Heimweh nach Franz Josef Strauß

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmes *)1strauß

Liebe Leser,

zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß sind ungezählte Artikel erschienen – Würdigungen, Huldigungen und Beleidigungen. „Über die Toten nichts als Gutes“ gilt für den großen Sohn Bayern offensichtlich nicht – während Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl gefeiert werden wie Lichtgestalten. FJS hätte dazu nur einen Kommentar: „Was schert es eine deutsche Eiche, wenn ein Hund sich daran reibt…!“

Ich gestehe, “Heimweh” nach ihm zu haben – im vollen Bewußtsein, daß FJS kein Heiliger, sondern ein “normaler”, aber außergewöhnlicher Mensch war. Im Folgenden habe ich (wahllos) einige Kommentare zusammengestellt, die einen interessanten Einblick in das Denken über FJS erlauben:

100. Geburtstag – Die Furcht der CSU vor dem wahren Strauß

welt.de schreibt unter „Meinung“ (03.09.2015):

„Die CSU entrückt Strauß als Säulenheiligen, weil die Parteiführung den Vergleich zum Politiker Strauß scheut. Das ließe sie nämlich blass aussehen. Lieber wuchten sie ihn auf einen möglichst hohen Sockel.

(Von Ulrich Clauß)

Noch 27 Jahre nach seinem Tod polarisiert Franz Josef Strauß die Republik. “Bei Strauß schafft der Tod auch keinen Frieden”, klagte jüngst Wilfried Scharnagl, Strauß-Intimus und ehemaliger Chefredakteur des “Bayernkurier”, anlässlich der neuerdings aufgewärmten Finanzskandale des Bayern. Das mag nach trotziger Nibelungentreue eines ehemaligen Haus- und Hofschreibers klingen – was tatsächlich auffällt, ist: Peinlich genau aufgereihte Schwächen bestimmen zu seinem 100. Geburtstag die Erinnerung an FJS.

Dagegen werden seine Stärken selbst von seinen Verehrern nur undeutlich verklärend gewürdigt. Weil man sich vielleicht nicht an diesen Stärken messen mag? Weil Adepten möglicherweise ahnen, dass er ihnen und dem gesamten Unionslager posthum den Marsch blasen würde, und zwar gehörig? Ersetzt deshalb eine Art Heiligenverehrung die konkrete Erinnerung, weil die analytische Rückschau auf sein Wirken die politische

Nachkommenschaft vergleichsweise blass aussehen lassen würde? Jedenfalls hat es mit seiner außenpolitischen Weitsicht, seiner brillanten, wenn auch zuweilen rüden Rhetorik und seiner strukturpolitischen Gestaltungskraft in der CSU bis heute keiner aufnehmen können (…)

Und er war ein begnadeter Analytiker und Patriot, der in direkter Fortführung streng katholisch grundierter Systemfeindschaft zu den Nazis beim demokratischen Wiederaufbau nach dem Krieg Großes vollbracht hat. Kein Heiliger, fürwahr, sondern ein Tatmensch, ein großer. Und wohl ein großer Deutscher.“ (Den kompletten Artikel finden Sie auf: www.welt.de/145974830)

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Leistung Strauß´ gegen Minderleistung Helmut Schmidts

„Während die Person Strauß schon zu Lebzeiten dämonisiert wurde und sich seine politischen Gegner selbst nach seinem Tod an ihm abarbeiten, wird die Person Helmut Schmidt über den grünen Klee gelobt. Unter dem Finanzminister und Kanzler Schmidt stieg die Staatsverschuldung in 11 Jahren um 519 Prozent! von 25 Mrd. D-Mark auf 157 Mrd. D-Mark.

Das ist eine jährliche Schuldenwachstumsrate von 16,6 %. Er glänzte mit der Aussage, daß ihm 5 % Inflation lieber seien als 5 % Arbeitslosigkeit. Trotzdem stieg die Arbeitslosigkeit während seiner Amtszeit von 1,2 % im Jahr 1973, auf 7,2 % im Jahr 1982.

