Putin sei “Dank”: NATO mit neuem strategischen Konzept “auferstanden aus Ruinen”!

Peter Helmes

Der NATO-Gipfel in Madrid war ein – wenn auch vorläufiger – Kulminationspunkt der wiedergewonnenen transatlantischen Führungsstärke. Hätte Wladimir Putin nicht seinen mörderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen, wäre die Gipfelveranstaltung womöglich so etwas wie ein Treffen alter Freunde geworden, die aus Gewohnheit an ihrer Verbindung festhalten, aber sich ein bißchen verloren haben.

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beispiellose Attacke des russischen Präsidenten auf die Friedensordnung in Europa hat der schon gelegentlich für „hirntot“ erklärten westlichen Verteidigungsallianz ihren Daseinszweck auf eine Art und Weise in Erinnerung gerufen, die sich in Europa und gerade in Deutschland viele nicht mehr vorstellen konnten oder wollten – trotz der Annexion der Krim 2014. In Zeiten der Bedrohung und Unsicherheit hat sich das Bündnis keineswegs als „hirntot“ (Macron)  erwiesen.

Das neue strategische Konzept der NATO richtet das Bündnis auf die heutige Realität der internationalen Beziehungen aus. Russland sei eine direkte Bedrohung. Chinas Zwangspolitik unterhöhle die regelbasierte internationale Ordnung. Fazit des Gipfels: Das Bündnis erlebt eine Auferstehung, die bis vor kurzem unvorstellbar schien.

Aufnahme Finnlands und Schwedens

Die beiden Beitrittskandidaten Finnland und Schweden können mit baldiger Aufnahme rechnen. Das war (so schnell) von niemandem erwartet worden. Sollte die Türkei tatsächlich bei ihrer Zustimmung bleiben – und die Neuaufnahmen von allen NATO-Parlamenten bejaht werden – wäre dies ein Erfolg, der die NATO direkt stärkt. Denn die beiden skandinavischen Länder verstärken im echten Sinne des Wortes die Sicherheit des Bündnisses, da sie selber robuste Streitkräfte einbringen.

Stärkung der Verteidigungsfähigkeit

NATO-Generalsekretär Stoltenberg legte eine Planung vor, die u.a. vorsieht, die bislang rund 40.000 Soldaten umfassende Eingreiftruppe NRF durch ein neues Streitkräfte-Modell mit mehr als 300.000 schnell einsatzfähigen Kräften zu ersetzen. Sie werden in ihren eigenen Ländern stationiert, aber bestimmten Staaten zugewiesen und mitverantwortlich sein für deren Verteidigung. Deutschland könnte sich an diesen verstärkten Eingreifkräften zunächst mit 15.000 Soldaten beteiligen. (Die 300.000 sind eine Zielvorgabe.)

Historische Zäsur

Die NATO verstärkt ihre Ostflanke. erstmals werden sogar amerikanische Soldaten permanent in Polen stationiert. Somit wird sie ihren Schutzschirm nach Nordeuropa ausdehnen, womit auch diese Region sicherer wird – und die Ukraine erhält weiter Unterstützung. Mit der Aufnahme von Finnland und Schweden in die NATO bekommen es die Russen erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem wirkungsvoll gesicherten Nordeuropa zu tun.

Weiter südlich erhält Polen ein neues US-Kommando, wichtig auch für die Verteidigung des Baltikums. In Deutschland sollen wieder mehr amerikanische Soldaten stationiert werden. Im Süden Europas hat sich die Türkei trotz trickreicher Volten um die Aufnahme der Skandinavier letztlich klar zur Allianz bekannt.

Daumen hoch, aber doch sehr “gequält!”

Für den russischen Präsidenten ist das eine politische Schlappe. Schließlich hatte er noch vor dem Überfall auf die Ukraine gefordert, die NATO dürfe keine neuen Mitglieder aufnehmen und solle ihre Truppen aus den östlichen Mitgliedstaaten zurückziehen. Daß sich die NATO-Mitglieder nun hinter dem Feindbild Russland versammeln, Putin also ausgerechnet das bekommt, was er verhindern wollte, hat er sich selbst zuzuschreiben.

