Ein konservativer Präsident für alle

Joachim Gauck wurde mit beachtlicher Mehrheit gewählt. Wir gratulieren und wünschen ihm eine erfolgreiche Amtszeit.

Diese Wahl Gaucks konnte zu keinem besseren Zeitpunkt erfolgen. Er ist das deutsche Staatsoberhaupt und repräsentiert die Deutschen nach innen und außen. „Nach außen“ bedeutet ganz aktuell: auch in einer zunehmend deutsch-kritischen Umgebung. In der gegenwärtigen europäischen Schuldenkrise werden die Deutschen in die Rolle des Bösen gedrängt – besonders in den südeuropäischen Staaten. Anti-deutsche Gefühle wachsen, weil wir eben nicht so g´schlampert sind wie die PIGS (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) und andere Staaten.

Gauck, ausgewiesen durch sein antikommunistisches Engagement in der „DDR“, könnte die Rolle Deutschlands neu und glaubwürdig interpretieren: als Führungsmacht des Kontinents – ohne wirtschaftliche oder politische Hegemonieansprüche. Mit Gauck kann Deutschland ein Staatsoberhaupt präsentieren, das für persönliche und moralische Integrität steht. Deutschland kann wieder mit Stolz auf seinen Präsidenten blicken.

Gauck wird (hoffentlich) ein streitbarer Präsident sein. Sein bisheriger Lebensweg beweist dies. Das kann man nur begrüßen. Denn Deutschland braucht wieder einen Präsidenten mit Ecken und Kanten und keine typische, stromlinienförmige Polit-Figur. Er wird sich, so steht zu hoffen, diese Freiheit nehmen und jedwede politische Position kritisch nachfragen.

Einzig der linksaußen Postille TAZ (Mitbegründer Christian Ströbele) blieb es vorbehalten, Gauck „herunterzumachen“. Vielleicht spielt dabei die Hoffnung mit, etwas gegen das chronische Auflagen-Defizit des Blattes zu tun. Vielleicht ist es aber auch nur ohnmächtige Wut, daß ein so honoriger, nicht zeitgeistgemäßer Mann unser Land repräsentieren darf. Die TAZ schreibt u. a.: „…Manches an dem Mann wirkt deutsch-provinziell, er hat wenig internationale Erfahrung. Gauck weckt starke Affekte, bizarre Heilserwartungen dort, scharfe Ablehnung hier. Das liegt an seinem mitunter schroffen Moralismus. Er ist ein Konservativer, der mit dem linksliberalen Milieu der Bundesrepublik nicht viel anfangen kann…“

Mit diesem grämlichen Kommentar hebt sich die TAZ aus allen anderen Kommentaren – auch linker Blätter – heraus. Aber was soll´s. Uns bleibt nur – und hoffentlich Joachim Gauck auch – die alte Weisheit: „Die Kritik meiner Gegner ist mir Lob!“

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