Das alles hat weder seine politischen Freunde noch ihn selbst daran gehindert, die Legende vom “Macher” und Wirtschaftsfachmann zu pflegen. Während Strauß aus Bayern einen “Musterschüler” und ein Vorzeigeland machte, wirtschaftet Schmidt die BRD sukzessive ab und am Ende seiner Amtszeit stand Deutschland vor der Wirtschafts- und Haushaltspolitischen Katastrophe. Das beste Beispiel dafür, wie man mit medienwirksamer Propaganda und schauspielerischem Talent die Realität ad absurdum führen kann“ (unbekannt auf Facebook).

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Am 06. September wäre Franz Josef Strauß 100 Jahre geworden.

Der meinen Lesern bereits bekannte „Ostzonenflüchtling Gundhardt Lässig schreibt auf Facebook:

„Auch ich werde an diesem Tag an ihn denken und einen virtuellen Blumenstrauß an seiner Grabstätte niederlegen. Die Fluchtgeschichte meiner Familie ist eng mit seiner Person verbunden. Im Sommer 1987 hat eine nahe Verwandte bei einem Westbesuch ein Schreiben (Hilferuf) an Franz Josef Strauß mitgenommen bzw. geschmuggelt. Es war für meine Verwandte und für uns ein großes Wagnis, denn auf solche Aktionen an eine sogenannte fremde Macht stand in der DDR Gefängnis. Der Brief ist im Büro von Strauß gelandet und ab dann hat sich auch für uns etwas geändert. Daraufhin hat dann Honecker auch Post aus dem Westen erhalten und zur Unterstützung meiner Aktion hat sich eine Verwandte aus Darmstadt für uns eingesetzt. Plötzlich lief Vieles für uns einfacher. Die DDR-Machthaber und ihr Häftling- und Flüchtlingsverwalter Dr. Wolfgang Vogel wurden im Untergrund (also im Dunklen) aktiv. Ich sollte nicht mehr so viel Briefe schreiben und mich einfach ruhig verhalten. Dann ist sogar ein Novum für sogenannte Ausreiseantragsteller geschehen, denn ich habe Post aus dem Honecker-Büro erhalten. Ich glaube, dass es nicht sehr viele Antragsteller gab, die aus dem Umfeld des Staatsratsvorsitzenden der DDR Post in ihrer „Angelegenheit“ erhielten.

Dafür hat auch Strauß gesorgt, denn er hat sich für die Menschen in der DDR eingesetzt. Wenn Strauß heute wüsste, was aus seiner CSU geworden ist, dann würde er sich sprichwörtlich in seinem Grabe umdrehen. Die Drehungen wären so gewaltig, dass sie wie ein Trafo Strom erzeugen und den Friedhof sowie seine Grabstätte im hellen Licht erleuchten würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass den Feierbiestern in Bayern irgendwann einmal ein Licht aufgeht.“

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(Unbekannt) auf Facebook:

„Ich würde nicht so hart mit den Nachfolgern von Strauß ins Gericht gehen. Es ist einfach nicht leicht, aus so einem Schatten hervorzutreten. Strauß war ein Original, und jenes kann nicht kopiert werden oder gar nachgebaut mit einem Tross von PR Beratern. Bayern und Deutschland können dankbar sein, einen solchen Politiker gehabt zu haben, einer welcher sich auch maximalem Widerstand der ´68er nicht beugte oder gar brechen ließ. Schon allein diese Kraft nötigt viel Respekt ab. Man schaue auf die heutige Politik des Finger-Nassmachens, da ist kaum noch etwas von Rückgrat zu erkennen oder gar Standfestigkeit.

Strauß hatte seine Fehler. Doch gerade jene machen ihn so authentisch und ja auch glaubwürdig. Doch man darf nicht den Fehler begehen und die Frage stellen, was hätte der Alte gemacht, denn jenes scheitert. Man verfängt sich so ein einem Netz, welches der Ritualismus webt. Bayern muss sich finden und ja, erhalten, denn in Bayern beginnt auch die Erosion des bayrischen, das Selbstverständnis des Selbst. Es reicht nicht, die Lederhose hervorzuholen, wenn es Oktober wird, als wäre man auf einen Kostümball. Bayern wie auch Deutschland werden heute geprägt von Menschen, welche Volkstümlichkeit (im sympathischen gemeint) verachten. Jene schauen in die Welt und vergessen oder verleugnen gar sich selbst. Heute findet man kaum noch Orginale, welche für etwas stehen. So konnte man Schmidt mit dem Norden verbinden, wie Strauß mit Bayern, das brachte Farbe ins Spiel. Heute ist nahezu alles grau und uniformiert. Leider!“

