Synodaler Weg: Vorbote und Wegbereiter der linksgrünen Staatskirche

Michael van Laack

„Domine, quo vadis?“ (Herr, wohin willst Du gehen?“ fragt der Apostel Petrus im Johannes-Evangelium (13, 36). Christus antwortet: „Quo vado, non potes me modo sequi, sequeris autem postea.“ „Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.“

Während Petrus im Unklaren gelassen wurde über Weg und Ort (Ziel), liegen die Etappenziele des „Synodaler Weg“ genannten Prozesses der römisch-katholischen Kirche Deutschlands ebenso klar vor uns wie der Zustand, in dem wir diese Kirche beim Überschreiten der imaginären Ziellinie sehen werden.

Während Christus dem Petrus erklärte, er könne ihm jetzt noch nicht folgen, fordern im Gegenteil die Auctores dieses Prozesses (DBK und ZdK) die Gläubigen auf, zu folgen, zu begleiten, ja gar – um im Bild zu bleiben – den Apostelnachfolgern vorauszugehen wie einst Christus. Die heute Vorausgehenden aber sind nicht „wahrer Gott und wahrer Mensch“, oft sind sie Feinde der Lehre, Feinde der Kirche, die sich durch die Institutionen geschlichen haben und nun – da sie Legion geworden sind – ihre Masken der Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit fallen lassen.

Das lange Leiden: Vom erfolgreichen Arzt zum Wachkoma-Patienten

Seit mehr als 50 Jahren befindet sich die Kirche im Niedergang, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Quantitativ lässt sich das ohne Konfessionswechsel freilich in kaum einem Land so präzise festmachen, wie bei uns; denn Kirchenaustritt und die damit verbundene Exkommunikation ist deutsches Sonderrecht.

Gäbe es also in Deutschland gar keine Kirchenkrise, wenn sich nicht an Zahlen festmachen ließe, wer ihr den Rücken kehrt, wer „austritt”? Ist also die eingetretene Panik über den Mitgliederschwund und die verzweifelte Suche nach mehr „Glaubwürdigkeit“, neuen Strukturen, dem Aufgeben traditioneller Lehre einzig diesem Phänomen geschuldet? Erklärt sich daraus vielleicht gar die Vorreiter-Rolle zahlreicher deutscher Bischöfe, in der Weltkirche Reformen durchzusetzen (notfalls im vorauseilenden Gehorsam wie Bätzing und Marx immer wieder andeuten), auf das am deutschen Katholikenwesen auch die Weltkirche genese?

Nein, aber zweifellos beschleunigt dieser Faktor zusammen mit der Tatsache, dass Deutschland das Land der Reformation ist, (ohne die es weder eine anglikanische Staatskirche noch evangelikale Sekten in Nord- und Südamerika gäbe, ohne die vermutlich weder die Vereinigungskirche Sun Myung Moons in Asien noch die fast zeitgleich 1954 gegründete Scientology Church Ron Hubbards existieren würden) den Willen zu – man möchte fast schreiben – „gnadenloser“ Umgestaltung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, Teilen der Industrieländer des Westens und vielen Ortskirchen Südamerikas.

1969: Der Niedergang beginnt

Während die evangelischen Gemeinschaften schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einen kontinuierlichen, wenn auch geringen Abwärtstrend sahen, blieb die römisch-katholische Kirche stabil. Oft gar mit steigenden Werten, weltweit wachsenden Priesterzahlen und Ordensberufungen. Überall zeigte der Pfeil bei den Katholiken nach oben oder zumindest nach vorn.

Von 1962-1965 hatte die Weltkirche ein Konzil abgehalten, hatte sich in den Dokumenten neu (aber multi-rezipierbar) zum Liberalismus, zur Religionsfreiheit, zur Liturgie usw. aufgestellt. Wie es nun mal so ist im wirklichen Leben: Gibt es keine klaren Ansagen, hört und liest jeder das, was er will und zieht entsprechende Schlussfolgerungen. So geschah es auch nach dem Konzil. Im Westen fiel diese Entwicklung zeitlich mit dem Erstarken der außerkirchlichen neuen politischen und philosophischen Bewegungen zusammen. Kirche und Gesellschaft in einem zeitgleichen Reformprozess (Krisis). Zwangsläufig musste es zu Überschneidungen kommen, zu gegenseitiger Befruchtung, zu einem Dominoeffekt. Denn niemals laufen zwei systemische Krisen innerhalb desselben Konglomerats nebeneinander ohne Überlappung ab.

