Von der Rolle: Ausgerechnet die „Junge Freiheit“ warnt AfD vor „Rechts“

Dieter Stein
Dieter Stein

Dieter Stein – ein Mann verliert Kompaß und Überblick

Von Peter Helmes

Man faßt es nicht! Ausgerechnet Dieter Stein warnt vor den „Rechten“, wenn er von der AfD spricht – selbstverständlich nicht ohne zu betonen, daß es sich um „Rechtsaußen“ handelt. So einfach geht Schablone oder „Klappe zu!“ Und das ohne jede sachliche Begründung, ohne jeden Nachweis für seine Vorwürfe. Die Denkwelt des Dieter Stein besteht wohl auch nur aus Schablonen: „Rechts“, „sehr rechts“, „rechtsaußen“, „rechtsextrem“ – und tappt dabei in die gleiche Falle, die die Linken für alle „Rechten“ aufgestellt haben: „Rechts ist gleich rechtsextrem ist gleich rechtsextremistisch, also letztendlich gleich faschistisch.“ Ja merkt der Mann das denn nicht? Und wenn er´s merkt: Wo sind die Fakten zur Begründung seines Etiketts „rechtsaußen“, wo die Nachweise? Er liefert sie nicht – und hinterläßt somit den Eindruck eines billigen Boulevard-Journalismus. Gleichzeitig untergräbt er das konservative Niveau und den bisher seriösen Ruf seines Blattes.Junge Freiheit

Dieter Stein ist nicht irgendwer, sondern gibt gerne den Vorsprecher der Konservativen, der Bürgerlichen, der Anständigen usw. Als Herausgeber und Chef der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) schreibt er oft kluge Kommentare, i. d. R. auf der Titelseite, die ich seit zwei Jahrzehnten aufmerksam – und meist zustimmend – lese.

Aber in den letzten zwei, drei Jahren scheint ihm der konservative Kompaß aus dem Lot geraten zu sein. Vielleicht drücken ihn die Sorgen um sein Blatt, das nach wie vor unter der Magermarke von 25.000 (verkauften) Exemplaren herumdümpelt. Damit kann man keinen Staat machen und keinen konservativen Sturm entfachen.

Aber man kann einiges Aufsehen erregen, wenn man Unsinn schreibt und diesen Nonsens mit einem Mäntelchen des besorgten – selbstverständlich „echt konservativen“ – Mitbürgers umgibt. Nein, Herr Stein, so geht das nicht (mehr). Verfolgt man seine Kommentare zur AfD, merkt man sehr schnell, daß Stein „eiert“.

Es ist schon ein journalistischer Grenzgang – ein Eiertanz – gewesen, daß sich die Junge Freiheit offensichtlich ungeniert zur Hauspostille der AfD aufgeschwungen hatte (oder sich gerne so sah). Eine Junge „Freiheit“ hat natürlich diese Freiheit, verspielt aber damit buchstäblich den Anspruch, „parteineutral“ zu sein.

Einmal auf die Propagandalinie zugunsten der AfD geraten, geriet der JF-Herausgeber des Öfteren ins Schlingern: Mal sieht man ihn dem rechten Flügel zugeneigt, mal der Mitte – oder wie immer man das nennen will. Mal wurde Lucke gelobt, mal Gauland, Petry oder sonstwer. Die Elogen und, vice versa, Kritiken zogen sich in manchen Ausgaben sogar über mehrere Seiten hin, ohne einen klaren redaktionellen Standpunkt erkennen zu lassen.

Genau das scheint nicht Dieter Steins besondere Stärke zu sein. Schon abenteuerlich war seine absolute Falschbewertung der Grünen vor einigen Jahren – kurz vor der öffentlichen Diskussion über die Pädophilie-Hintergründe der Grünen. Damals verstieg sich D. Stein in einem ätzenden, fast ganzseitigen Artikel zu der Forderung, man müsse den Grünen doch einen Wandel zubilligen. Sie seien nun “im bürgerlichen Lager angekommen“. Und außerdem sollte man ihnen auch eine gewisse Läuterung zugestehen – wozu er insbesondere auch (ausgerechnet) Daniel Cohn-Bendit rechnete.

Steins unglaublicher Artikel war eine Replik auf meine Bücher über die Grünen, insbesondere über die Broschüre „Die Grünen – Rote Wölfe im grünen Schafspelz“, mit sieben Auflagen eine meiner erfolgreichsten Publikationen. Er warf mir „Rückwärtsgewandtheit“ vor; ich sei wohl nicht bereit, den Grünen einen neuen Geist einzuräumen, eine Absage an ihre Vergangenheit – was ich übrigens auch heute nicht tue. Wie auch? Die Grünen sind nach wie vor ihren Prinzipien treu (siehe Bildungs- und Aktionsplan, Gender Mainstream usw.). Wer die grüne Gefahr unterschätzt, hat schon verloren.

Das sah die JF in Person ihres Herausgebers wohl völlig anders. Dieser Leitartikel – eher eine Verteidigung von Cohn-Bendit – in der „Hauspostille der Konservativen“ haute viele vom Hocker, die bisher in den Grünen zuvörderst Systemveränderer sahen – und in der Jungen Freiheit deren inhaltlichen Gegenpol.

Doch der Chef der JF – dem Zeitgeist vorauseilend – sah in den Grünen nun geläuterte Menschen, denen man die Eingliederung in die bürgerliche Gesellschaft zubilligen müsse („sie sind im Bürgertum angekommen“). Oh wenn er doch geschwiegen hätte! Kurz nach seinem unseligen Artikel rollte die Aufklärungswelle über die grüne, pädophile Vergangenheit über Deutschland – und über Dieter Stein. Er stand plötzlich nackt da, hatte aber alle die brüskiert, denen auch die Junge Freiheit in vielen Jahren in vielen Artikeln und in vielen Kommentaren vorgebetet hatte, wie gefährlich und zerstörerisch die Grünen seien. Kleinlaut versuchte er danach, die Kurve zu kriegen. Heute liegt er wieder brav auf Anti-Grün-Kurs. Brav so!