Die Aufnahme Schwedens und Finnlands ist für die NATO ein immenser strategischer Gewinn: Das Bündnis der bald 32 Staaten deckt jetzt den Großteil Europas von Nord bis Süd komplett ab, kontrolliert damit auch den Ostseeraum und kann über die maritime Präsenz das Baltikum, das sich von Russland besonders bedroht fühlt, besser schützen – eine historische Zäsur!

Und nun noch einige grundlegende Informationen zur NATO

Die NATO (North Atlantic Treaty Organization) ist ein wichtiges Verteidigungsbündnis, dessen Zweck es ist, „Freiheit und Sicherheit ihrer Mitglieder zu garantieren“ – mit politischen und militärischen Mitteln. Derzeit hat das Staatenbündnis 30 europäische und nordamerikanische Mitgliedstaaten. Seit 2014 ist der Norweger Jens Stoltenberg Generalsekretär.

Gründung zum Schutz vor der Sowjetunion

Gegründet wurde der Nordatlantik-Pakt 1949 von zwölf Staaten, um sich vor allem vor der Sowjetunion zu schützen. Erst 1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland Mitglied des Bündnisses. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurde kurz darauf in den sogenannten Warschauer Pakt aufgenommen, des von der Sowjetunion dominierten osteuropäischen Bündnisses. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes 1991 streben die meisten Länder Ostmitteleuropas in die NATO. Nach den Erfahrungen als Vasallenstaaten der Sowjetunion suchten sie Sicherheit vor dem Nachfolgerstaat, der Russischen Föderation. 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn der NATO bei und 2004 Bulgarien, Estland, Lettland Litauen, Rumänien, Slowakei sowie Slowenien.

Putin, die NATO und die Osterweiterung

1990 haben die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratischen Republik sowie Frankreich, die Sowjetunion, Großbritannien und die USA in den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen die deutsche Wiedervereinigung verhandelt. Entgegen der Behauptung des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat es im Rahmen dieser Verhandlungen kein Versprechen der NATO an Russland gegeben, sich nicht nach Osten auszudehnen. Es gibt vereinzelte Äußerungen westlicher Diplomaten in diese Richtung, aber eine solche Zusage stand weder auf einer Verhandlungsagenda noch war sie Gegenstand einer Vereinbarung.

Wann greift die NATO militärisch ein?

Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis und vor allem präventiv für Frieden und Sicherheit aktiv. In Artikel 5 des Nordatlantikvertrages ist die Beistandspflicht festgehalten. Wenn ein Mitgliedsland angegriffen wird, verpflichten sich die Verbündeten zur Verteidigung des jeweiligen Bündnispartners. Dieser Bündnisfall muss vom NATO-Rat, das heißt von allen Partnerländern, beschlossen werden. Bisher war dies nur einmal der Fall, nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Infolgedessen begann bereits im Oktober die militärische Intervention „Operation Enduring Freedom“ in Afghanistan.

Artikel 5 des Nordatlantikvertrages vom 4. April 1949:

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten. Vor jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten. (…)

Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten. Vor jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten. (…)

Die NATO selbst hat zwar einen Apparat in Brüssel, das NATO-Hauptquartier, aber kaum eigene Ressourcen (Ausnahme: Das Awacs-Luftüberwachungssystem). Die Mitgliedsländer stellen für gemeinsame Manöver und Einsätze Truppen und Material zur Verfügung. Es gibt außerdem gemeinsame Standards und Alarmpläne.

Änderung der sicherheitspolitischen Lage seit dem 24. Februar 2022

Das NATO-Bündnis verurteilt den Angriff Russlands und unterstützt die verhängten Sanktionen gegenüber Russland. Da die Ukraine aber kein Mitglied der NATO ist, greift das Bündnis nicht militärisch auf ukrainischem Boden ein. Die NATO löste aber ihre Verteidigungspläne aus und erhöht den Schutz der Ostflanke massiv. So wurden Teile der NATO Response Force (NRF) verlegt. Diese Eingreiftruppe besteht aus Boden- und Luftstreitkräften, Marineeinheiten sowie Spezialeinheiten mit 50.000 Soldatinnen und Soldaten, von denen Deutschland 13.700 stellt. Die NRF dient dazu, besonders schnell bei Bedarf zur Abwehr akuter Bedrohung einsatzbereit zu sein. Bisher sind rund 40.000 Soldaten im Osten auf Alliiertengebieten stationiert.