„langweiler“ schreibt am 5.9.15:

„Strauß war möglicherweise manchmal leicht korrupt und vulgär. Aber er hat wesentlich dazu beigetragen, Bayern von einem kriselnden, armen Agrarland zu einem blühenden Industrie-Bundesland zu machen.

Talente wie Frau Kraft sind mit Sicherheit weder korrupt noch vulgär. Da sie aber mit ihrer Politik ihr Land ärmer machen, gehören sie dennoch abgewählt.“

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„Demokrat Strauß“

Troglauer, „Gast aus Hamburg“, schreibt:

„Strauß war mehr Demokrat, als die meisten seiner politischen Gegner. Mit dem “Hofieren” der DDR-Diktatur hat er immerhin erreicht, dass am Todesstreifen die grausamen und unmenschlichen Selbstschussanlagen abgebaut wurden. Dadurch hat Strauß wohl eher Leichen verhindert, als dass er über Sie hinweggegangen wäre. Viele Deutsche gehen eben bis heute der Hetzkampagne linker Kreise auf den Leim, die aus Strauß gerne einen Dämon machen wollten, weil Sie ihm intellektuell und politisch nicht gewachsen waren. Schauen Sie sich doch die wirtschaftlichen Kennziffern von Bayern an, und dann vergleichen Sie diese mit denen aus Hamburg. Da bleibt einem außer billiger Polemik eben nicht mehr viel übrig, wenn man FJS schlecht machen möchte.“

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Konservativer Aufbruch – Strauß-Zitate

Und zum Abschluß ein paar eingängige FJS-Zitate, die ich der Internetseite des „Konservativen Aufbruchs“ (KA) entnommen habe:

“Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch.“

“In unserer Position ist Faschismus und Nationalsozialismus, Marxismus und Kommunismus nichts anderes als eine verfeindete Verwandtschaft derselben Familie.“

„Das eigenartige an Sozialisten ist doch, dass sie ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen, in der Gegenwart versagen und für die Zukunft goldene Berge versprechen.“

„Die Sozialisten bewegen sich ständig zwischen zwei Welten: Zwischen Marx und Murks.“

„Man ist noch lange kein Intellektueller, nur weil man links steht.“

„Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp.“

„Der linke Teil – eine Minderheit der Studenten, der Lehrer, der Pädagogen, der Dozenten, der Assistenten, der Psychologen, der Politologen, der Soziologen – da kommt das alles doch her. Das sind doch keine Arbeiter, meine Damen und Herren. Die haben in ihrem Leben doch noch nie eine Schaufel oder einen Schraubenzieher in der Hand gehabt.”

Norbert Baumgärtner schreibt auf KA zur Absage der Teilnahme der Opposition in Bayern an der FJS-Gedenkfeier:

„Andererseits: Warum will man ausgerechnet mit denjenigen feiern, die Strauß schon zu Lebzeiten mit Dreck beworfen und ihn verleumdet haben? Mit Mitgliedern von Parteien, die mit den Mauermörder-Nachfolgern koalieren und bei denen die Pädophilie fröhliche Urständ feiert? Wozu braucht man für diese Feier lächerliche Polit-Pygmäen, deren Horizont zu Strauß´ Zeiten noch nicht über den eigenen niederbayerischen Schweinestall hinausging? Die CSU sollte Strauß im eigenen Kreis feiern (falls die “neue “C”SU” dazu noch willens ist), aber auf derartige Heuchelveranstaltungen verzichten. Und auch auf die ehemalige FDJ-Propagandasekretärin sollten eine selbstbewusste CSU gut verzichten können. Man würde mit diesen Figuren doch nur Strauß´ Andenken beschädigen.”

*) Peter Helmes gehörte 1980 zum Bundestagswahlkampfteam von Franz Josef Strauß

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