Michael van Laack

“Putin ist in Panik. Nichts anderes bedeutet seine Teilmobilmachung.” schreibt Liane Bednarz auf Twitter. Und Alexander Graf Lambsdorff kommentiert kühl: “Rede #Putin wie erwartet: – Teilmobilmachung #Russland – „Unterstützung“ für „Referenden“ in #Ukraine – Lange Klagen über #Westen und „Neo-Nazis“ Fazit: Reserven an die Front, Annexion soll rechtlich absichern, was militärisch prekär geworden ist. Schwäche, nicht Stärke.”

In der Tat zeigt Putins Reaktion, dass bisher aber auch mal gar nichts so gelaufen ist, wie er es sich vorgestellt hatte. Der Überfall auf die Ukraine endete nicht nach wenigen Tagen in Hitlers Blitzkriegsstil mit der Eroberung der Hauptstadt Kiew und der Kapitulation der Ukraine. Die Eroberungen im Osten und Süden gingen deutlich langsamer voran als geplant. Die russische Flotte wagte nach dem Verlust ihres Flaggschiffes keinen Angriff auf Odessa. Und seit einigen Wochen werden die mühsam und unter großen Verlusten eroberten Gebiete viermal so schnell wieder verloren, als man sich ihrer bemächtigt hatte.

Bisher war Putins Strategie ein einziges Desaster

Dazu lässt der Westen sich kaum bis gar nicht spalten, die Schließung von Nord Stream 1 hat sich auf den Füllstand der europäischen Gasspeicher kaum negativ ausgewirkt, die auf Mittelfrist angelegten Sanktionen erzielen im Land langsam Wirkung und russischen Staatsbürgern wird die Einreise ins EU-Gebiet immer weiter erschwert. All das nimmt man in Russland in immer größer werdenden Bevölkerungsteilen zur Kenntnis oder spürt es. Denn hinzu kommen steigende Arbeitslosigkeit und Lebensmittelverknappung in verschiedenen Regionen des großen Landes.

Die russischen Nationalisten, also jene Gruppe, die Macht hat, über Putin den Daumen zu heben oder zu senken, sind massiv unzufrieden über den Kriegsverlauf. Ihrem Druck ist es zu verdanken, dass der russische Präsident nun seine letzte Trumpfkarte (das Pik-As, die Todeskarte) ausspielen muss und wieder einmal im Subtext mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen droht, sollte Russland (und die annektierten Gebiete im Osten will er ja asap durch Scheinreferenden seinem “Reich” einverleiben) angegriffen werden.

Deutschlands “Pazifisten” vergießen Freudentränen oder heulen vor Wut

Für Putins “Freunde” in Deutschland und die große Schar nützlicher Idioten und angstgesteuerter Zeitgenossen ist Putins Rede ein Geschenk; mussten sie doch in den letzten Wochen befürchten, gemeinsam mit ihrem Idol bzw. Objekt des Furchtes unterzugehen. Denn Russlands Stärke war plötzlich infrage gestellt.

Doch jetzt sind sie alle wieder da, um die deutsche Bevölkerung ganz in Putins Sinn weiter zu verunsichern.

Ob die expertisearmen Experten…

…die System-Changer der monetären Oberschicht

…oder erwartbar in den nächsten Stunden Vertreter von “Die Linke“, dem Flügelteil der AfD, Regisseuren, Philosophen und Schauspielern. Sie alle werden heute und in den nächsten Tagen – jede(r) auf seine Weise – einen Beitrag dazu leisten, dass sich immer mehr Bürger in Putins Sinn verunsichern lassen und zu dem Schluss kommen: Besser, der Pseudo-Zar bekommt die Ukraine als ich weniger zu essen. So haben auch viele Politiker und Bürger anderer Staaten gedacht, als sich Hitler Österreich, das Sudetenland und die Resttschechei nahm. Nicht einmischen! Das schadet der Wirtschaft und könnte eine Eskalation auslösen. Abwarten und Teetrinken.

Es ist Krieg! Wir müssen nicht mehr hingehen, denn er ist schon da!

Ja, die Gefahr eines großen militärischen Kriegs ist heute nicht mehr so fern, wie wir uns wünschen würden. Doch wenn Europa jetzt nachgeben würde, gäbe es keinen rationalen Grund, dies bei anderen Gebietsforderungen Putins nicht zu tun. Denn die Konsequenzen wären ja immer die gleichen: Wirtschaftskrise und die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation (ggf. auch mit taktischen Atomwaffen). Ob die Ukraine, Moldau oder das Baltikum: Niemand – auch Deutschland – ist noch sicher, solange Putin und/oder andere Nationalisten Russland führen.

Ja Leute, es ist Krieg – Kein Krieg mit Bomben und Panzern, sondern einer, der Teuerung und Energieknappheit hervorruft, der den “Wohlstand” gefährdet, sichergeglaubte Arbeitsplätze abschmilzt.

Wir sind im Krieg mit Russland. Er musste nicht mehr eigens erklärt werden, er ist über uns gekommen.

Wollen wir kapitulieren?

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