Aufstockung der NATO-Eingreiftruppe beschlossen

Auf dem NATO-Gipfel in Madrid (29. Juni) haben die 30 Mitgliederstaaten neben einem neuen Streitkräfte-Modell auch eine deutliche Verstärkung der Ostflanke beschlossen. An der Ostflanke sollen demnach die existierenden multinationalen Gefechtsverbände auf Brigade-Niveau ausgebaut werden. Derzeit umfasst beispielsweise der Verband in Litauen 1.600 Soldaten. Eine Brigade besteht in der Regel aus etwa 3.000 bis 5.000 Soldaten. Deutschland hat bereits angekündigt, dass es die Kampftruppen-Brigade in Litauen führen will.

NATO-Brigade in Litauen: Stoltenberg lobt Deutschland

Auch will die NATO künftig mehr Soldaten in hoher Einsatzbereitschaft halten. Dafür soll die bisherige schnelle NATO-Eingreiftruppe NRF durch das neue Streitkräfte-Modell ersetzt. In diesem Zusammenhang ist geplant, dass die Zahl der schnellen Eingreiftruppe von 40.000 auf mehr als 300.000 erhöht werden soll. Diese Truppen sollen in Friedenszeiten in der Regel unter nationalem Kommando stehen, könnten dann aber im Ernstfall vom Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa angefordert werden. Für die Truppen würden zudem feste Zeiten für die Einsatzbereitschaft vorgegeben. Im Gespräch ist, dass manche Einheiten innerhalb von höchstens zehn Tagen verlegebereit sein müßten, andere in 30 oder 50 Tagen. Details für den Ernstfall sollen in neuen regionalen Verteidigungsplänen festgelegt werden, die nächstes Jahr fertig sein sollen.

Deutscher Verteidigungsbeitrag innerhalb der NATO

Auf den NATO-Gipfeln in Prag (2002) und in Warschau (2014) legten sich die NATO-Länder offiziell auf die Höhe der Verteidigungshaushalte fest, die bei zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes liegen sollten. Deutschland hat (neben anderen Mitgliedsländern) dieses Ziel in der Vergangenheit nicht erreicht, obwohl der Verteidigungshaushalt in den letzten Jahren gestiegen ist. Weil die Bundeswehr aber in den 20 Jahren zuvor stark geschrumpft ist und keine nennenswerten Investitionen mehr getätigt wurden, ist der Ausrüstungsstand derzeit desolat. Seit Jahren wird die deutsche Haltung, die Lasten der Verteidigung und Abschreckung innerhalb der NATO anderen aufzubürden, von Bündnispartnern kritisiert. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich diese Haltung maßgeblich geändert. Nun soll der Zustand der Bundeswehr verbessert werden. Vereinbart wurde ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro. Auch die Einhaltung des das Zwei-Prozent-Ziels strebt Deutschland erstmals in diesem Jahre an.

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10 Kommentare

  1. Da muss sich die “konsolidierte” NATO aber beeilen, um den wahrscheinlichen Ausgang der militärischen Intervention noch zu ändern. Aber die NATO arbeitet daran, da sie Friedensgespräche verhindert und durch Waffenlieferungen die Auseinandersetzung künstlich verlängert, ohne den Ausgang verhindern zu können.
    “The main conclusions of the American Institute for the Study of War:

    ▪️The Russian army continues its offensive and has achieved success in capturing the Lisichansk Oil Refinery and around Lisichansk itself.
    The RF Armed Forces have made progress east of Artemovsk (Bakhmut) along the E40 highway and can prepare for a direct attack on Artemovsk.
    ▪️Russian troops continue offensive operations in the direction of Slavyansk from the north-west of the border of the Kharkiv region and the DPR.
    The Russian army continues offensive operations north of Kharkov, indicating that Moscow has territorial ambitions outside of the Donbass.
    ▪️Russian authorities are taking measures for the economic and financial integration of the liberated territories of Ukraine”

    1. Nun, richtig Herr Hütt – es wird sich erst noch erweisen müssen, ob die NATO wirklich so gestärkt aus der Angelegenheit hervorgeht, wie hier suggeriert wird. Putin – wie immer man zu ihm steht – ist kein Dummkopf und wird die unterschiedlichsten Szenarien bedacht haben. Wie auch immer.

