Der spätere Berliner „Studentenführer“ Rudi Dutschke, in der Ostzone geboren, trat bereits 1957 gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft und für Reisefreiheit ein. Zudem verweigerte er den Wehrdienst in der NVA und ermunterte viele Gleichgesinnte, dies auch zu tun. Konsequenz: Die DDR-Behörden verweigerten ihm das gewünschte Sportjournalistik-Studium. Aber was hat das, bitte schön, mit Thilo Sarrazin zu tun? Ein verblüffende Parallele: Rudi Dutschke erwischte es zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn, Thilo Sarrazin erst an deren Ende. Im Kern gibt es also keinen Unterschied in der Sache. Und beide Fälle haben noch etwas anderes gemeinsam:

Beide fanden statt in dem Land Angela Merkels. Genauer: Der Fall Dutschke ereignete sich 1958 im Walter-Ulbricht-Deutschland – dem Land, das Angela Merkel jüngst in ihrer Laudation auf den Mohammed-Karrikaturisten Westergaard als „Diktatur“ bezeichnete. Der Fall Sarrazin fand im Jahre 2010 in der Bundesrepublik Deutschland statt, dem Land, in dem Angela Merkel als Kanzlerin eine Position vergleichbar mit der des Walter Ulbricht innehat, nämlich Regierungschef(in). Es darf nachgedacht werden.

Von conservo

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