frustSie können einem fast leidtun, die lieben Genossen. Da sind sie nach der Koalitionsbildung mit hochmotivierten Ministerlehrlingen gestartet, ihr Dirigent hat schon Muskelkater vom vielen Fuchteln mit dem Taktstock, der Außenminister tut so, als ob er mit der SPD nichts zu tun hätte und flüchtet sich ins Ausland, die Generalsekretärin kennt niemand – und die Umfragen zeigen die Partei im Keller , je nach Woche bei 23-25 Prozent. Es sind doch bitte schön die Sozialdemokraten, die den Regierungskarren ziehen, die die Räder in Schwung bringen, meinen sie. Kein Wunder, daß sich die SPD unverstanden fühlt. Undankbares Wahlvolk!

Und genau da liegt der Hund begraben. Die SPD arbeitet derzeit ihr Wahlprogramm ab – zugegebenermaßen zügig und konsequent. Aber am Volk vorbei! Die SPD beglückt lediglich ihr eigenes Wahlvolk und verwechselt es mit dem ganzen Volk, das schon bei der Bundestagswahl herzlich wenig vom sozialistischen Beglückungsprogramm wissen wollte und die SPD mit höchst bescheidenem Ergebnis nachhause schickte. Weder Mindestlohn noch Rente mit 63, Mütterrente oder Frauenquote bei DAX-Unternehmen usw. reißen das Publikum vom Hocker. Und wo die SPD mal glänzen könnte – z. B. Pflegereform oder Betreuungsthema – ruft die allgegenwärtige Bundeskanzlerin: „Ick bün all dor!“ Das schafft Frust.

SPD-Gewinnerthema

Die neue SPD-Generalsekretärin Fahimi sucht derweil verzweifelt, von sich reden zu machen. Angesichts der Kritik an der Nahleschen „Rente mit 63“ wirft sie sich mit ihrem ganzen Federgewicht an die Front und ruft: „Mit mir nicht! Keine Änderung des Rentenplanes!“

Ihre Begründung ist klasse – ein klassisches SPD-Eigentor. Frau Fahimi meint nämlich, daß es sich bei der Rente um ein „Gewinnerthema“ handele, und schließlich sei die überwiegende Mehrheit dafür. Basta. So ist das also, wenn die SPD dem Volk aufs Maul schaut. „Gewinnerthema!“ Das muß man sich merken; denn es könnte das „Sesam-öffne-Dich“ für ganz neue Problembereiche bilden:

Wie wär´s denn z. B. mit dem Benzinpreis? Da könnte man doch glatt eine Halbierung fordern! Schließlich ist doch wohl die Mehrheit der Bevölkerung gewiß dafür. Oder wie wär´s mit dem oft geforderten längeren Urlaub, oder dem Abitur für alle oder dem „Freibier für alle“? Wenn ich recht nachdenke, fallen mir bestimmt noch viele Gewinnerthemen ein. Doch es hilft nichts, ein Gewinnerthema wird die SPD so wohl eher nicht.

Von conservo

Conservo-Redaktion