Braucht Kai Diekmann (BILD) unsere Hilfe?

Von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm
Thomas Böhm

Wir wissen alle, dass Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD, an sich selbst immer zuletzt denkt, dass er sich als Diener seiner Ressortleiter sieht und nicht, wie böse Zungen behaupten, als Stalinist, der Mitarbeiter, die ihm widersprechen, einen Kopf kürzer macht.

Nein, so ist er nicht, der liebe Kai Diekmann. Wie selbstlos er sein kann, zeigte er ja auch gerade mit seiner Aktion „Wir helfen“.

Was sind wir alle zu Tränen gerührt. Was für ein barmherziger Samariter doch der „Bild“-Chef sein kann. Wer hinter dieser Kampagne eine reine PR-Kampagne zugunsten seines abstürzenden „Leidmediums“ vermutet hat, irrt gewaltig.

Das sieht man auch daran, dass sich Herr Diekmann auch ganz persönlich den Flüchtlingen zugewandt hat.

Auf seinem großen Anwesen kampieren mittlerweile 1234 muslimische Männer und werden von seiner charmanten und zu diesem Anlass leicht bekleideten Ehegattin jeden Morgen mit Müsli versorgt.

Kein klar denkender Mensch kann Herrn Diekmann also ernsthaft vorwerfen, er würde bei seiner Flüchtlingskampagne ausschließlich unternehmerische Interessen verfolgen.

Dass er die Gunst der Stunde nutzen will und bei dieser Kampagne an die Arbeitsplätze seiner Untergebenen denkt, darf man ihm außerdem wohl nicht verübeln. Fast jeder Flüchtlingshelfer, jeder Hausbesitzer, der seine Wohnungen an die armen Menschen dieser Welt vermietet, jede Sicherheitsfirma, jeder Cateringservice handelt in dieser Situation nicht nur flüchtlingsfreundlich, sondern will sich auch etwas in die eigene Tasche stecken. Gönnen wir ihnen doch das. Sie sollen ja motiviert bleiben.

Kai Diekmann hat also genau das Richtige getan. Er hat seine einflussreichen Sportredakteure mal bei den Fußballvereinen anklopfen lassen, damit das Logo seines Helferheftchens auch überall in der Bundesrepublik zu sehen ist.

Einfach eine tolle Idee. Nur hat Herr Diekmann sich verschätzt, als er wie Frau Merkel dachte, die Bürger würden alles widerspruchslos abnicken, so wie es sich für einen guten Deutschen gehört.

Und so tauchten plötzlich überall flüchtlingshassende Bürger auf und legten sich quer. Der „Focus“ berichtet:

„…Solche Plakate hat man in der Bundesliga noch nie gesehen. Fans in vielen Stadien machen am 5. Spieltag ihren Unmut gegen die „Bild“-Zeitung deutlich, „#bildnotwelcome“ ist auf Plakaten in diversen Arenen zu lesen.

Hintergrund dieses Protests war eine…Aktion der Zeitung. Denn die wollte zusammen mit der Logistikfirma „Hermes“ dafür sorgen, dass alle 36 Erst- und Zweitligisten mit dem Logo „Wir helfen“ auf dem Trikotärmel spielen – damit sollte ein Zeichen für Flüchtlinge gesetzt werden. Neben dem Motto „Wir helfen“ waren auch die Zeichen der „Bild“ und „Hermes“ zu sehen.

Als erster Verein aber sagte unter der Woche St. Pauli die Aktion ab. Man mache ohnehin sehr viel für Einwanderer und helfe lieber dort, wo Hilfe wirklich nötig sei, teilte der Club mit.

Nachdem „Bild“-Chef Kai Diekmann St. Pauli dann per Twitter unterstellt hatte, „kein Herz“ für Flüchtlinge zu haben, solidarisierten sich viele Fans und Vereine mit dem Hamburger Zweitligisten.

Union Berlin folgte als zweiter Club, der 1. FC Kaiserslautern teilte später zum Beispiel mit: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen mussten die Verantwortlichen des FCK feststellen, dass es in dieser Sache inzwischen leider nicht mehr um das Thema Hilfe für Flüchtlinge geht, sondern nur noch um die Haltung der Vereine zu einzelnen Medien“.

Zehn Clubs verweigerten sich der Aktion: St. Pauli, Union Berlin, Nürnberg, Bochum, Freiburg, Duisburg, Lautern, Düsseldorf, Braunschweig und 1860 München. Daneben haben laut „ZDF Online“ weitere 21 Fangruppen ihre Vereine aufgefordert, das Logo nicht auf dem Trikot zu tragen.

 

Viele Fans und auch einige Vereine sahen in der Flüchtlingsaktion eine PR-Maßnahme der Zeitung… (http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/fans-und-vereine-wehren-sich-gegen-trikot-logo-wie-eine-aktion-fuer-fluechtlinge-zum-bundesliga-protest-gegen-bild-wurde_id_4959799.html)

Armer Kai Diekmann, so missverstanden zu werden, tut schon weh. Hoffen wir nur, dass er nicht jetzt ebenfalls noch zum Flüchtling wird – zum Beispiel, wenn ihn der Vorstand vom Springer Konzern zum Teufel jagt, weil die „Bild“ nicht mal mehr als Fischverpackung zu gebrauchen ist.

Tragen wir ab morgen alle einen Sticker mit der Aufschrift „Wir helfen Dir, lieber Kai“.

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo

http://www.conservo.wordpress.com

  1. Sept. 2015

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