So sehen wir die katholische Kirche des Jahres 1969, in der die Reform eigentlich erst beginnen sollte mit der Einführung der neuen Liturgie (in Muttersprachen und mit Zelebrationsrichtung aufs Volk) bereits in Aufruhr. Ebenso die Benelux-Staaten, Frankreich, die Schweiz, Österreich; jene Länder, deren Vertreter auf dem Konzil bereits den meisten Reformdruck ausgeübt hatten, die wohl das Gären in der Gesellschaft früher erspürt hatten als manch andere.

Innerhalb von vier Jahren (1965-69) sehen wir einen Niedergang der Ordensgemeinschaften (bis zu 25% Verlust), zahlreiche Priesterlaisierungen und einen Rückgang der Berufungen. Auf die Zahl der Gläubigen hatte das noch keine Auswirkungen. Grund: Man wünschte sich eine Versöhnung zwischen Kirche und Welt in Form des politischen Marxismus, eine Liberalisierung… nein ein Totalaufgabe christlicher Morallehren. Vielen Klerikern ging das nicht schnell und konsequent genug. Deshalb ließen sie sich laisieren, lang bevor die Krise inmitten der Gemeinden ankam.

Reförmchen folgt Reform folgt Reförmchen… Keine Trendwende in Sicht

Seitdem nur Negativschlagzeilen. In Deutschland wurde ein Rätesystem der Laien installiert, dass vom Gemeinderat bis zum Zentralkomitee reicht und nicht nur von der Namensgebung her seine Wurzeln in den Ideen der 68er hat; auch wurde die Beteiligung der Laien an der „Gestaltung“ der Liturgie erweitert, Laien-Theologen ohne Priesterweihe leiten zumindest inoffiziell mittlerweile Gemeinden; „verstaubte“ Andachtsformen wurden liquidiert, das Sakrament der Beichte als nicht zeitgemäß in vielen Pfarren ebenso.

Man veranstaltet getrennte Gottesdienste für jede Altersgruppe, weil den jeweiligen Gruppenmitgliedern die Teilnahme an einem gemeinsamen Gottesdienst nicht mehr zuzumuten sei. Jene, die immer vor Spaltung der Kirche warn(t)en, waren und sind die eigentlichen Spalter. Sie spielten und spielen (heute noch weitaus mehr) die einzelnen Generationen gegeneinander aus. Darüber hinaus debattiert man seit Jahrzehnten offen über Themen wie Zölibat, Priestertum der Frau, Ehe-Lehre, Homosexualität, Verhütung, Abtreibung, Euthanasie. – Nein, man debattiert nicht, man streitet sich auf offener Szene. Unterstützt von den durchgängig kirchenfeindlichen MSM ist der jeweils Schuldige schnell ausgemacht: Es ist immer die- bzw. derjenige, der von beiden Positionen die „konservativere“ vertritt.

Seit über 50 Jahren jagt Experiment, eine Aufweichung, eine Wegnahme, eine theologische Feldschlacht auf offener Szene die nächste. Und was ist das Ergebnis?

“Synodaler Weg“ – Kopulation mit dem Sozialismus und dem Öko-Faschismus

Seit 1969 sehen wir die katholische Kirche Deutschland sowie auch in den oben bereits angeführten liberalen Staaten überdurchschnittlich im Vergleich zur Weltkirche niedergehen. Kirchenaustritte in anfangs noch fünf-, seit einigen Jahren sechsstelligem Bereich jährlich, weniger Taufen als Todesfälle, zurückgehende Firm- und Ehesakramente (Kirche verliert also sehr viele schon in jungen Jahren), kaum mehr Priesterweihen und Ordensberufungen.

Die Kirche steht vor einem Scherbenhaufen. Nicht erst seit den Missbrauchs-Skandalen; nicht erst, seitdem der angebliche Limburger „Protzbischof“, der weitaus weniger Geld „verschwendet“ hat, als es die Leiter der deutschen Erzbistümer seit Jahren tun, öffentlich zerrissen wurde. Wir sehen also eine Kirche, die von immer weniger Menschen gebraucht wird, so wie sie aktuell verfasst ist. Eine Kirche, die sich dem Staat andient, wie es seit den Tagen des Reichsbischof Müller während der Non-Vogelschiss-Periode nicht mehr gesehen wurde:

Linientreu plappert man die Forderungen der Bundesregierung und der EU-Kommission zu Migration, Klimawandel, Corona, Geldpolitik und „Kampf gegen Rechts“ nach… Nein, man will zeigen, dass man es ernst meint und geht deshalb sogar in die Vorreiterrolle. AfD-Mitarbeitern, Mitgliedern und Sympathisanten kein Brot, kein Arbeitsplatz in einer katholischen Einrichtung, keine Mitgliedschaft in Laienräten. Mitgliedern von “Die Linke” wird allerdings stets ein “Welcome” entgegengerufen.

