Michael van Laack

Geahnt haben es nicht wenige, die sich seit Jahren oder gar Jahrzehnten mit der Entwicklung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland beschäftigen. Und dennoch erschüttert uns das Drama, dass sich seit vorgestern auf der vierten Vollversammlung des Synodalen Wegs abspielt und dessen Folgen kaum absehbar sind.

Mehrfach habe ich in diesen Spalten über den Synodalen Weg (im folgenden SW genannt) berichtet; eine Versammlung, die hauptsächlich aus Berufskatholiken, ranghohen ehrenamtlichen Laien, Bischöfen und im Sinn der bereits in viele Bistümern an der Basis vorherrschenden linksgrünen Ideologie gewählten Priestern und Ordensleuten besteht. So z. B. in den Artikeln “Synodaler Weg” entsetzt – Papst: “Deutschland braucht keine zwei evangelischen Kirchen!”, Ignatius von Loyola hätte die Schriften des “Synodalen Wegs” verbrannt!, Synodaler Weg: Vorbote und Wegbereiter der linksgrünen Staatskirche und zuletzt in “Synodaler Weg” heute in Frankfurt: Poppt Euch bunt ins Himmelreich!.

Bätzing, der skrupellose Strippenzieher

In den vergangenen Monaten war Unruhe unter den Bischöfen entstanden wegen der radikalen Haltung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, der in teilweise arroganter und scharfer Form jegliche Kritik ausländischer Bischofskollegen oder gar der römischen Kurie an den Texten, die ohne jeden Zweifel im Widerspruch der Lehre der katholischen Kirche stehen, zurückwies.

Und so war es nicht verwunderlich, dass das Lager um ihn, Marx und Overbeck als Wortführern am ersten Tag eine Niederlage einstecken musste. Das Dokument „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, welches sich nahezu Eins zu Eins die Gendertheorie und die politischen Standpunkte der Grünen zu eigen macht und diese als Richtschnur für die neue “katholische” Sexualmoral verstanden wissen will, erreichte nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe.

Synodalität heißt Einstimmigkeit? Nein!

Fassungslos darüber, dass Bischöfe es wagen konnten, sich nicht der Meinung der linksgrünen Pseudokatholiken anzuschließen, brachen zunächst einige an der Erarbeitung des Textes und anschließend auch die Vorsitzende des ZdK – Irme Stetter-Karp – öffentlich in Tränen aus und hauchten Worte der Verzweiflung in die Mikrofone. Auch Bätzing zeigte sich massiv irritiert, dass nicht (wie in sozialistischen Systemen üblich) nahezu Einstimmigkeit herrschte und bestellte umgehend all seine Kollegen zu einer spätabendlichen Aussprache ein.

Am nächsten Morgen jedoch hatten die Feinde Christi innerhalb der katholischen Kirche eine neue Strategie entwickelt, wie sie ihrem Kurs zum Sieg verhelfen könnten. Zunächst erklärte Berlins Erzbischof Heiner Koch schriftlich, dass es doch nicht sein könne, dass 14 Bistümer den Text nicht umsetzen würden und 12 dies trotz Ablehnung des Textes tun wollten. ALLE müssten sich zusammenraufen, um mit einer Stimme zu sprechen. Wenig später folgte eine Pressekonferenz von Bischof Bätzing, in der er erklärte, das Abstimmungsergebnis sei ihm komplett egal, das Dokument würde umgesetzt. Basta!

Jeder zweite deutsche Bischof ist homosexuell? Mag sein!

Zwischenzeitlich hatten bereits einige seiner Kampfgefährten aus der LGBTI-Lobby öffentlich erklärt, dass Abstimmungsergebnisse für sie nur dann relevant seien, wenn in ihrem Sinn entschieden werde. Kommt mir aus der Politik irgendwie bekannt vor…

Auf der Versammlung selbst begann am frühen Nachmittag ein Spießrutenlauf für jene Bischöfe, die auf der Seite des kirchlichen Lehramts standen. Zunächst wurde klar, dass alle künftigen Abstimmungen, die der Zweidrittelmehrheit bedürfen, namentlich vollzogen werden sollten. So böte sich die Gelegenheit, gemeinsam mit den kirchenfeindlichen deutschen Leitmedien virtuelle Jagd auf die Abweichler machen, die – statt bedingungslose Kirchenvolkssolidarität zu zeigen – nach ihrem Gewissen und dem Treueversprechen bei den Weihen abstimmen würden.