„Gebranntes Kind scheut´s Feuer“, sagt der Volksmund. Aber auch diese Weisheit scheint an Stein vorbeigerauscht zu sein. Statt aus seiner grünen Schief-Analyse gelernt zu haben, legt er sich erneut – diesmal bei der AfD – in die Kurve.

Junge Freiheit plötzlich politisch korrekt?

„kewil“ von „Politically Incorrect“ (pi) schreibt am 07.07.15:

„Weit haben wir es schon gebracht im Lande! Jetzt warnt sogar die Junge Freiheit in Gestalt von Dieter Stein die Petry-AfD vor zuviel „Rechtsaußen“, sonst habe sie bald fertig. Unglaublich! Im Wortlaut:

„Frauke Petrys größte Herausforderung wird es deshalb sein, die bereits auf dem Parteitag auch unter ihren Anhängern lebhaft diskutierte Gefahr unter Kontrolle zu bringen, daß die AfD mit Karacho in eine politische Sackgasse schleudert. Der Verlust des Lucke-Flügels erhöht arithmetisch das Gewicht des bislang marginalen Rechtsaußenflügels der AfD, der das Bild der Partei zunehmend bestimmen könnte. Diesen in den Griff zu kriegen, daran scheiterte bereits Lucke mit untauglichen Mitteln.

Ob Petry sich hier mit ähnlich eiserner Entschlossenheit durchsetzt wie in der Auseinandersetzung mit ihrem Rivalen Bernd Lucke, muß sie zeigen. Ansonsten folgt die AfD dem traurigen Schicksal der Republikaner.“

Sorry, auch wenn Stein auf Lucke gesetzt hat, dann zeigt dies nur, dass er die AfD-Mehrheit gar nicht verstanden hat. Lucke war ein Spalter. Hätte er das gelassen, wäre er jetzt noch Vorsitzender.

Vermutlich kommt alles anders, als die gleichgeschaltete Presse denkt. Natürlich wird es Austritte geben – die Herren Henkel und Kölmel behalten ja auch gleich gewissenhaft ihre lukrativen EU-Posten mit 20.000 Euro pro Monat –, aber es wird auch Eintritte geben. Wer die AfD-Ziele anschaut, sieht, dass es Gewinnerthemen sind:

  • die Auflösung der Eurozone
  • Neuverhandlung der EU-Verträge
  • Einsatz für Volksentscheide auf Bundesebene
  • konsequente Asylpolitik
  • Einsatz für eine echte Familienpolitik
  • das Konzept einer an deutschen und europäischen Interessen orientierten Handels-, Außen- und Sicherheitspolitik unter Berücksichtigung Russlands.

Allein der Asyl-Irrsinn wird für Tausende von Stimmen sorgen, was schon mit Euro und Griechenland möglich gewesen wäre, wenn die feinen Herren das Thema angeschnitten hätten, anstatt zu streiten! (Quelle: http://www.pi-news.net/2015/07/junge-freiheit-warnt-afd-vor-rechts/)

Ich (P.H.) lerne daraus, eine alte Erkenntnis zu verinnerlichen: „Gott schütze mich vor meinen Freunden! Mit meinen Feinden werde ich schon selbst fertig werden!“

www.conservo.wordpress.com

5 Kommentare

  1. Bernd Lucke ist nicht an seinen politischen Inhalten, sondern an seinem autoritären Führungsstil, seinem mangelnden Fingerspitzengefühl für Menschen und seiner schlechten Berater gerade mit der Gründung des “Weckruf” gescheitert.

    Vielleicht hat sich Dieter Stein, den ich sehr schätze, etwas missverständlich ausgedrückt. Ich habe ihn allerdings so verstanden, dass die AfD unter Frauke Petry sich auf keinen Fall erfolglose deutsche Splitterparteien (Pro-Deutschland, Republikaner, Die Freiheit, …) zum Vorbild nehmen darf, auch nicht Rechtsaußenparteien wie den “Front National”. Konservative, Liberale und Patrioten müssen immer ihre politische Heimat in einer AfD als echter Volkspartei haben. Natürlich schreibt die linkslastige Presse vom “Rechtsruck” bei der AfD. Wir müssen der Lügenpresse aber nicht auch noch den Beweis dafür liefern!

  2. Tja, keiner will mehr rechts sein und kann man sich doch so herrlich überperfekt und moralisch überlegen fühlen, wenn man vor der Rechten Gefahr warnt. Dabei ist es unerheblich, wenn man selbst von links als rechts bekämpft wird, handelt es sich doch immer nur um Flügelkämpfe innerhalb des Systems. Allesamt Demokraten, allesamt auf dem Boden der FDGO, dem von oben verordneten alternativen Demokratiekonzept.
    Aber mal ehrlich, hat jemals ein System dem Volk so etwas an Führungseliten zugemutet, wie es die Demokratie, die beste aller Regierungsformen (nur für wen), in den letzten knapp 100 Jahren getan hat?

  3. Es stimmt die “Junge Freiheit” entwickelte sich zur Hausmarke der AfD unter Lucke, die sich aber in letzter Zeit immer mehr als “weichgespült” präsentierte. Eine “Alternative” wie sie sich selbst nannte, war sie nicht mehr denn inzwischen war sie nichts anderes als die anderen Gleichschrittsparteien geworden.

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