Gebt Mohammed, was Christus gehört!

Dass der Islam zu Deutschland gehört, beweist man, in dem man ihn zum Teil des Lebens katholischer Gemeinde macht, den Ramadan an zahlreichen Orten andächtig mitfeiert, zu Spenden für Moschee-Neubauten aufruft, Bildungsreferenten untersagt, negativ über Koranverse zu berichten.

Dass die Klima-Ideologie bereits Teil der neuen Religion ist, beweist man ebenfalls gern: Greta, die Prophetin – Greta, dass neue Vorbild für die christliche Jugend, der Freitag als der zweite Feiertag des Christen.

Die Treue zum Staat wurde und wird auch dadurch bezeugt, dass man gegen die „Ehe für alle“ keine Organklage einreichte, – dass man sich arrangiert mit der Fristenlösung, die jährlich 4.000 Schulklassen im Mutterleib zerstören lässt. Auch duldet man die Ausbeutung zahlreicher Menschen durch Leih- und Zeitarbeit, durch kontinuierlichen Mindestlohn, obwohl das mit der Katholischen Morallehre unvereinbar ist. Gender findet man mittlerweile irgendwie voll normal in Deutschland: Ob drei, 19, 456 oder 2.189 Geschlechter, ob eine sogenannte “Schwulenquote” in Priesterseminaren. Alles, um dem Staat zu gefallen; alles um den „Gläubigen“ zu gefallen, die seit Jahrzehnten linksgrün indoktriniert werden von einer postchristlichen CDU, Ökofaschisten und eskortierenden Medien.

Große Zeiten stehen uns bevor…

Der „Synodale Weg“ wird – sollte er bis zum bitteren Ende gegangen werden – die katholische Kirche als mögliche Opposition gegen eine politische Religion (Vorstufe zum Totalitarismus) ausschalten. Weder wird dann ein katholischer Bonhoeffer in Sicht sein noch Organisatoren irgendeiner christlichen “Freiheitsdemo”.

“Meine” Kirche schaltet sich gleich: theologisch, philosophisch, (gesellschafts)politisch, moralisch. Ihr anzugehören, macht keinen Sinn mehr. Möge der Herr den „Synodalen Weg“ verschütten und mit ihm alle, die aus “meiner” Kirche theologisch eine lutherische, philosophisch eine nietzscheanische, politisch eine marxistische und moralisch eine bacchantische machen wollen.

Deshalb unversöhnlich zum Schluss:

“Fahrt zu Hölle!“

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3 Kommentare

  1. Nun, zur Hölle konnte man schon manche Priester schicken. Insbesondere auch manche Bischöfe u. Kardinäle. Und Päpste. Man schaue sich z.B. mal die Luxus- u. Hurenpäpste der Renaissancezeit an. Oder die “Reformpäpste” des 11. und 12. Jahrhunderts… Die ihre “Reformen” mit Macht u. Gewalt durchsetzten u. sich voller Hass auf Andersdenkende stürzten. Auch der von den Tridentinern so hochgepriesene u. heiliggesprochene ??? Pius V. war ein Mann voller Hass allen u. allem gegenüber, die/was nicht seinen Vorstellungen entsprach/en. War das die Nachfolge Jesu?
    Ob nun das II. Vatikanum u. ihre Protagonisten die wirkliche Schuld dafür tragen, dass die katholische Kirche im Abstieg begriffen ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Schon Joseph Ratzinger sagte in den Jahren vor dem Konzil einen Niedergang der sogen. Volkskirche voraus.
    Auch was meine gläubigen Eltern aus den 30er u. 40er Jahren betr. ihrer Erfahrung mit etlichen Geistlichen der kath. Kirche berichteten…es waren Schikanen, menschliche Schikanen einerseits, Schikanen betr. Andersgläubiger andererseits, die sie u. ihre Altersgenossen erfuhren (die es bzgl. letzterem auch auf evang. Seite gab). So konnte es nicht weitergehen.
    Meine Mutter atmete auf, als Papst Johannes XXIII. das Konzil u. seine Ziele verkündete.

