Häretische Deutschkatholiken blasen zum Sturm: Écrasez l’infâme!

Michael van Laack

“Écrasez l’infâme” (Zermalmt das Niederträchtige) rufen sie in der Tradition Voltaires im Subtext seit Monaten aus Frankfurt, aus Limburg, aus Bonn. Ein Ruf der – so Gott will – bald auf sie zurückfallen wird, denn sie sind die Infamen. Ihre Niedertracht und ihre Bosheit quillt aus vielen ihrer wohlklingenden Worte. Der Papst ist für sie nur ein guter Mann, wenn er nach ihrem Mund redet und gemeinsam mit ihnen im Chor zur Revolution aufruft.

Ein Aufruf, der das “System Kirche” schleifen und ihre Lehre in wesentliches Teilen “verändern” soll; mal durch Ersetzungen, mal durch Weglassungen. Rasend vor Wut bekämpfen sie jeden, der es wagt, ihnen ins Angesicht zu widerstehen. Sei es die polnische Bischofskonferenz oder Teile der US-amerikanischen, seien es Kardinäle wie Rainer Maria Woelki, Kurt Koch, Walter Kasper, Marc Ouellet, Ludwig Müller oder gar Luis Ladaria, der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre (dem auch Joseph Ratzinger vorstand, bevor er Papst Benedikt XVI. wurde).

Ohne jegliche Autorisierung und Autorität wagen sie für die Gläubigen zu sprechen

Nur wenige Katholiken Deutschlands – so heißt es – würden sich für den “Synodalen Weg” und seine “Reformen” interessieren. Das hält seine Mitglieder und Befürworter allerdings nicht davon ab, in Interviews und Verlautbarungen stets davon zu sprechen, dass “die Gläubigen Deutschlands fordern” oder “das Volk Gottes verlangt nach” zu schreiben, um ihren Forderungen nach der Priesterweihe der Frau, der Abschaffung des Zölibats, der Entwertung des Ehesakraments durch die Segnung Homosexueller, Mitspracherecht der “Gläubigen” bei der Wahl eines Bischofs oder gar die komplette Abschaffung der Sexualmoral Nachdruck durch Scheinmehrheiten zu verleihen.

Gleichzeitig aber wehren diese Damen und Herren – seien es Bischöfe, Priester, Ordensleute, Hochschulprofessoren, “katholische Journalisten” oder hochrangige Funktionäre in Laienverbänden und Vereinen – sich vehement gegen Hinweise, sie würden Häresien (Irrlehren) verbreiten und auf ein reales Schisma (Spaltung von der Kirche, dem Leib Christi) hinarbeiten bzw. es notfalls zulassen. Ein latentes (also lediglich unausgesprochenes aber in vielem bereits sichtbares) Schisma bestehe bereits, so die Einschätzung des Vatikans.

“Wahre” und “tiefgläubige” oder Apostaten in spe

Wie einst Martin Luther oder im 19. Jahrhundert Ignaz von Döllinger setzen sie ihre Meinung absolut und behaupten, für die große Mehrheit der Christen zu sprechen bzw. doch nur Irrtümer ausmerzen und Fehlentwicklungen entweder aufhalten oder korrigieren zu wollen. Sie sind das Maß aller Dinge, nur sie verstehen die christliche Lehre richtig, täglich werden sie vom Heiligen Geist erleuchtet.

Die Wahrheit jedoch ist eine andere. Die 2.000jährige Entwicklung der Kirche in Theologie und Moral, Philosophie und Ethik und in Einzeldisziplinen wie Dogmatik oder Kirchenrecht ist für sie nicht relevant. Der Katechismus ist ein Werk, dass man auch ebenso gut ins nächste Osterfeuer werfen könnte. Für die deutschen Synodalen und ihre Legionäre zählt nur das “Ich” und die sogenannte “Lebenswirklichkeit”. Letztere ist für sie allerdings nur wirklich, wenn sie ihren Vorstellungen von einem gelingenden Leben entspricht.

Wie die Gendersprache im Labor entstanden ist, um über Muttersprachen gestülpt zu werden, wuchsen und wachsen auch ihre Thesen und Theorien auf dem Kunstdünger einer Theologie, die sich zwar noch so nennt, aber deren Befürworter und Kolpoteure längst nur noch sich selbst als obersten Maßstab und somit als Gott anerkennen und ihren Glauben über den katholischen Glauben stülpen wollen.

Drei Beispiele aus jüngster Zeit mögen genügen, um die Hybris jener Pseudochristen jedem, der sehen will, vor Augen zu führen.

1. Was Lehramt ist, bestimmen wir!

Der “sogenannte Kardinal”, das “sogenannte Lehramt”. Gut, dass auch Christoph Strack (ehemaliger Chefkorrespondent und Leiter des Hauptstadtbüros der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA) seine Maske fallen lässt und wie einst andere Häretiker die Autorität Dritter nur noch anerkennt, wenn sie mit seiner Ansicht übereinstimmt bzw. jemand aus seiner Sicht Beweis führen kann, dass er irrt.

So argumentierte bereits Luther, der stets betonte, er sei nur zum Widerruf bereit, wenn jemand ihm aus der Schrift nachweisen könne, dass er irre; was freilich niemals geschah, da er jedem Argument ein Gegenargument entgegensetzte und störende Bibeltexte (wie z. B. den Jakobusbrief) nicht als authentisch anerkannte.

2. Wir Fehlerlosen müssen keine Selbstkritik üben

Thomas Söding ist Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum und einer der Wortführer im Synodalen Weg. Auch für ihn gilt: Wer nicht für uns ist, irrt. Wir selbst müssen nicht darüber reflektieren, ob unsere Ansätze richtig sind, denn bei uns allein ist Wahrheit und klare Erkenntnis.

Meine Antwort auf seinen Tweet dürfte Söding nur extrem peripher tangieren:

Selbstkritik von @DerSynodaleWeg? Fehlanzeige. Treue zum Lehramt ist ein Lernprozess, auch in Frankfurt, Hoffentlich kommt er zu einem guten Ende und führt nicht zu einem Schisma.

3. Geld bestimmt, was Wahrheit ist!

Und selbstverständlich darf in der Beispielsammlung auch nicht mein Lieblings-LGBTI-Priester Wolfgang Rothe fehlen, der nicht nur zu einer Hetzjagd auf Kardinal Woelki geblasen hat, sondern dem das Lehramt schnurzpiepegal ist, solange auch die verachtenswerten konservativen Katholiken mit ihrer Kirchensteuer zu seinem Lebensunterhalt beitragen und es noch genug Whisky-Vorräte gibt:

Fazit

Und so bleibt am Ende für uns, die wir nicht die Macht haben, Schaden von der römisch-katholischen Kirche in Deutschland abzuwehren, für die Priester und Bischöfe unseres Vaterlandes zu beten, dass sie (welchen Führern auch immer) nicht ins Schisma folgen werden. Und ebenso für jene, die immer noch die Autorität haben, den spalterischen Synodalen Weg in die Bedeutungslosigkeit zu führen und seine Wortführer (falls notwendig) zu verurteilen.

Gott schütze die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche und die römisch-katholische Kirche unseres Vaterlandes!

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