Michael van Laack (Eigene Collage)

Michael van Laack

Weniger als 30.000 Besucher zählte der gestern Vormittag zu Ende gegangene Katholikentag in Stuttgart. Beim letzten Katholikentag des Prä-Corona-Zeitalters in Münster waren es noch knapp 95.000. Selbstverständlich läge das nur an den Nachwehen der Pandemie und dem Umgang der Kirche mit sexuellem Mißbrauch! Klar, woran auch sonst? Na ja, ich hätte da schon ein paar Ideen

Die Mitglieder der katholischen 68er-Bewegung (eigentlich entstanden Mitte der 70er), ist in die Jahre gekommen. Viele ihrer Reformikonen sind tot und auch die eigenen Reihen haben sich gelichtet. Das ist nicht der wichtigste Grund, aber einer, der evident erscheint, wenn man in die Alterspyramide der Besucher dieses Jahres schaut.

Der Volkskirche den Todesstoß versetzt

Schon die Liturgiereform 1969 und die sich daran anschließende Rezeption (Operation Volkskirchenschleifung) hatte Verunsicherung in die erste Nachkriegsgeneration gebracht. Die Jugend dieser und späterer Dekaden, die der Klerus und manche sich für geistbegnadet haltender Laie seit über 50 Jahren mit liturgischer Dauerbespaßung und Verständnisheuchelei für sogenannte “weltliche” Bedürfnisse an die Institution zu binden gedachten, hat sich Generation um Generation in steigender Anzahl enttäuscht abgewendet. Denn das, was die Kirche ihnen bot, bekamen sie außerhalb von ihr deutlich professioneller präsentiert.

Mission fand nicht mehr statt, der Glaube verdunstete mehr und mehr, das Bauchgefühl der Kommunion- und Firmmütter ersetzte die Lehre über die Eucharistie und den Heiligen Geist. Zeltlager der CAJ und später auch der DPSG verwandelten sich im übertragenen Sinn unmerklich in Wochenend- oder Ferien-Swingerclubs für Jugendliche. In Bildungshäusern standen nun z. B. nicht mehr Exerzitien oder die katholische Soziallehre im Jahresprogramm, sondern eutonische Übungen, buddhistische Spiritualität oder die marxistische Befreiungstheologie.

Kurz: die Kirche wagte es immer seltener, den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Opposition zum Hedonimus, Sozialismus und Pseudo-Liberalismus die eigenen Inhalte vorzustellen oder gar den eigenen Markenkern gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Der Papst galt als alter Spaßverderber im fernen Rom, den man nicht ernstnehmen dürfe. Der Bischof der jeweiligen Heimatdiözese und die Priester oder Ordensleute vor Ort sollten nur noch ernst genommen werden, wenn sie sich das Gütesigel “Kritisch-moderner Ökumenechrist” in den Augen der Welt redlich verdient hätten.

Den eigenen Markenkern ausgetrocknet

Wenn man zweieinhalb Generationen lang den Kindern ab der 1. Klasse im Religionsunterricht und den Heranwachsenden von der Kanzel aus eintrichtert, dass nur wenig von dem stimme, was in der Bibel steht; und man “Gott sei Dank” nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche gehen müsse; wenn der Großteil der deutschen Theologenschaft (selbstverständlich erfüllt vom täglich mehrmals auf sie herabkommenden “Heiligen Geist”) erklärt, dass Moral immer nur Teil des eigenen Gewissens sei, sich als im Individduum pernanent neu- und weiterentwickle und es keinerlei verbindlichen Obersätze gäbe; wenn die eigenen Leute (Kleriker) sich gegenüber Jugendlichen seit einem halben Jahrhundert über das Zölibat lustig machen, mit kirchenfeindlichen Medien verbünden und öffentlich die Lehre der Kirche angreifen; und wenn sie – last but not least – sich politisch immer mehr zum Diener des Staates entwickeln (Gender, Klima, Migration, Corona usw.)… – Wenn also all das geschieht, muss man eigentlich mit unter 30.000 Besuchern bei 22,2 Millionen Kirchensteuer-Katholiken sehr dankbar sein.

Die aktuelle Situation ist weder gottgewollt noch eine unabwendbare Entwicklung

In der römisch-katholischen Kirche Deutschlands tummeln sich seit Jahrzehnten viele Bischöfe, Priester, Ordensleute, Diakone, Universitätsgelehrte und Pastoralmitarbeiter, die Etikettenschwindel betreiben. Sie lassen sich aus Kirchensteuergeldern und vom Staat für ihren Dienst in der katholischen Kirche gut bis fürstlich bezahlen, arbeiten aber mit Hochdruck daran, die Institution ihres Brötchengebers mit sozialistischem oder radikalliberalem Gedankengut zu verseuchen.