    Zur Liturgie u. ihrer Reform nur soviel:
    für mich als junge Heranwachsende war es eine unübertreffliche Erfahrung, als 1. die Priester uns Mitfeiernden nicht mehr ihren Rücken zudrehten, 2. als sie nicht mehr endlos entfernt von uns am Altar standen u. 3. – u. das war das Wichtigste – als sie die Eucharistie sichtbar für die Gläubigen vollzogen.
    Christus ist in der Eucharistie gegenwärtig, auf dem Altar. In der Eucharistie. Und unter den Menschen.
    Nicht entfernt von den Menschen, in Höhe eines Hochaltars. Aber es ist müßig, mit Traditionalisten, die sich als crème de la crème verstehen u. meinen alleine das Heil u. die Wahrheit gepachtet zu haben, darüber zu sprechen.
    Ich füge hier ein Video an, auf dem man zwischen den Minuten 1:27,01 und 1:27,48 wunderbar das Brotbrechen sieht, das hier Mgr Aupetit in einer Hl. Messe in Lourdes vollzieht. Ein ganz wunderbarer Moment. Der nie hinter einem Rücken betrachtet werden könnte…
    Im übrigen ist das “segensstiftende” u. “gemeinschaftsbildende” Brotbrechen einer der entscheidenden Augenblicke der Eucharistie, im NT aus dem Abendmahlsaal mit Christus u. bei den Aposteln vielfach bezeugt (Lk 22,19 u.a. Evang., Lk 24,30, 1 Kor.11,23-24). Das Brotbrechen, an dem alle teilhaben sollen, gehört zum Kern der Eucharistie. Und nicht irgendwelche majestätisch auswachsende Spitzfindigkeiten.


    Min. 1:27,01-1:27,48 Brotbrechen
    Messe d’onction, pèlerinage national le 14/08/21 en direct de Lourdes/Messe der Salbung (am Tag der Kranken), Nationalwallfahrt am 14.08.2021, Life aus Lourdes

    1. „Aber es ist müßig, mit Traditionalisten, die sich als crème de la crème verstehen u. meinen alleine das Heil u. die Wahrheit gepachtet zu haben, darüber zu sprechen.“ Daraus spricht eigentlich die gleiche Arroganz, die hier vice versa den „Tradionalisten“ vorgeworfen wird. Ich bin kein „Traditionalist“, aber was da mit dem 2.Vatikanum nicht nur mit der Liturgiereform begann, mutete uns in Teilen schon befremdlich an.
      Ich stimme Frau Bauer zu, was die Symbolik der Zuwendung des Priesters zum Volk und das sichtbare Brotbrechen betrifft, dass der Priester die Kanzel verließ. u.a.m. Es kamen aber Albernheiten auf, wie die sog. Jazzmessen. Da versuchten sich einige (musikalische) Stümper daran, eine „jugendgerechte“ Musik und Dialoge in die Messe einzuführen. Wesentliche, bindende Momente der Spiritualität gingen aber nicht nur in meinen Augen mit dem ganzen Tamtam verloren. Modernismus um jeden Preis? Um wen bei der Stange zu halten? Aber da hatte sich schon ein Großteil meiner Altersgenossen von dieser Kirche abgewandt und solche Bemühungen schienen nur lächerlich.
      Was die Eltern von Frau Bauer an Erfahrungen mit der Kirche in den 30er- oder 40er Jahren berichtet haben, erlebten wir „handgreiflich“ noch in den 50er und 60er Jahren.
      Und wir hatten schon bald gesehen, dass Jesus mit dem entstandenen Christentum und dieser Kirche schließlich eher wenig bis gar nichts mehr zu tun hat.
      Wir haben uns mit Hochhuths „Der Stellvertreter“ auseinandergesetzt. Wenn man schon eine authentische Historizität zu dieser Anklage in Teilen und die aufgeplusterte Moral des Verfassers anzweifeln konnte, die Sache war aber ein Augenöffner und für viele ein Anlass zur Beschäftigung mit der Historie dieser Kirche und dieser über Jahrhunderte entstandenen und bewahrten „obszönen Liaison zwischen Thron und Altar“ (Karl Heinz Deschner). Und trotzdem blieben etliche noch – wenn auch vielleicht nur „der Form halber“ – dieser Kirche irgendwie verbunden.
      Siehe auch den Dialog zwischen P.Helmes und mir:
      https://www.conservo.blog/2022/07/08/der-innere-kampf/

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