      Aber was hier und auch mit diesem Artikel nicht stattfindet, ist die von mir immer wieder betonte differenzierte Betrachtungsweise, die BEIDE Seiten und deren Verursachungsbeiträge in Betracht nimmt.
      Unzweifelhaft haben die USA ja gerade bereits unter der Vize-Präsidentschaft des nun amtierenden Präsidenten spätestens seit 2014 massiven Einfluß in der Ukraine genommen, Biden sogar seinen Sohn da installiert.
      .
      Und auch wird ja auch inzwischen von amerikanischer Seite unumwunden zugegeben, daß es sich in Wahrheit um einen Stellvertreterkrieg der USA mit Rußland handelt, und in diesen hat man Rußland/Putin durch immer weitergehende Provokationen hineingetrieben, namentlich, in dem man die Nato und das Nato-Einflußgebiet geradenwegs auf ‘seiner Türschwelle’ installierte.

      Diese Fakten und andere gilt es fairerweise mit zu beleuchten, wenn man zu einer unvoreingenommenen Betrachtung des Ganzen kommen will. Aber daran mangelt es hier in den diversen Beiträgen doch erheblich, wie so mancher Forist zutreffenderweise feststellt.

      In diesem Zusammenhang möcht ich nochmals hinweisen auf den von mir schon mehrfach angesprochenen renommierten amerikanischen Politologen John Mearsheimer ( hier in einem aktuellen Artikel) – sehr lesenswert!

      June 23, 2022 Topic: Russia-Ukraine War Region: Europe Tags: Russia-Ukraine WarRealismRussiaNATONATO ExpansionLiberalismDonbasCrimea

      The Causes and Consequences of the Ukraine Crisis

      The war in Ukraine is a multi-dimensional disaster, which is likely to get much worse in the foreseeable future.
      by John J. Mearsheimer

      Editor’s note: This speech was given at the European University Institute (EUI) in Florence on Thursday, June 16.

      The war in Ukraine is a multi-dimensional disaster, which is likely to get much worse in the foreseeable future. When a war is successful, little attention is paid to its causes, but when the outcome is disastrous, understanding how it happened becomes paramount. People want to know: how did we get into this terrible situation?
      I have witnessed this phenomenon twice in my lifetime—first with the Vietnam war and second with the Iraq war. In both cases, Americans wanted to know how their country could have miscalculated so badly. Given that the United States and its NATO allies played a crucial role in the events that led to the Ukraine war—and are now playing a central role in the conduct of that war—it is appropriate to evaluate the West’s responsibility for this calamity.
      I will make two main arguments today. ( …. )

      Weiter im Original: h ttps://nationalinterest.org/feature/causes-and-consequences-ukraine-crisis-203182?page=0%2C3

      Weitere Hinweise auf deutsch:
      John J. Mearsheimer: Die USA tragen die Hauptschuld am Ukraine-Krieg

      Der renommierte und vielbeachtete US-Politologe John J. Mearsheimer, der den Ukraine-Krieg schon Jahre vorher prophezeit hatte, hielt am European University Institute (EUI) in Florenz am 16. Juni eine Rede über die Gründe und Konsequenzen des Ukraine-Konflikts. Dabei gab er den Vereinigten Staaten die Hauptschuld am Ausbruch dieses Krieges.

      https://www.pi-news.net/wp-content/uploads/2022/07/maersheimer-e1656839843425-696×396.jpg

      Mearsheimers höchst lesenswerte Rede ist auf Englisch bei National Interest in voller Länge
      abgedruckt, siehe Link oben.

      Was für ein klarer Blick (im Unterschied zum Schwampf hierzulande)!

      Aber zurück zum aktuellen Vortrag Mearsheimer, der so anfängt:
      Erstens sind es die Vereinigten Staaten, die hauptsächlich für die Verursachung der Ukraine-Krise verantwortlich sind.