Häufig gelingt ihnen das auch sehr gut, aber nicht überall und – aus ihrer Sicht – vor allem nicht schnell genug. Aktuell bemühen sie sich darum, das Kreuz als Siegeszeichen durch die LGBTI-Flagge (die mit der christlichen Symbolik des Regenbogens genauso wenig zu tun hat wie die Hakenkreuzfahne) zu ersetzen. Zudem wollen sie das Bewusstsein von den 51 bis 764 Geschlechtern in die Kirche hineintragen, die priesterliche Ehelosigkeit zerstören sowie die Priesterweihe der Frau als biblisch begründet verkaufen und die Verweigerung dieser Weihe im Sinn des radikalen Feminismus als frauenfeindlich darstellen

Diener der “Lebenswirklichkeit”

Insgesamt verstehen sie sich primär als Diener weltlicher Ideologie (bei Gender, beim Kampf gegen den Klimawandel, in der Migrationsfrage und der Beurteilung des Islams, in der Frage eines EU-Zentralstaats ohne Gottesbezug, hinsichtlich der Soziallehe, der Sexualmoral, der Notwendigkeit liturgischen Betens usw. – Keinen Stein wollen diese Leute mehr auf dem anderen lassen. Alles soll hinterfragt und umgepflügt werden, um danach auf dem so behandelten neuen Glaubensboden die eigenen (Irr-)Lehren säen und den Blick auf Gott verstellen zu können.

Was diese Leute “Synodaler Weg” nennen, ist der Versuch, 500 Jahre nach Luther weit über ihn hinauszugehen. Sie lehnen nicht nur den Primat des Papstes und die Unfehlbarkeit (ausschließlich in Glaubensfragen) ab und erklären Dogmen zu unverbindlichen mittelalterlichen bis vorkonziliaren Dokumenten, die keinen Bestand mehr hätten. Nein, sie wollen nicht weniger als Revolution!

Religionsfreie Kirche als Stütze des Staates

Eine Kirche, in der jeder Gläubige tun und lassen kann, was er mag, aber auch dazu nicht verpflichtet ist. Eine Kirche, die jeder “Gläubige” jeden Morgen neu denkt und gegebenenfalls auch sein Gottesbild immer wieder seiner “Lebenswirklichkeit” anpasst. Eine Kirche ohne verbindliche Moral und unverrückbare Glaubenssätze. Letztendlich ist ihr Ziel eine religionsfreie Kirche, so absurd sich das für manchen vielleicht lesen mag.

Diese Leute lehnen tief in ihrem Herzen den Glauben der Kirche komplett ab. Christus, so sagen sie, habe keine Wunder gewirkt, denn die in der Bibel geschilderten Wunder seien naturwissenschaftlich sämtlich nicht möglich und Christus wäre ja kein Zauberer gewesen. Darüber hinaus habe Darwin bewiesen, dass Gott den Menschen nicht geschaffen hat. Die Zehn Gebote seien eine Erfindung des Volkes Israel, um der Gemeinschaft eine stabile Werteordnung zu geben.

Der liebe Gott weiß auch nicht alles

Damit habe Gott ebenso wenig zu tun wie mit der Gründung der Kirche. Jene Stellen des neuen Testamentes, die sich auf dieses Ereignis beziehen (Du bist der Fels…) seien in späterer Zeit interpoliert (eingeschoben) worden, um die Gründung einer Gemeinschaft zu rechtfertigen, die sich nicht der Vielgötterei Roms unterwerfen wollte.

Bei all dem aber was sie glauben (oder besser nicht glauben), versichern sie der Öffentlichkeit immer wieder, römisch-katholische Christen zu sein; sie wollten doch nur die Restauration der verschütteten urkirchlichen Gemeinde erreichen im Geist der Erneuerungsnotwendigkeiten, die das 21. Jahrhundert vom Menschen fordere. Ihnen gehe es letztlich darum, die Strahlkraft der Kirche zu erhöhen.

Das urkirchliche Licht sei verdunkelt, das Ur-Salz schal und der Ur-Sauerteig verdorben worden, sagen sie. Verdorben durch die zweittausendjährige Kirchengeschichte. Sie seien die neuen Lichtbringer, sie würden die Herzen der Katholiken durch ihre “Reformen” wieder mit Freude und Glaubensfestigkeit (an was auch immer) erfüllen.

Geht mit oder ohne Gott, aber geht!

Wir aber wissen, was sie sind: Feinde Christi, Feinde der Kirche, Feinde jeder Seele. Deshalb sollten wir ihnen nicht nachweinen, wenn sie uns verlassen. Sie sind dort, wohin sie dann gehen, deutlich besser aufgehoben: Extra ecclesiam nulla salus. Der ideale Aufenthaltsort für jene, die seit Jahren Zweifel in die Herzen der Gläubigen säen und das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit immer weiter verdunkeln.

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