Zeit, die Folterinstrumente zu zeigen!

Als sich in der Debatte dennoch mancher Bischof weiter unbeugsam zeigte, wurde es einigen Teilnehmern zu unbunt:

Bätzing und Marx drohten Abweichlern indirekt Konsequenzen an

Kurz danach ließ Bätzing erneut die Sitzung unterbrechen und bestellte seine Kollegen ein, denn er musste fürchten, dass auch der Grundtext “Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche”, der den Zugang von Frauen zum Diakoninnen- und Priesteramt fordert, durchfallen könnte. In der Pause – so meine Information von einem Beteiligten – erklärte Bätzing seinen Bischofskollegen, dass die Versammlung platzen, der Synodale Weg scheitern und für alle daraus entstehenden negativen Folgen die Stimmverweigerer in den Medien verantwortlich gemacht würden.

Denn es gäbe bekanntlich gleich eine namentliche Abstimmung. Er wolle persönlich dafür sorgen, dass jene, die sich dem Fortschritt verweigern und damit die Zukunftsfähigkeit der Kirche zerstören würden, in ihren Bistümern keinen Fuß mehr auf dem Boden bekämen. Diese klaren Worte wirkten nach, so dass bei der folgenden Abstimmung die Zweidrittelmehrheit erreicht wurde. Nicht komfortabel, aber klar.

Irrationales Abstimmungsverhalten beim Handlungstext zur Homosexualität

Dass diese Drohkulisse tatsächlich existierte und nicht nur in meiner oder ein paar anderer Leute Einbildung, zeigte sich dann wenige Stunden später, als der Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“ mit einer sehr klaren Bischofsmehrheit beschlossen wurde. Dieser text stellt eine Handlungsanweisung (wenn man so will) als Vertiefung des Grundtextes Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, den die Bischöfe am Tag zuvor ohne die notwendige Mehrheit scheitern ließen. Nun aber beschlossen sie einen Text, der auf dem von ihnen abgelehnten aufbaut und sich noch deutlicher gegen die Lehre der Kirche ausspricht.

Dieses Paradoxon lässt sich ausschließlich durch enormen psychischen Druck hinter den Kulissen erklären und die feindselige Atmosphäre, die nach dem Scheitern des ersten Textes gegenüber den Abweichlern aufgebaut und peu à peu gesteigert wurde.

Und dennoch bleibt das ein Verrat an Christus und seiner Kirche aus Feigheit. Vor allem die Enthaltungen kann ich nicht nachvollziehen. In Fragen die Lehre der Kirche keine Meinung zum Ausdruck bringen zu wollen, ist beinahe ein noch skandalöseres Verhalten als die Zustimmung zu Veränderungen.

Zwischenfazit

Heute wird es weitere Abstimmungen geben mit möglicherweise erheblichen Folgen für die Strukturen der Kirche (z. B. ein “Synodaler Rat” als Wächter über die Linksgläubigkeit der Bischofskonferenz). Darüber werde ich morgen berichten.

Deshalb jetzt nur ein Zwischenfazit: Die Spaltung der DBK ist nicht mehr zu verhindern. Nach Ende des Synodalen Weges werden viele in ihre Bistümer zurückgekehrt die Messer wetzen. Rom wird sich noch in diesem Monat einschalten und Bätzing lässt eskalieren. Das mag damit zu tun haben, dass er selbst homosexuell ist. Es hat aber auf jeden Fall damit zu tun, dass er seit Jahren tief in seinem Herzen die Hierarchie jener Kirche verachtet, die gemeinsam mit dem Staat für sein fünfstelliges Monatseinkommen sorgt.

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