      Damit soll nicht geleugnet werden, dass Putin den Krieg begonnen hat und dass er für Russlands Kriegsführung verantwortlich ist. Es geht auch nicht darum zu leugnen, dass Amerikas Verbündete eine gewisse Verantwortung tragen, aber sie folgen weitgehend Washingtons Führung in der Ukraine.

      Meine zentrale Feststellung ist, dass die Vereinigten Staaten die Politik gegenüber der Ukraine vorangetrieben haben, die Putin und andere russische Führer als existenzielle Bedrohung betrachten, ein Punkt, auf den sie seit vielen Jahren wiederholt hingewiesen haben. Insbesondere rede ich von Amerikas Besessenheit, die Ukraine in die Nato zu bringen und sie zu einem westlichen Bollwerk an der russischen Grenze zu machen.

      Die Biden-Regierung war nicht bereit, diese Bedrohung durch Diplomatie zu beseitigen, und verpflichtete die Vereinigten Staaten 2021 erneut, die Ukraine in die Nato zu bringen. Putin reagierte mit einem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres.

      Zweitens: Die Biden-Regierung hat auf den Ausbruch des Krieges reagiert, indem sie ihre Maßnahmen gegen Russland verdoppelt hat.
      Washington und seine westlichen Verbündeten sind entschlossen, Russland in der Ukraine entscheidend zu besiegen und umfassende Sanktionen anzuwenden, um die russische Macht stark zu schwächen.

      Die Vereinigten Staaten sind nicht ernsthaft daran interessiert, eine diplomatische Lösung für den Krieg zu finden, was bedeutet, dass sich der Krieg wahrscheinlich noch Monate, wenn nicht Jahre, hinziehen wird. Dabei wird die Ukraine, die bereits schwer gelitten hat, noch größeren Schaden erleiden.

      Im Wesentlichen haben die Vereinigten Staaten dazu beigetragen, die Ukraine auf diesen falschen Weg zu führen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass der Krieg eskaliert, da die Nato in die Kämpfe hineingezogen wird, und dass Atomwaffen eingesetzt werden…

      h ttps://www.pi-news.net/2022/07/john-j-mearsheimer-die-usa-tragen-die-hauptschuld-am-ukraine-krieg/

      DAS ist es, was unter differenzierter Betrachtung zu verstehen ist – die Verursachungsbeiträge und die Verantwortung BEIDER Seiten in den Blick zu nehmen!

  2. Herr Peter Helmes
    1990 haben die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratischen Republik sowie Frankreich, die Sowjetunion, Großbritannien und die USA in den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen die deutsche Wiedervereinigung verhandelt.

    Bitte keine Geschichtsfälschungen, die Alliierten haben nicht über die Wiedervereinigung verhandelt, sondern über den Beitritt der DDR(SBZ Mitteldeutschland)zur Westzone BRD.

  3. Entschuldigen Sie Herr von Laack,

    hier hatte ich den “Falschen ins Tor gehängt”. Herr von Laack: Fortiter in re, suaviter in modo”. Ich arbeite mich nicht an Ihnen persönlich ab. Sollte dieser Eindruck entstanden sein, entschuldige ich mich. Auch mein wertgeschätzter Herr Helmes kann sich offensichtlich nicht frei machen von transatlantischen Utopien und Wunschvorstellungen. Hier noch eine weitere Entwicklung die der Stellvertreterkrieg nach sich zieht und die politische Achse nachhaltig verschiebt: “European countries are facing a serious new shock as a result of a reduction in natural gas supplies from Russia, which could further increase inflation in the region and push the eurozone’s largest economy, Germany, into recession, Deutsche Bank experts say.” Das illiberale EU Konstrukt wird an diesen Entwicklungen zerschellen. Der Niedergang dieser Beamtenaristrokatie ist Sterben von seiner schönsten Seite.

