar anzutreiben, ist ebenfalls konservativ. Genau das wird die Union im 21. Jahrhundert leisten müssen. Dafür braucht es das Konservative …“

Da wird es einem ganz wirr im Kopf über das, was Peter Tauber daherschwurbelt, wenn man dies in reale Zusammenhänge setzt.

Wir lesen wohl Peterchens Mondfahrt!

Im Realen können weder aktuell politisch Interessierte, noch weniger früher engagierte Parteigänger der CDU noch Christlich-Soziales, Konservatives, Liberales mehr dort erkennen. Da kommt man zum Problem des Definitorischen bei diesen Begriffen. Der Organisationsführer dieser angeblich konservativen Partei darf sich natürlich erlauben, die definitorische Herrschaft über bestimmte Begriffe zu beanspruchen. (Warum kommt mir da das unsägliche Diktum von Hermann Göring in den Sinn: „Wer Jude ist, bestimme ich!“?)

Ich nehme mir mal einige der Floskeln vor, welche Peterchen für seine Partei und seine Weltsicht in Gebrauch nimmt.

Zuverlässigkeit und Geschlossenheit

Wo war das zu erkennen, als die Medienmeute über den angeblichen Antisemiten Martin Hohmann herfiel. Ein erfolgreicher konservativer Politiker wurde, obwohl es sich nachweislich um eine dreiste Kolportage handelte, wie ein räudiger Hund aus der Partei gejagt. Keiner der Prominenten aus der hessischen CDU stand auf, um ein verdientes Parteimitglied zu unterstützen. Peter Tauber, seinerzeit JU-Vorsitzender in Hessen hat gekuscht, den Schwanz eingezogen (wobei es bei ihm wohl nicht viel einzuziehen gibt).

Wie zuverlässig ist eine Partei, die um der Anbiederung an den Zeitgeist willen, aus Machtkalkül von heute auf morgen „per ordre de mufti“ („per ordre de Mutti“) Parteitagsbeschlüsse und Grundsätze über Bord wirft.

1990 hatte die CDU 790 000 Mitglieder. Im Jahr 2000, als Merkel Parteivorsitzende wurde, noch 630 000. In Folge der angeblichen „Zuverlässigkeit und Geschlossenheit“ gibt es heute noch etwa 450 000 CDU-Mitglieder.

Dass der Hesse Bouffier ein Konservativer sein soll, halte ich für ein Gerücht. „Wer mit dem Teufel Karten spielt, stinkt nach Schwefel“ sagt der Volksmund. Und Bouffier hat sich mit der schlimmsten überlebenden Verkörperung der „68er-Revolution“ eingelassen, den Grünen. Wenngleich die in Hessen – oder auch in BaWü – Kreide gefressen haben könnten.

Wegen des „konservativen Blicks auf die Welt“, den Peterchen reklamiert?

Zeitgeist und political correctness

Political correctness führe zu „Sprachlosigkeit“. Wie wahr!

Was tut die CDU dagegen? Es braucht doch gar nicht weiter ausgeführt werden, wie gerade die CDU sich dieser linken Direktive unterworfen hat und in Sprachlosigkeit erstarrt ist gegenüber Multikulturalismus, Gender-Indoktrination und Sprach-Manipulation. Man kennt einziges Beispiel, daß sich die offiziöse CDU gegen diese Ausgeburten aus der Giftküche der Frankfurter Schule noch aktiv und kämpferisch gewandt hätte. Die CDU hat inzwischen nur einen Standpunkt bewiesen, den des linken Zeitgeistes. Der „Kampf gegen rechts“ hat mehr Gewicht in dieser CDU, als der Kampf gegen linksextremistische, kultur-marxistisch geprägte Organisationen und Aktionen mit totalitärer Prätention und Zerstörung der Reste von freiheitlich, rechtsstaatlicher, demokratischer Ordnung.

Freiheit, die zur Verantwortung befähigt

Wo lässt dies die offizielle Politik der CDU – z.B. im außenpolitischen Terrain – noch erkennen. Man pflegt – eigentlich ungebrochen seit Adenauers Zeiten – das unkritische „transatlantische“ Vasallentum; heute mehr noch als zu den Anfängen der alten CDU. Man reiht sich ein in den Kreis der aggressiven Agitatoren gegen den angeblich wiederentstandenen Feind aus dem Osten Europas.

Leitkultur, Asylrecht und christliches Menschenbild

Wie passt das zusammen: einerseits dem Volk eine Bindung zu einer deutschen Leitkultur vorzugaukeln und dann die Heimat und das Land brutal der Flutung durch Fremdes und eine aggressive Religion zu öffnen; sehenden Auges die Zerstörung der beschworenen „Leitkultur“ zuzulassen.

Das „Christliche Menschenbild“ ist für mich zur ärgerlichsten gebrauchten Phrase dieser Partei geraten. Es ist durch die CDU, abseits von allen philosophischen oder soziologischen Deutungsversuchen, zu einem „Wieselwort“ geworden.

Das wäre einer eigenen Betrachtung wert, die aber den Rahmen des Beitrags hier sprengen würde.

Auf der Netzseite der CDU findet man in Bezug auf die aktuellen Ereignisse von Nizza folgende Mitteilung:

“ Nous pleurons Avec vous”.

Wir weinen mit euch.

CDU“

Wie konnte diese einstmals große und bestimmende politische Gruppierung in das Banale und den politischen Kitsch abdriften?

Es ist tatsächlich zum Weinen …

*) „altmod“ ist Blogger (altmod.de), Facharzt und Philosoph sowie regelmäßiger Kolumnist bei conservo
www.conservo.wordpress.com   20. Juli 2016
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