Wenn Axel Springer noch lebte…

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Von Jürgen Braun*)

Axel Cäsar Springer geb. 1985, gest. 1985
Axel Cäsar Springer
geb. 1912, gest. 1985

Wer sich auch nur ein wenig tiefer mit dem beschäftigt, was Axel Springer in seinem Leben bewegte, der erkennt einen scharfen Kontrast zum heutigen deutschen Einheitsbrei in Politik und Medien. Auch wenn niemand den Beweis für die jetzigen Ansichten eines seit 1985 toten Großverlegers antreten kann, so lohnt manches Gedankenspiel.

Axel Springer litt unter der Teilung Deutschlands und der Unfreiheit hinter Mauer und Stacheldraht. Der gläubige Christ setzte sich stets für Israel ein. Er wusste, woher den lebenden Juden Gefahr drohte. Deutsche jüdische Gemeinden, Schulen oder Kindergärten stehen seit den Sechzigern unter Polizeischutz, nahezu ausschließlich wegen linksradikaler Gewalttäter und deren Verbündeten aus dem arabisch-islamischen Lager.

Ihm war es zuwider, wenn unbequeme Meinungen mit dem Verweis auf den linken Zeitgeist an den Rand gedrängt wurden. Er verachtete Politiker ohne klare politische Ansichten, die ihre Meinung nach dem täglichen Geplätscher von Umfragen richteten. Springer unterstützte mehrfach Parteien oder Gruppen jenseits der CDU, die weitaus fragwürdiger waren als die heutige brave AfD, die von „Bild“ stets nur maßlos als „Euro-Hasser“ beschimpft wird. Axel Springer misstraute bereits der CDU der Siebziger Jahre, hielt sie oft für zu angepasst. Was hätte er wohl erst von der breiigen Merkel-Union gehalten, was von der alternativlosen Einfalt der Berliner Politik? Neben der nach Grünlinks abdriftenden CDU würde seine Sorge um Deutschland aber auch nicht von nun vermeintlich ins Rechte changierenden Chamäleons wie Jürgen Elsässer ausgeräumt, die noch vor kurzem allein linksradikal („Nie wieder Deutschland“) auffielen.

Nein, Politik und Medien in seinem Land würden ihm nicht gefallen. Auch die Lage seines eigenen Konzerns nicht. Auf den ersten Blick zwar wirtschaftlich erfolgreich, doch unter Preisgabe von Blättern aus dem Herzen des Verlegers. Vermeintlich moderne Felder des Verlags haben irgendwas technisch mit Medien zu tun, aber mit Journalismus wenig. Ja, dann ist der „Media-Markt“ eben auch ein Medienkonzern.

Gegen polit-medialen Mainstream

Selbst dem kreativen Kopf Axel Springer wäre vermutlich nicht jede Investition im Zeitalter des Internets gelungen. Auch er hätte sich der neuen Technik gestellt, vielleicht schneller als seine Nachfolger. Auch er wäre in jenes kalifornische Tal gereist, wohl nur zwanzig Jahre früher als die Diekmanns und Keeses.

Überhaupt, das Personal. Axel Springer stützte unbequeme Journalisten. Häufig tat er das umso deutlicher, je mehr sie vom polit-medialen Mainstream angefeindet wurden, von Matthias Walden bis Enno von Loewenstern. Von diesem Geist der Freiheit sind die heute Mächtigen weit entfernt. Nicolaus Fest tat im Sommer das, was in einem Kommentar stehen sollte: Er äußerte seine Meinung. Weil er aber daraufhin von selbsternannten Tugendwächtern in diesem politkorrekten Land beschimpft wurde, distanzierten sich Verantwortliche des eigenen Hauses von Fest und schrieben schleimige Sätze, die an Orwellsche Sprache erinnern. Dabei hatte Fest nur das geschrieben, was dem in diesen Tagen verstorbenen Ralph Giordano das Herzensanliegen seines letzten Jahrzehnts war: „Nicht die Migration, der Islam ist das Problem“.

Nicolaus Fest wurde öffentlich abgewatscht, kaltgestellt und herausgedrängt. Was hätte Axel Springer getan? Er wäre nicht eingeknickt. Vermutlich hätte er sich überlegt, ob die Anpasser an den Berliner Politikbetrieb nicht besser gehen sollten. Neben den vorauseilenden Merkel-Helfern gibt es da noch die mächtige SPD-Hannover-Connection, Rolf Kleine und der aalglatte Bela Anda, vormals Schröder- und Maschmeyer-Sprecher.

Wer wäre neben Nicolaus Fest ein von Axel Springer respektierter Journalist? Klar, Broder, Maxeiner, Miersch oder Steltzner von der FAZ. Mein aktueller Favorit ist Roland Tichy. Ein unabhängiger, gereifter Kopf wie er selten geworden ist.

*)Quelle: Medienmagazin „Rundy“, Nr. 18/Dezember 2014, Jürgen Braun ist Kommentator bei „Rundy“.

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