  4. Lieber Herr van Laack,

    versuchen Sie doch nicht immer Ihre politische Weltsicht, die leider wenig faktenbasiert ist, uns mitzuteilen.
    Hier ein kleiner Auszug aus einer Einschätzung US amerikanischer Militärexperten über die tatsächliche geostrategische Entwicklung.
    “China considers Russia the main ally in the current geopolitical situation

    The head of the American intelligence: China supports the special operation and helps Russia in its conduct in Ukraine

    Chinese authorities are providing Russia with “behind-the-scenes assistance in various ways” against the backdrop of a special operation in Ukraine, said Avril Haynes, director of national intelligence of the United States. “What we are seeing is that China is helping Russia behind the scenes in various ways. Sometimes it’s more obvious, and sometimes it’s less obvious. If we do not take into account the official statements of the PRC, we can definitely conclude that China considers Russia to be its main ally. This is a bad signal for us,” the head of intelligence said. Aber ich toleriere Ihre offensichtlich vom Mainstream geprägte Meinung. Mit Analyse und Realitätsbeschreibung hat das nichts zu tun. Die USA führen eine Proxykrieg auf Kosten der Ukraine gegen Russland. Das Ende ist absehbar und der Westen verliert die Kontrolle. Schauen Sie sich einmal an, was auf dem Energiemarkt passiert ist. Die BRICS Staaten decken sich mit russischem Öl zu Vorzugspreisen ein. Und Indien verkauft uns dann Überschüsse zu einem hohen Preis. Reden Sie doch einmal von den 41 Bio-/Biowaffenlaboren, die unter dem Radar des amerikanischen Senats, von Strohfirmen von Hunter Biden in den letzten 10 Jahren in der Ukraine finanziert wurden. Reden Sie doch einmal darüber, dass die Ukraine der dritt korrupteste Staat der Erde ist. Reden Sie doch einmal darüber, dass die Ukraine eine internationale Drehscheibe für Prostitution und Menschenhandel ist. Reden Sie doch einmal darüber, dass die Ukraine neben Zypern, Malta – vormals Afghanistan – die Geldwäscheentität für korrupte Politiker, Oligarchen und politische Parteien, wie die US Demokraten, ist. Haben Sie schon einmal etwas über den “Laptop from Hell” von Hunter Biden gehört?! Herr von Laack, bitte gehen Sie informierter und objektiver vor. Folgen Sie dem Beispiel von Herrn Helmes.

  5. Lieber Peter,
    bevor du so einen einseitigen Beitrag schreibst, bitte zitiere auch Art.51 und das Recht auf
    Präventivschlag.
    Im Falle eines Präventivschlages – entfällt Art.5
    HG

      1. Frau Geissler,
        habe ich sie um ihre Meinung gefragt, dass sie überall ihren “Senf” dazugeben?
        Danke

      2. Herr Facherfahrener,
        Soweit ich weiss nicht. Jedoch, leider für Sie, steht es mir frei um auf einem offenen Blog meinen “Senf” abzugeben.
        Übrigens gestehe ich, das sei bedauerlich für denjenigen, der ihn nicht mag…
        Aber was kann man dafür, nicht?:

        “Jaja, das Leben, das ist immer heiter:
        Man flucht und schimpft… und lebt gemütlich weiter”
        (Claire Waldoff – “Das Lied von der Harfenjuhle”)

  6. “Hätte Wladimir Putin nicht seinen mörderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen, wäre die Gipfelveranstaltung womöglich so etwas wie ein Treffen alter Freunde geworden, die aus Gewohnheit an ihrer Verbindung festhalten, aber sich ein bißchen verloren haben.”

    Gerade das ging mich in den vergangenen Tagen auchdurch den Sinn, Peter!
    Es ist noch sehr gut möglich, dass Putin sich ebenso gedacht hatte, die NATO sei ja durch den Jahren derart stark geschwächt – strategisch sowie moralisch – dass er sich dem Angriff auf der Ukraine ruhig leisten könnte, weil das Westen sich am Ende nichts unternehmen trauen würde. Aber das hat jetzt doch ein wenig anders ausgepackt…
    Ebenso mit Finnland und Schweden: Jahrenlang konnte er ihnen dazu bringen, ‘neutral’ zu bleiben, aber tja…Wenn man dann selbst agressiv agiert…
    Wahrhaftig, es gibt noch Hoffnung! Und wer kann das wieder am Besten auseinandersetzen? Du!

    Egal, was Manche hier auf dem Blog darüber mal wieder zu nörgeln haben, m i c h freut es auf jeden Fall!

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